Warum "The Fast and the Furious“ seiner Zeit modemäßig voraus war

Raves, Lederchaps und Overalls: Die Filme haben bereits vor 15 Jahren die Styles gezeigt, an denen du nicht mehr vorbeikommst.

von Isabelle Hellyer
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26 Januar 2017, 2:55pm

Was kommt heraus, wenn Vin Diesel, Paul Walker und Ludacris sich in einem mehrstöckigen Parkhaus treffen? Ein Multimillionen-Dollar-Film-Franchise, das mittlerweile seit 15 Jahren Jahr ein, Jahr aus Geld in die Kassen von Universal spült.

Vin Diesel und seine Gang kommen in diesem Jahr bereits zum achten Mal in die Kinos. Zwar wird jeder neue Teil noch weichgespülter als der letzte, dabei geht aber unter, dass die ersten Filme dieser maximal aufgeblasenen Filmreihe keine aalglatten Blockbuster waren. Die ersten drei Filme ­– The Fast and the Furious (2001), 2 Fast 2 Furious (2003) und The Fast and the Furious: Tokyo Drift (2006) – waren, und ja, man muss es sagen, edgy und besonders. Sie handelten von Rebellion, von Betrug und zeigten Subkulturen. Bei der Garderobenauswahl haben sich die Rennfahrer und Rennfahrerinnen von Punkern, Ravern, Sadisten und Masochisten inspirieren lassen. 15 Jahre später und die Modewelt zelebriert diese Subkulturen wieder.


Auch auf i-D: An Jazzelles Style kommst du nicht vorbei


Deshalb ist es höchste Zeit, dass wir Fast and the Furious die Anerkennung zu Teil werden lassen, die die ersten Filme verdienen. Einige Kritiker gehen sogar soweit und führen heutige Trends auf die Looks in den ersten Filme aus der Reihe zurück. Du glaubst uns nicht? Dann lies weiter.

Fetish goes Mainstream

2 Fast 2 Furious

bescherte uns i-D Covergirl Devon Aoki als Drag Racerin Suki. Für ihre erste große Rolle in Hollywood hat Kostümdesignerin Sanja Hays dem Model einige der prägnantesten Looks verpasst: Lederchaps und Hüfthosen, die Alexander McQueen stolz gemacht hätten. Heutzutage ist Fetishwear in der High Fashion mehr denn je Thema. Wir gehen ganz stark davon aus, dass sich viele durch Devons Hosen inspirieren lassen, wenn sie durch Instagram scrollen.

Die neu entdeckte Vorliebe für Fetishwear verdanken wir – teilweise jedenfalls – einer höheren Bereitschaft, über unsere Vorlieben zu reden, wodurch die dazugehörige Mode ein Revival erlebt. Das Internet spielt dabei natürlich eine Rolle: durch Tumblr und Instagram ist es einfacher geworden, sich über die BDSM-Community zu informieren. Beispiele für diesen Trend gibt es viele, man denke nur an die Beliebtheit von Atsuko Kudos Latex-Kleid oder die Leder-Pieces von der New Yorkerin Zana Bayne. Die Denim-Chaps von Y/Project haben bei der Vetements-Generation dafür gesorgt, dass die den Fetisch selbst ausprobieren möchte. Weil sich Modedesigner immer mehr von Subkulturen inspirieren lassen, dürfen wir auch weiterhin enge, geschnürte Lederhose und glänzenden Latex erwarten.

The Higher the Hair, the Closer to God

Eva Mendez hat in 2 Fast 2 Furious die Undercover-Agentin Monica Fuentes gespielt. Auch wenn der Druck im Job hoch ist und sie nicht viel Freizeit hat, wurde Miss Fuentes nie ohne perfekt gestylte Haare erwischt, immer so, als ob sie gerade wie frisch toupiert aus dem Frisörsalon kommt. Wer wissen will, wie es um die Stimmung in der Modebranche allgemein steht, für den sind toupierte Haare ein guter Indikator. Sie liefern eine Antwort auf die Frage, ob Zurückhaltung angesagt ist oder nicht, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Mode neigt dazu, zwischen zwei Extremen zu pendeln: Minimalismus und Maximalismus. In den 80ern regierte der Exzess. Das Einzige, das größer war als die Dauerwellen, waren die Supermodels, die sie getragen haben. In den 90ern herrschte dann Minimalismus vor, die Haare wurden wieder flacher getragen: geglättet oder streng nach hinten gebunden, vorzugsweise mit Gel. Heute scheint mit der Rückkehr der Supermodels, oder eben „Social-Supermodels", auch wieder der Bouffant an Konjunktur zu gewinnen. Dafür sind vor allem zwei Namen verantwortlich: Jeremy Scott und Rihanna. In der Scotts ersten Kollektion für Moschino setzte er alles auf den Beauty Queen Blow Dry, während die Frisur von Riri eher an Marie-Antoinette aus dem 18. Jahrhundert erinnerte. Wie passend, weil es Historiker gibt, die den ersten Bouffant-Trend auf die austro-französische Monarchin zurückführen.

The Return of the Rave

Blaumänner, oder in der Fashion-Variante: Overalls, und Cargohosen waren das Standardoutfit in den ersten Fast and Furious-Filmen. Michelle Rodriguez' Figur Letty trug tiefsitzende Cargohosen, massive New Rock-Stiefel und eine Dog-Tag-Kette. Ludacris ist in 2 Fast 2 Furious nie ohne Overall zu sehen­ ­- beides Kleidungsstücke, die in der Mode gerade wieder ihr Comeback antreten. Warum es heute diese neu gefundene Vorliebe für Handwerker-Wear, man muss ja schließlich jederzeit auf die drohende Apokalypse vorbereitet sein, gibt, kann man direkt auf die momentane Obsession der Modewelt mit der Clubkultur zurückzuführen. Unser Fashion Features Editor Anders Christian Madsen erklärte während der LFW, dass die Kollektionen so wirken, als hätten sie einmal alle ordentlich abgefeiert, weil so viele Designer in ihren Kreationen den Ravern der 90er huldigen.

Leute aus der britischen Rave-Szene, wie der Techno-Pionier Altern 8, gehörten zu den ersten jungen Leute, die aus Armeekleidung den Military Style formten. Das lag zu einen nicht geringen Teil an der körperlich anstrengenden Aufgabe, die Technopartys in den leerstehenden Industriehallen zu organisieren, die Kleidung musste eben was aushalten. Bis heute hat sich der Club-Style seinen apokalyptischen Feel beibehalten: Die militarisierte, zukunftshungrige Clubwear von Nasir Mazhar ist dafür das beste Beispiel. Liam Hodges hat in seiner Autumn-Winter-17-Show die illegalen Raves regelrecht zelebriert und Gordon Richardson huldigt der Berliner Techno-Szene in seiner Topman Design Collection für Herbst / Winter 17.

Die Befreiung des Korsetts

In einer der wichtigsten Szene aus 2 Fast 2 Furious führt Agentin Monica Fuentes, aka Eva Mendez, Brian O'Conner, aka Paul Walker, durch einen Club in Miami und zeigt ihren wunderschönen BH aus Spitze, den sie über ihrem atemberaubenden Seidenkleid trägt. Ein Look, der nie alt wird. 2016 war das Jahr, in dem Bustiers, Korsette und BHs auch offiziell nicht mehr unter Kleidung versteckt werden müssen. Prada hat den Trend mit seiner Herbst-/Winterkollektion 2016 in Gang gesetzt und dem Korsett eine ganz neue Bedeutung gegeben, in dem sie ihre Models mit weniger einengenden Leinen-Korsetts auf den Laufsteg geschickt hat. Dieser Look hat ein neues Kapitel in der Geschichte dieses Kleidungsstücks aufgeschlagen.

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