Warum können wir die "Stranger Things"-Kids nicht Kinder sein lassen?

Die jungen Schauspieler stehen gerade extrem im Rampenlicht – und das ist nicht immer positiv.

von Hannah Ongley
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10 November 2017, 11:11am

Foto: Matteo Montanari 

Dieser Artikel stammt von unsern Kollegen aus der US-Redaktion.

Ein Teil des großen Erfolgs der Netflix-Serie Stranger Things liegt sicher daran, dass die Schauspieler sehr jung sind. Das macht es umso beeindruckender, wenn Millie Bobby Brown (13) Nicki Minajs Monster-Rap-Part zum Besten gibt, Finn Wolfhard (14) ein Cover von New Orders Age of Consent rockt oder Noah Schnapp (13) über die Stereotypisierung von LGBTQ-Charakteren spricht. Weniger cool ist es hingegen, wenn einige Fans von den Schauspielern mehr erwarten, als zu ihren Dreharbeiten aufzutauchen, wie Finn uns allen auf freundliche Weise in Erinnerung ruft (er wurde vor Kurzem selbst auf Twitter von einem erwachsenen Fan kritisiert, der enttäuscht war, dass der ST-Star kein Foto mit ihm machen wollte, obwohl er vor seinem Hotel gewartet hätte – die Fans hielten aber natürlich zu ihrem Idol).


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“Hey everybody!” schrieb Finn Mitte der Woche in einem sehr höflichen Tweet. “Ich will jetzt niemanden aus der Fangemeinde verbannen, aber wenn ihr echte Fans seid, hört ihr damit auf, meine Freunde und Kollegen zu kritisieren. Ihr wisst schon, wen ich meine. Ich weiß nichtmal, warum ich das überhaupt tweeten muss. Jemand, der sich selbst Fan nennt und jemanden fertig macht, weil er schauspielert und seinen Job macht, ist einfach nur lächerlich. Denkt nach, bevor ihr etwas schreibt.”

Der ST-Star hat zwar nicht erwähnt, um wen genau es geht, aber im Endeffekt könnte es leider jeder aus der Crew sein: Millie Bobby Brown wurde auf Instagram, von einem leitenden Angestellten des Medienunternehmens NBC Universal und von der Seite Yandy.com sexualisiert, die Eleven letzten Monat zur Liste der sexiesten Halloween-Verkleidungen erkoren hat. Und auch Sadie Sink – die wegen der kontroversen, improvisierten Kuss-Szene bereits die Duffer-Brüder verteidigen musste – wurde von sogenannten Fans hart kritisiert, die keinen neuen Charakter in der Serie sehen wollten. Wie Shannon Purser (aka Barb) klargestellt hat, als sie Finn gegen die Vorwürfe der Herzlosigkeit verteidigte, hatte auch sie mit einigen unerwünschten Fans zu tun. Mit 20 ist Shannon im Vergleich zu einigen ihrer Schauspiel-Kollegen aus Stranger Things allerdings ein alter Hase.

"Okay, nein,” schrieb Purser vergangenes Wochenende in einem Twitter-Thread. “Kein Schauspieler ist dazu verpflichtet, stehen zu bleiben, sobald ein Fan das will. Finn ist ein unglaublich lieber Mensch. Aber er ist eben ein Mensch und braucht deswegen auch mal eine Pause. Ich erlebe das alles natürlich in einem viel kleineren Umfang, aber auch auf mich haben die Leute in Hotellobbys oder an Flughafen-Gates gewartet. Nur bin ich erwachsen und kann mir nicht vorstellen, in Finns Alter von all dieser Aufmerksamkeit überschwemmt zu werden. Das ist unglaublich einschüchternd. Ansage von einer großen Schwester an die ganze Welt: Wagt es nicht, jungen Schauspielern ein schlechtes Gewissen einzureden, weil sie nicht stehen bleiben und euch ‘Hallo‘ sagen konnten.”

“Sie schenken euch ihre Kunst. Sie lieben ihre Fans. Nutzt das nicht aus. Und wenn ihr nicht damit klarkommt, dass sie auch mal Ruhe brauchen, haltet euch von ihnen fern.”

Übertrieben leidenschaftliche Fangemeinden gibt es aber nicht erst seit 2017. Potterheads, Sherlockians, Gleeks und Cumberbitches können ebenso fanatische Züge annehmen wie Beliebers oder Little Monsters. Das Einzigartige bei Stranger Things ist jedoch, dass die Fans der Serie größtenteils älter sind als die Hauptfiguren. Netflix versucht das vielleicht ein wenig zu verdrehen, aber es gibt nunmal erwachsene Männer, die sich als Eleven verkleiden, das weiß Millie Bobby Brown sehr wohl und findet das alles andere als cool. Finn Wolfhard hat vor Kurzem den scherzhaften Aufruf eines 27-jährigen Models, sie doch bitte “in vier Jahren anzurufen” als “eklig” bezeichnet, aber noch mehr störten ihn offensichtlich die vielen TMZ-Kameras, die ihm fast ins Gesicht gedrückt wurden. Es ist nicht in Ordnung, Kinder zu bedrängen, und noch weniger, damit Geld zu machen.

Erwachsene sollten nicht daran erinnert werden müssen, dass die Stranger Things-Kids noch Kinder sind, egal wie erwachsen sie in Interviews vielleicht wirken. Glücklicherweise zeigen die unterstützenden Reaktionen, dass es sich bei den zwanghaften Fans eindeutig um die Minderheit handelt.

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