Intime Bilder von Freunden in Fetisch-Kleidung

Muted Fawn hatte bereits Musikerinnen wie St. Vincent vor ihrer Linse.

von Alexandra Weiss; Fotos von Nedda Afsari
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16 März 2018, 3:25pm

Nedda Afsari, aka Muted Fawn, geht es nicht nur um das fertige Bild, sondern auch um das, was dahinter steckt. Unter dem Künstlernamen Muted Fawn fängt die Fotografin ihre Freunde und Musen in Fetisch-Bilderwelten ein. Im Zentrum stehen dabei Machtdynamiken: Wer ist der Dominante und wer der Unterwürfige? Doch wird in ihren Settings nicht genau klar, wie die Macht verteilt ist – auch wenn es genau diese subtilen Momente sind, die Neddas Arbeiten so interessant machen.

Die in Kalifornien geborene und im Iran aufgewachsene Fotografin weiß, wie Grenzen funktionieren. "Durch die Fotografie kann ich mich intensiv mit mir selbst und anderen beschäftigen", sagt die Künstlerin. "Das Model und ich wissen, was vor sich geht. Wir müssen es nicht mit Worten erklären."


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Nedda hat bereits mit Musikerinnen wie Chelsea Wolfe und St. Vincent zusammengearbeitet und steckt gerade mitten in den Vorbereitungen zu ihrem ersten Fotoband UNMUTE, in dem es um Fragen der Sexualität und Identität geht. Die Aufnahmen zeigen die verletzlichere Seite der Menschen, selbst wenn sie Leder und Masken tragen. "Ich mag es, wenn ich eine Seite von ihnen zeige, die sie sonst nicht so häufig anderen zeigen", sagt sie. Im Interview verrät uns Nedda mehr über ihr Verständnis als Fotografin und die Stimmung am Set.

Beschreibe uns deinen Ansatz
Ich verarbeite die Visionen, Ängste und Gelüste meines Unterbewusstseins. Und ich zeige gerne Gegensätze: die Grenzen zwischen Fantasie und Realität, maskulin und feminin, zwischen Licht und Dunkelheit. Manchmal ist ein Bild gleichzeitig verträumt, chaotisch und trotzdem nicht von dieser Welt.

Wie hat sich deine Fotografie entwickelt?
Am Anfang war sie noch spontaner. Damals wollte ich nur schöne Fotos von Dingen oder Menschen machen, die mich inspirieren. Heute finde ich die Geschichte hinter der Aufnahme am interessantesten.

Würdest du deine Arbeiten als feministisch bezeichnen?
Mein Werk ist introspektiv. Es fällt mir einfacher, meine eigenen Gefühle zu erleben, wenn ich andere fotografiere. Aber für mich sind meine Arbeiten nicht feministisch, weil ich mich in keiner Position befinde, um anderen zu sagen, wie sie meine Bilder wahrnehmen sollen. Sie sind für alle da. Ich teile meine Arbeiten einfach gerne.

Aber du bist eine Frau und fotografierst Frauen in sexualisierten oder tabuisierten Kontexten. Geht es dir nicht zumindest um eine Erkundung der weiblichen Sexualität?
Nicht alles hat eine spezielle Bedeutung oder ist eine Metapher. In den Bildern muss nicht zwangsläufig eine sexualisierte Energie vorhanden sein. Das Model und ich erkunden zusammen Themen, die schmerzvoll und oft überhaupt nichts mit Sex zu tun haben. Wenn es ein übergreifendes Thema gibt, dann ist es Macht. Macht haben, finden, abgeben und wieder erlangen.

Mit wem würdest du gerne mal zusammenarbeiten?
Madonna.

Wie siehst du deine Rolle als Künstlerin in einer Zeit, in der weibliche Sexualität so streng zensiert wird?
Ich möchte anderen einen Safe Space geben, in dem sie alle Aspekte ihrer Persönlichkeit erkunden können. Die menschliche Sexualität ist ein wichtiges Thema und wir sollten die Balance zwischen unserer männlichen und weiblichen Energie finden. Meine Rolle als Fotografin ist es, Debatten zu ermöglichen, damit der Betrachter selbst eine andere Seite an sich entdecken kann.

@mutedfawn

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

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