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rose mcgowan zu caitlyn jenner: „du weißt nicht, was es heißt, eine frau zu sein“

„Frau des Jahres? Nicht solange du nicht aufwachst und mit uns kämpfst“, so die Schauspielerin.

von i-D Staff
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18 November 2015, 9:50am

Kaum zu glauben, dass es erst vier Monate her ist, als sich Caitlyn Jenner der Welt in dem Seidenkorsett vorstellte. Sie brach seitdem den Twitter-Rekord von US-Präsident Obama, hat ihre eigene Reality-TV-Serie, gab eine inspirierende Rede bei den ESPY Awards und bewies immer wieder, dass sie style-technisch ebenso bewandert ist wie der Rest des Kardashian-Clans. Da war es keine allzu große Überraschung, als Glamour sie zu ihrer „Women of the Year" kürte.

Diese Ehre wird jährlich den „bemerkenswertesten Frauen auf der Welt" zuteil, so die amerikanische Chefredakteurin Cindi Leive. Das ist eine Beschreibung, die auf Caitlyn Jenner passt. Ihr Kommentar während ihrer Dankesrede, dass das Härteste am Frau-Sein die Auswahl des Outfits sei, sorgte unterdessen für eine ganz eigene Kontrovers.

Man könnte ihre Bemerkung als schlechten Witz werten und es dabei belassen. Aber das haben nicht alle alle so gesehen. Schauspielerin Schrägstrich Regisseurin Rose McGowan verfasste einen offenen Brief an Caitlyn Jenner, in dem sie klar machte, wieso sie diesen Kommentar problematisch findet.

„Caitlyn Jenner, du weißt nicht, was es heißt, eine Frau zu sein. Du willst eine Frau sein, dann verbünde dich mit uns, lerne von uns. Wir sind mehr, als unsere Outfitwahl. Wir sind mehr als die Klischees, die uns von Leuten wie dir übergestülpt werden. Du bist jetzt eine Frau? Dann lerne verdammt nochmal, dass unsere Erfahrung sich sehr vom deinem männlich privilegierten Leben unterscheidet. Frau des Jahres? Nicht solange du nicht aufwachst und mit uns kämpfst", schreibt Rose McGowan. „Frau-Sein kommt mit viel Gepäck. Die Last der Geschichte. Dir würde es gut tun, wenn du sie lernst. Dir würde es gut tun, wenn du aufwachst. Frau des Jahres? Auf gar keinen Fall."

Mittlerweile wurde der Facebook-Post gelöscht. Wir hoffen, dass sie realisiert hat, dass es einfach gefährlich und schlicht transphob war. 

Inzwischen gibt auch die ersten Reaktionen auf den transphoben Ausfall von Rose McGown, die eine Klarstellung - keine Entschuldigung - veröffentlicht hat. Doch damit gaben sich nicht alle zufrieden. Hari Nef und Tyler Ford haben sich zu Wort gemeldet. Rose McGowan hat nicht die Ansichten Caitlyns kritisiert, was OK gewesen wäre, sondern sie hat ihr generell das Frau-Sein abgesprochen - und das ist nicht OK.

Wenn eine Cis-Frau einer Trans-Frau sagt, dass sie nicht wisse, was es heißt, eine Frau zu sein, dann ist das transphob. Es ist falsch und es ist gefährlich. Zum einen hätte sie das nicht zu einer Cis-Frau gesagt. Zweitens fühlte sie sich ganz offenbar dazu berechtigt, Caitlyn eine Lektion im Frau-Sein zu erteilen, da sie mehr Frau sei und Caitlyn weniger. Die Vorstellung, die hinter Rose McGowans Ansichten steckt, dass Trans-Frauen weniger echt als Cis-Frauen sind, gehört ein für alle mal ausradiert. Falls Rose McGowan es ernst mit Feminismus meint, sollte sie zuerst bei sich anfangen.

Schauspielerin Hari Nef teilte auf Twitter ihre Erinnerung an eine Begegnung mit Rose McGowan, die einfach nur ein Fall offener Transphobie war. Tyler Ford brachte auf den Punkt, wieso Rose McGowans Worte so falsch sind.

d-list actresses notorious for bad breath spewing transphobia to promote their garbage electronic music singles what a time to be alive

— hari nef (@harinef) November 18, 2015

she chatted me up at a party about "a collaboration" then turned around to my friend and misgendered me 6x (she was corrected each time)

— hari nef (@harinef) November 18, 2015

.@Caitlyn_Jenner's politics are up for debate. her womanhood is not.

— Tyler Ford (@tywrent) November 18, 2015

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Update:
Hari Nef hat die Tweets inzwischen gelöscht. 

Credits


Text Taylor Ford mit Material von i-D Germany
Bild via @glamourmag