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Die 10 besten deutschen Coming-of-Age-Filme

Irgendwo zwischen erstem Zungenkuss, großer Liebe und sich festigenden Interessen für Politik und Popkultur — die besten Geschichten werden geschrieben, wenn man erwachsen wird. Oder eben die anderen.

von Lisa Leinen
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10 Oktober 2016, 8:10am

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Absolute Giganten
"Es müsste immer Musik da sein, bei allem, was du machst. Und wenn's so richtig scheiße ist, dann ist wenigstens noch die Musik da", gehört definitiv zu den schönsten Sätzen des deutschen Films. Nicht weniger rührend ist die Geschichte der drei Jungs Floyd, Ricco und Walter, die zwar ihr Ziel im Leben etwas aus den Augen verloren, dafür aber umso mehr ihre Freundschaft gefunden haben. Als Floyd den anderen beiden verkündet, dass morgen das Containerschiff ablegt und er mit diesem fortgehen wird, wissen alle, dass dieser Abend ihr vorerst letzter gemeinsamer sein wird.

Good Bye, Lenin!
Wie schwer kann es schon sein, etwas aufrecht zu erhalten, was immer mehr verfällt? Sehr schwer. Das muss auch Alexander Kerner bald feststellen. Während seine Mutter, "verdienstvolle Persönlichkeit" der DDR, im Koma liegt, fällt die Mauer. Um sie nach ihrem Erwachen weiterhin zu schonen, stellt Alex für sie in der eigenen Wohnung das alte Regime nach – Spreewald-Gurken und Trink Fix inklusive. Sogar eine eigene Nachrichtensendung nimmt er Tag für Tag auf Kassette auf. Irgendwann muss er sich allerdings fragen: Macht er all das für seine Mutter? Oder doch für sich selbst? Und wie lange kann er den Westen vom Osten fernhalten?

Oh Boy
International trägt der Film den Titel: A Coffee in Berlin und eigentlich geht es genau darum: Niko Fischer wohnt in Berlin und ist auf der Suche nach einem schwarzen Kaffee. Je günstiger, desto besser, denn als sein karrieregesteuerte Vater rausfindet, dass er bereits vor zwei Jahren sein Studium geschmissen hat, schmeißt dieser kurzerhand die monatliche Überweisung. Die Kamera begleitet den jungen Lebenskünstler, der irgendwie über zu viel und dennoch zu wenig nachdenkt, für 24 Stunden durch die Stadt, auf die genau so viel Klischees zutreffen wie auf Niko selbst. Wer Humor à la Herr Lehmann mag, wird diesen Film lieben.

Crazy
16 Jahre ist es her, dass dieser Film in den Kinos lief und wir alle unser Herz an den schüchternen Benni (Robert Stadtlober) oder – und?– den vorlauten Janosch verloren haben. Die Geschichte, die auf dem autobiografischen Erfolgsroman von Benjamin Lebert basiert, wird aber niemals alt sein: Zwei beste Freunde verlieben sich in dasselbe Mädchen – irgendwo zwischen turbulentem Internatsleben, pubertärem Hormonstau, Freundschaft, Liebe, erstem Sex und Eifersucht. Wer vergessen hat, wie genau sich solche Momente anfühlen, sollte diesen Film unbedingt wieder ansehen. Und wieder.

Nichts Bereuen
Daniel ist 19, hat gerade sein Abi gemacht und weiß noch nicht so recht, was er jetzt machen möchte. Er weiß aber, dass er in Luca verliebt ist. Unsterblich. Seit vier Jahren. Muss man erst loslassen, um jemand Neuen kennenzulernen? Oder muss erst jemand Neues ins Leben treten, um alte Lieben loszulassen? Daniel glaubt bald die Antwort zu kennen – oder etwa doch nicht?

Keine Lieder über die Liebe
Der Film erzählt die Geschichte von Tobias, der einen Dokumentarfilm über seinen Bruder Markus und dessen Band Hansen (mit Liedern von Tomte) drehen möchte. Doch irgendwas ist anders. Besonders, wenn Ellen, Tobias Freundin, auch im Raum ist. Haben sie und Markus etwas zu verheimlichen? Was geschah wirklich, damals in Hamburg? Und was ist das eigentlich: Liebe? Und wenn es sie gibt, wie viel Vertrauen braucht sie? Und wann bricht sie? Bei allen offenen Fragen wird eine beantwortet. Was will man hören, wenn man gerade so tief verletzt wurde? Keine Lieder über Liebe.

Fickende Fische
Kaum ein Film schafft es, die oftmals so verkitschten Themen Erste Liebe und Erstes Mal so direkt und schonungslos, und dennoch so verspielt aufzugreifen. Als Nina sich in Jan verliebt, ist ihr nicht klar, dass es nicht nur ihre sehr verschiedenen Elternhäuser sind, was sie voneinander unterscheidet. Jan ist HIV-positiv und hat sich längst mit dem baldigen Tod abgefunden. Bis Nina in sein Leben tritt, ihn an der Hand nimmt und ihm zeigt, wie viel es noch zu erleben gibt. Als sie von seiner Krankheit erfährt, kann sie nicht damit umgehen. Die beiden verlieren sich aus den Augen – bis der Tod sie wieder zusammenbringt.

Verschwende deine Jugend
Harry lebt in München und ist gelangweilt – von seiner Ausbildung zum Bankkaufmann, von Leben in der Großstadt, am meisten aber von sich selbst. Also versucht er sich als Manager der Punk-Band Apollo Schwabing, und verspricht ihnen die ganze große Karriere. Dafür plant er ein Musikfestival im Zirkus Crone. Hauptact: DAF (Deutsch Amerikanische Freundschaft). Die wissen allerdings noch nichts davon. Während Harry also alles dafür tut, um seinen Traum in die Realität zu holen, verschwimmt diese um ihn herum immer mehr zum Traum.

Die Welle
Zum Erwachsenwerden gehören nicht nur Liebe, Sex und Zärtlichkeiten. Sondern auch: die politische Identität und Meinung. Die Welle startet eigentlich als Experiment, endet aber schneller als gedacht in eine ernstzunehmende Bewegung, die nicht mehr zu kontrollieren ist. „Vielleicht wäre eine Diktatur ja gar nicht so schlecht für Deutschland. Also nicht Hitler, aber eben jemand, der sagt, wo es lang geht", so eine Schülerin. Aus Freundschaften werden Feindschaften, als harmlosen Parolen gewaltgeladene Aktionen. Und wer einmal im aufbrausenden Mittelmeer gebadet hat, der weiß, wie schwer rollende Wellen aufzuhalten sind.

Soloalbum
Ben erfüllt alle Klischees, die man sich mit Mitte Zwanzig in Berlin so aneignen kann. Als er seine Freundin Katharina an ihrem Geburtstag zum wiederholten Mal versetzt, nur um auf einer Party mit anderen Frauen zu schmusen, macht sie Schluss. Und Ben ist das doch nicht so egal, wie er lange Zeit gedacht hat. Er hat fällt in ein Loch aus Selbsthass und Liebeskummer, verkriecht sich in seiner Wohnung, beginnt, die Welt zu hassen, und seine Gedanken und Gefühle aufzuschreiben.

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