wie man die schönheit und den optimismus der jugend in nur einem bild einfängt

Der Fotograf und Gründer des Zines „Park Life“ spricht mit i-D über die Unbeschwertheit der Jugend und darüber, warum man sein Leben in vollen Zügen genießen sollte.

von Tish Weinstock
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29 September 2016, 9:33am

George Bernard Shaw hat einst gesagt: „Die Jugend ist eine wunderbare Sache. Was für eine Schande, sie an Kinder zu verschwenden." Dieses Gefühl ist ein krasser Gegensatz zu dem Gefühl, das die Fotos von Chus Anton vermitteln; in den Arbeiten des Dokumentarfilmers und Fotografen sind die verschiedensten erlebnishungrigen Teenager zu sehen, denen Chus über den Weg gelaufen ist. In einem verzweifelten Versuch, die wertvollen Erinnerungen festzuhalten, hat er den Großteil seiner Kindheit damit verbracht, die Abenteuer von sich und seinen Freunden in Parks, auf Gigs, Partys oder einfach nur beim gemeinsamen Abhängen nach der Schule zu dokumentieren. Auch wenn er jetzt selbst kein Teenager mehr ist, seine Motive sind immer noch die gleichen. „Ich bin schon immer von der Teenagerzeit fasziniert gewesen", sagt er rückblickend. „Es ist wie eine Zeit, in der die Dinge ‚in Arbeit' sind, während der man sein Leben voll auskostet, seine eigenen Vorlieben und Gefühle entwickelt, neue Dinge das erste Mal macht und als junger Erwachsener seine Identität findet und formt. Die Unerschrockenheit der Jugend hat etwas magisches und starkes an sich, das ich auf meinen Fotos versuche, festzuhalten." Chus hat bereits ein Buch und ein Zine herausgegeben und arbeitet aktuell bereits an dem nächsten. Wir haben den Fotografen getroffen und uns mit ihm über die Schönheit der Jugend und darüber unterhalten, warum man sein Leben in vollen Zügen genießen sollte.  

Wie bist du dahin gekommen, wo du heute stehst?
Ich habe immer versucht, das zu tun, woran ich glaube und bin meinen Instinkten gefolgt und immer am Ball geblieben. Außerdem ist es mir auch sehr wichtig, ein Team zu haben, mit dem man gerne zusammenarbeitet.

Wie würdest du deine Ästhetik beschrieben?
Ich fotografiere sehr gerne intuitiv und spontan. Auch verwische ich gerne die Grenzen, indem ich echte und unechte Elemente in meinen Bildern kombiniere. Die Ästhetik und Bildsprache der Popkultur sind ebenso wichtige Einflüsse, obwohl ich mir dessen nicht immer bewusst bin.

Wer oder was inspiriert dich?
Musik, Plattencover, die Popkultur und generell alle Musik- und Fanbewegungen. Alle Lieder von den Cocteau Twins oder dem Electric Light Orchestra. Das sind zwei meiner absoluten Lieblingsbands. Spanische Kinki-Filme … Und einfach der Alltag—es ist zum Beispiel sehr inspirierend, dabei zuzusehen, wie meine Nichten aufwachsen. 

Dein erstes Buch trägt den Titel La La Land. Was war die Idee dahinter?
Während einer Reise nach Paris zeigte mir ein Freund das Haus von Serge Gainsbourg in der Rue de Verneuil. Ich bin ein Riesen-Fan des Sängers und war von der Energie des Ortes wie verzaubert. Zusammen mit meinen Freunden Lorena und Cristian kam uns die Idee, ein Fotobuch zu machen, in dem wir all diese für uns wichtigen Momente festhalten könnten. Und so ist das Projekt La La Land entstanden. Wir fanden, L.A. sei der perfekte Ort, um die Geister unserer Pop-Ikonen aufzusuchen. L.A. ist eine echt faszinierende Stadt, die wegen der vielen Film- und Musiklegenden, die mal in der Stadt gewirkt haben, eine ganz besondere, geheimnisvolle Aura hat.

Und wie ist es zum Zine Park Life gekommen?
Ich wollte schon immer eine Gruppe von Teenagern begleiten und ihr Leben eine Zeit lang dokumentieren. Das Zine ist im Sommer 2015 herausgekommen und es war eine Kooperation mit meinen Freunden Ahida und Greg.

Worin unterscheidet es sich von anderen Zines?
Wir haben ein sehr großes Format gewählt! Es ist so groß wie eine Zeitung und zeigt die Teenagerzeit mit all ihren Facetten; ihren Höhen und Tiefen. Ich habe versucht, das auch im Layout widerzuspiegeln. Diese innere Unruhe und schöne Hässlichkeit machen für mich die Jugend aus. 

Was meinst du, sagen deine Fotos über die Jugend aus?
Das ist eine schwierige Frage … Ich bin selbst noch dabei, das herauszufinden … Ich war schon immer von der Teenagerzeit fasziniert gewesen. Es ist wie eine Zeit, in der die Dinge ‚in Arbeit' sind, während der man sein Leben voll auskostet, seine eigenen Vorlieben und Gefühle entwickelt, neue Dinge das erste Mal macht und als junger Erwachsener seine Identität findet und formt. Die Unerschrockenheit der Jugend hat etwas magisches und starkes an sich, das ich auf meinen Fotos versuche, festzuhalten. Für mich liegt selbst in der „Hässlichkeit der Jugend" eine gewisse Schönheit.

Wie haben sich deiner Meinung nach durch Instagram unsere visuelle Wahrnehmung der Dinge und das Genre der Fotografie verändert?
Instagram hat unsere visuelle Wahrnehmung definitiv verändert und ich glaube, dass die meisten Veränderungen positiv sind. Für mich hat Social Media die Kunst des Fotografierens demokratisiert. Es ist noch nie so leicht gewesen, seine Arbeiten mit anderen zu teilen und sich ein eigenes Publikum aufzubauen. Andererseits sind viele Fotos dadurch leider viel vergänglicher als früher. Alles geht heutzutage so viel schneller. Vermutlich mache ich deswegen auch lieber Filme. Ich nehme mir für meine Arbeiten gerne viel Zeit, der ganze Prozess dauert wahrscheinlich einfach länger, als bei vielen anderen Künstlern heutzutage.

Gibt es ein Foto, das dir besonders viel bedeutet? 
Letzten Sommer ist meine Nichte Andrea 17 geworden. Ich habe mit meiner Schwester nach unseren alten Anziehsachen gesucht, die wir in diesem Alter getragen haben, und habe Fotos von Andrea in den Klamotten gemacht. Es war ein besonderer und gleichzeitig merkwürdiger Augenblick und es hat unglaublich viel Spaß gemacht, das mit den beiden zu machen. 

Was ist der beste Ratschlag, den du je bekommen hast?
Mach dein Ding und achte nicht zu sehr darauf, was andere machen.

Gibt es eine Zeit in deinem Leben, an die du besonders gerne zurückdenkst? 
Wenn ich mich für eine entscheiden muss, war die beste Erfahrung die Zeit, während der ich in Japan gelebt und gearbeitet habe. Davon habe ich immer geträumt. Ich bin extrem dankbar, dass ich durch meinen Job so viel um die Welt reisen kann.

Was ist das Mutigste, das man als junger Mensch machen kann?
Man sollte einfach Erfahrungen sammeln, Neues entdecken, unterschiedliche Dinge ausprobieren … Genießt eure Jugend in vollen Zügen, denn schon bald wird sie ein Teil eurer Erinnerungen sein und ihr werdet euch für immer an diese Zeit erinnern wollen.

Woran arbeitest du gerade?
Ich möchte demnächst mein eigenes Magazin herausgeben, außerdem arbeite ich an mehreren Fotoprojekten und Zines. 

Credits


Text: Tish Weinstock
Fotos: Chus Anton

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