Was ist ein schöner Mann?

Diese Frage interpretiert der griechische Fotograf Kostis Fokas mit verwirrenden Perspektiven und großer sexueller Energie.

von André-Naquian Wheeler; Übersetzt von Michael Sader; Fotos von Kostis Fokas
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Juli 6 2018, 9:19am

Der in Athen geborene Kostis Fokas ist Teil einer neuen Generation von Fotografen, die hinterfragen, was Männer zu schönen Männern macht. Längst sind in der Fotografie nicht mehr nur Brustwarzen, muskulöse Trizepse und Penisse die einzigen schönen Körperstellen eines Mannes. Mit seiner Kamera erzeugt der griechische Fotograf eine Welt aus verwirrenden Perspektiven mit einer großen sexuellen Energie aus Ellbogen, Knien und verdrehten Beinen.


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"Ich verstehe Schönheit nicht so wie der Mainstream in der Mode", sagt Kostis Fokas. Er publiziert regelmäßig in der Independent-LGBTQ-Publikation Gayletter. "Meine Arbeiten sind sehr persönlich und reflektieren meine eigenen Gefühle und persönlichen Geschichten, die ich mit anderen teilen möchte." Kostis Fokas zeigt Menschen, die frei von Scham sind und sorgt dafür, dass die Objekte schwuler Begierde für alle sichtbarer und Teil der Mainstream-Fotografie werden. Wir wollten mehr über Kostis Fokas wissen und haben uns mit ihm über männliche Schönheit in der Fotografie unterhalten.

Welches Körperteil fotografierst du am liebsten?
Die faszinierendsten Stellen des menschlichen Körpers sind für mich die Hände wegen ihrer Ausdruckskraft und die Beine wegen ihrer Dynamik. Deshalb sieht man diese Körperteile so oft in meinen Arbeiten. Am erotischsten finde ich aber Augen.

Wie wichtig ist dir Sexualität in deinen Arbeiten?
Darum geht es in meinen Fotografien in erster Linie gar nicht. Die nackten Körper sind nicht erotisch und sollen auch nicht verführen. Ich möchte vielmehr, dass die Betrachter ein Wechselspiel zwischen dem, was sie sehen, und ihren eigenen Sinnen erleben – wie im wahren Leben auch. Meine Arbeiten sollen einen inneren Dialog auslösen, darüber, was jenseits der puren Fleischeslust verborgen liegt.

Womit verbindest du Nacktsein?
Die Menschen sind ehrlicher, wenn sie nackt sind. Ich zeige den Körper in all seiner Schönheit, Hässlichkeit und Vielfalt. Das war für mich auch eine persönliche Reise. Seit 2013 fotografiere ich mich selbst nackt, um meine eigenen Schamgefühle und Tabus zu überwinden. Das Fotografieren war mein Weg, um die Themen anzusprechen, die ich nicht nur im Gespräch mit anderen gemieden habe, sondern über die ich selbst nicht nachdenken wollte. So habe ich gelernt, mich und meinen Körper zu akzeptieren.

Welche Rolle spielt Maskulinität in deiner Fotografie?
Mich spricht Maskulinität zwar an, aber genauso möchte ich auch Männer zeigen, die ihre feminine Seite ausleben. Schwule Fotografie hat sich zu lange nur an der Männlichkeit orientiert. Das ändert sich gerade und ich bin ein Teil dieser neuen Generation von Fotografen.

Wie bist du zur Fotografie gekommen?
Ich habe mein ganzes Geld für Magazine wie i-D oder The Face ausgegeben. Die kulturelle Revolution in den 90ern wurde durch die Fotografen und Magazine vorangetrieben, deshalb habe ich die Fotografie für mich entdeckt. Ich war ein großer Fan von Terry Richardsons sexualisierter Fotografie. Herb Ritts' mit seiner Schwarz-weiß-Fotografie und Wolfgang Tillmans mit seinem alternativen Blick waren meine Helden. Sie waren der Grund, warum ich Fotografie studiert habe.

Was inspiriert dich außerdem?
Ich interessiere mich sehr für Kunstgeschichte und lese viel darüber, gerade über die Zeit des Surrealismus und Dadaismus. Diese Künstler haben etwas erschaffen, das keine Grenzen und Logik kennt. Die frühen ästhetischen Revolutionäre des frühen 20. Jahrhunderts – wie Man Rey und Andre Breton –, aber auch Guy Bourdin und Martin Parr faszinieren mich besonders.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.