kesha vs. dr. luke: lena dunham macht das amerikanische rechtssystem verantwortlich

Der „Girls“-Star verurteilt in einem neuen Essay die Musikindustrie und Rape Culture.

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Feb. 25 2016, 9:55am

lena wears top corey lynn calter.

Seit die US-Sängerin Kesha letzten Freitag vor einem New Yorker Gericht damit gescheitert ist, ihren bestehenden Plattenvertrag mit Sony aufgrund von Vergewaltigungsvorwürfen gegen Produzent Lukasz Gottwald aufzulösen, solidarisieren sich immer mehr Frauen (und Männer) mit ihr. Zu den Unterstützern, die Kesha nicht nur moralisch den Rücken stärken, sondern auch ihre Wut über die Gerichtsentscheidung zum Ausdruck bringen, gehört jetzt auch Lena Dunham. In einem Essay für ihren Lenny Newsletter attackiert sie nicht nur das Plattenlabel Sony, Lukasz Gottwald, die tief verwurzelte Frauenfeindlichkeit der Musikindustrie, sondern das amerikanische Rechtssystem als solches und dessen komplettes Versagen, Frauen vor ihren Vergewaltigern zu schützen.

Nachdem die Schauspielerin und Aktivistin die unfassbaren Fakten noch einmal Revue passieren lässt—die Fotos von Keshas niedergeschmettertem Gesicht, die Entscheidung von Sony und des Gerichts, dass das Konto von Dr. Luke wichtiger ist als Keshas Leben—erklärt sie, wieso der Fall für etwas Größeres steht.

„Um eines klar zu sagen: Keshas Fall ist mehr als der Kampf eines Popstars um seine Freiheit, oder ein 60 Millionen Dollar Investment in eine Hochglanzkarriere", schreibt sie. „Es geht um mehr, als um die Frage, ob Kesha wieder in ihre coolen Leotards schlüpfen kann und ein weiteres Album machen kann, ohne den Mann, von dem sie sagt, dass sie Angst vor ihm hat. Es geht sogar um mehr, als um die systemimmanente Frauenfeindlichkeit der Entertainmentindustrie oder die Art und Weise, wie Frauen in der Musik und in Filmen seit Langem vom System und Svengalis kontrolliert und manipuliert werden. (Siehe: Das Studiosystem der 40er und 50er, als Sternchen wie Ware behandelt wurden. Siehe. Ike und Tina Turner.) Was gerade mit Kesha passiert, zeigt wie das amerikanische Recht Frauen verletzt, indem das System dabei versagt, Frauen vor Männern, die diese als ihre Peiniger sehen, zu schützen."

Zwar züchtet die Musikindustrie weiterhin Rape Culture heran, aber letztlich ist der Fall nur ein Symptom einer umfassenderen Kultur von tief verwurzelter Frauenfeindlichkeit. Lena Dunham untermauert ihre These mit dem Hinweis, dass in 19 US-Bundesstaaten Vergewaltiger immer noch das Sorgerecht für die Kinder ihrer Opfer zugesprochen bekommen. Irgendwelche Versuche von Dr. Luke, Keshas Karriere zu sabotieren, würden den Dynamiken häuslicher Gewalt widerspiegeln. Ein Sache, auf die der Girls-Star hinweist, dass Opfer häuslicher Gewalt aus ihren eigenen Wohnungen und Häuser geworfen werden können, wenn sie die Polizei wegen ihrer Vergewaltiger rufen.

„Tatsache ist, dass Kesha nie eine ärztliche Bescheinigung haben wird", erklärt sie weiter. „Sie wird nie ein Video haben, auf dem zu sehen ist, wie ihr Gottwald droht und bloßstellt. Sie wird nie beweisen können—außer mit ihrer Aussage—, dass sie nicht sicher ist, wenn sie weiterhin Geschäfte mit diesem Mann machen muss. Und nein, nichts davon stand in ihrem Vertrag. Aber welcher Mann, welches Unternehmen zwingt eine Frau mit dem Mann zusammenzuarbeiten, von dem sie sagt, dass er ihr Jahre voller Traumata, Scham und Angst bereitet hat? Dieser öffentlich geführte Kampf und die rechtliche Auseinandersetzung haben bereits den Kurs und die Zukunft ihrer Karriere für immer verändert. Sonys Ignoranz und Unfähigkeit, den Wert einer intakten Seele über den Wert ihrer Platinplatten zu stellen, ist einfach nur schrecklich."

Credits


Text: Hannah Ongley
Foto: Todd Cole
Haare: David Gardner at Solo Artists
Make-up: Jo Strettell at The Magnet Agency verwendete Perfekt
Fotoassistenz: Alex Aristei

Lena trägt Corey Lynn Calter