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was wir uns vom film mit james franco als schwuler pornodarsteller erwarten können

„King Cobra“ ist der Versuch Hollywoods, die wahre Geschichte des Mordes eines Produzenten im Schwulenporno-Business zu verfilmen. Wir haben mit dem Regisseur Justin Kelly über den umstrittenen Film gesprochen.

von Oliver Lunn
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01 November 2016, 2:11pm

James Franco spielt in seinem neuen Film einen schwulen Pornoproduzenten und ist darin in Bestform. King Cobra ist ein Drama, das von den Anfängen des jungen Pornostars Brent Corrigan erzählt. In weiteren Rollen sind der ehemalige Disney-Schauspieler Garrett Clayton als Brent Corrigan, Christian Slater als rivalisierender Pornoproduzent („Zeig mir diesen Schwanz", fordert er von Brent) sowie Molly Ringwald und Alicia Silverstone in diesem spannenden Indie-Krimifilm zu sehen.

Der Film spielt im Los Angeles der 2000er, in denen das Internet noch in den Kinderschuhen steckte, es Pornos nur mit niedriger Auflösung gab und Ed Hardy das Nonplusultra war, und dreht sich um den Skandal um Brent Corrigan, der mit bürgerlichem Namen Sean Paul Lockhart heißt. Wie sich erst später herausstellen sollte, war Brent in einigen der Pornos am Anfang seiner steilen Karriere noch minderjährig und ohne zu viel zu verraten: das führt zu einem Mord, der die schwule Pornoindustrie in ihrem Kern erschüttert hat. Wir wollten mehr über die Geschichte, Francos herausragende Performance und die Sexszenen zwischen einem Disney-Star und Christian Slater wissen und haben Regisseur Justin Kelly zum Interview getroffen.

In dem Film geht es um den echten Pornostar Brent Corrigan. Wie sehr war er am Film beteiligt?
Er war gar nicht beteiligt. Wir haben ihn angesprochen und ihm das Drehbuch gegeben und ihn gefragt, ob er uns nicht helfen will. Er hat uns erlaubt, dass wir seinen Namen und sein Aussehen in der Geschichte benutzen dürfen, aber er wollte nicht mitwirken, weil er an seiner Biografie schreibt.

Hatte er irgendwelche Bedenken?
Ich glaube, dass er es ein bisschen komisch fand, wenn aus dem Nichts heraus plötzlich jemand einen Film machen will—was ich verstehen kann. Zu diesem Zeitpunkt hatten Franco und Slater bereits zugesagt. Wenn man dann angesprochen wird, kann es ziemlich eigenartig wirken. Letztlich hat er seine Zustimmung erteilt, damit wir den Film umsetzen können. Er hat sich kritisch zum Film geäußert, aber bisher hat er ihn noch nicht gesehen.

Wie viel von Franco steckt in dessen Rolle als Pornodarsteller? Er ist ja eine viel beschäftigte Person, mit seinen ganzen anderen Projekten.
Er macht unglaublich viel. Man denkt, dass er viel involviert war und dass der Dreh lange gedauert hat. Dabei war er nur an fünf oder sechs Tagen am Set. Wir hatten keine langen Proben, ich mag es lieber ohne. Er hatte am Set aber viele Ideen und hat so vieles verbessert. Auch wenn er so viel beschäftigt ist, er ist so gut darin, die Figur vor Ort zum Leben zu erwecken. Es gibt so viele Beispiele, aber mir fällt spontan die Workout-Szene ein. Eigentlich gibt es in dieser Szene keinen Dialog.

Du meinst die Szene, in der er sagt: „No little bitches"?
Ja, das war seine Idee. Ich habe ihm gesagt, dass er zu Harlow so was wie „Hör auf, eine kleine Bitch zu sein" sagen soll. Und dann fängt er plötzlich an und hört nicht mehr auf zu reden. Oder die Szene mit dem Anruf bei Stephen. Er sollte auflegen, das Telefon auf die Couch werfen und wütend sein. Und plötzlich fing er an zu rufen:, „Fuck! Fuck! Fuck!", immer wieder, sechs Mal hintereinander. Das ist einer meiner Lieblingsmomente.

Der Film spielt Mitte der 2000er. Wolltest du bestimmte Details aus der Zeit, was die Mode und Technologie angeht, zeigen?
Definitiv. Deswegen hat es auch so viel Spaß gemacht, weil es noch nicht so lange her ist. Es war so lustig, mit den weiten Jeans zu spielen, oder dass Stephen weiße Sketchers trägt. Sean hat so eine Namenskette, wie Leute sie Anfang der 2000er getragen haben. Und ich weiß nicht, ob es dir aufgefallen ist, aber Francos Figur trägt immer Sachen von Affliction, die Jeans und mit ausgewaschenen Kreuz-Prints. Harlow hat immer Diesel getragen.

Wie schwer ist es, Garrett Clayton, ein ehemaliger Disney-Star und bekannt aus Teen Beach Movie, gefallen, Sexszenen mit Christian Slater zu drehen?
Als wir uns persönlich getroffen haben, wusste ich, dass er die Disney-Zeit hinter sich lassen und die Sache durchziehen will. Was die Sexszenen angeht: Auch wenn wir keine kompletten Nacktszenen zeigen, muss man als Schauspieler dennoch extrem gut mit simulierten Sexszenen umgehen können. Das sind Szenen, in denen Christian Slater ihn gegen die Wand drückt und ihn bumst.

Habt ihr im Vorhinein darüber gesprochen, um ihn darauf vorzubereiten?
Bei Sexszenen ist jeder am Anfang etwas nervös. Es wusste aber jeder, was auf ihn zukommen würde. Doch am Set wird nach einem Plan gedreht und am Ende des Tages ist es einfach ein Job und es fühlt sich auch so an. Das ist weniger wild, als man denkt. Es war so einfach, wie es sich anhört. Ich habe Garrett gesagt: „OK, wir machen eine Nahaufnahme von deinem Gesicht. Du musst so tun, als ob du auf jemandem sitzt, der gerade gebumst wird!" [Lacht]. Es war zum Schluss so, dass wir ihn mit Schweiß eingesprüht haben und er fand es OK. Die Szenen wurden einfach Teil des Alltags am Set. [Lacht].

Hat dich irgendetwas über die Welt von Schwulenpornos erschüttert, als du mehr darüber erfahren hast?
Auf gewisse Art und Weise war es das, was ich erwartet habe. Was diese Geschichte angeht, so ist es doch ziemlich alarmierend, dass der Produzent nicht gründlicher recherchiert hat, dass sein Star in den ersten Videos 17 Jahre alt war. Ob nun der Ausweis gefälscht war oder nicht, das finde ich ziemlich schockierend. Von dem, was ich gehört habe, gibt es in der Schwulenpornoindustrie ziemlich schmierige Typen, aber dann gibt es wiederum auch Produktionsfirmen, die besser und respektvoller arbeiten. Dieser Film handelt eben von einer der Firmen, die etwas schmieriger waren, und über einen Typen, der Pornos in seinem Keller gedreht hat.

Das ist dein zweiter Film mit Franco. Gibt es Pläne für einen weiteren?
Ja, das wird auch ein Film mit queeren Themen. Es wird um den Literaturskandal um JT Leroy gehen. Ich arbeite an diesem Projekt schon seit sechs Jahren. Ich dachte, dass es mein erster Film werden würde, aber als Regie-Neuling ist es schwierig, das als erstes Projekt umzusetzen. Es wird in dem Film darum gehen, warum diese zwei Frauen dieses verrückte Ding gedreht haben. Das zielt in die gleiche Richtung wie I Am Michael und King Cobra ab: Es ist so einfach, die Beteiligten zu verurteilen, aber ich finde es spannender, herauszufinden, warum sie es getan haben.

King Cobra ist am 21. Oktober in den amerikanischen Kinos angelaufen. Ein deutscher Starttermin steht noch nicht fest.

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@OliverLunn

Credits


Text: Oliver Lunn
Foto: Screenshot von YouTube aus dem Video „King Cobra Official Trailer 1 (2016) - James Franco Movie" von Movieclips Trailers