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Tasha Tylee hat ihre Freunde zum Weinen gebracht und sie dann fotografiert

Mit ihrer Fotoreihe "Cry Baby" erkundet die Fotografin, wie weit man für ein Fotoprojekt gehen kann.

von Wendy Syfret; Fotos von Tasha Tylee
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22 Juli 2016, 9:20am

Jemanden weinen zu sehen, der dir nahesteht, ist immer schmerzhaft. Wie muss es da erst der Fotografin Tasha Tylee ergangen sein. Sie hat über Wochen ihre Freunde für ihre Fotoreihe Cry Baby zum Weinen gebracht. Die Ergebnisse hat sie nun im Rahmen einer Gruppenausstellung präsentiert. Für das Projekt brachte sie Leute in der Dusche zu weinen. Wir haben mit der Fotografin darüber gesprochen, wie sie tiefsitzenden Schmerz sichtbar gemacht hat.


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Ich muss dich das zuerst fragen: Weinst du viel?
Als Jugendliche habe ich immer versucht, nicht zu weinen. Aber als ich dann älter wurde und Tiefschläge erlebt habe, wie den Tod meiner Mutter, habe ich begriffen, dass es sehr erlösend sein kann, einfach loszulassen. Diese Fotoreihe ist auf eine gewisse Art und Weise auch eine Repräsentation von mir selbst. Natürlich ist es auch mein Versuch, anderen mit dieser kurzen Tränen-Therapie-Sitzung zu helfen. Ich habe wirklich ein paar Freunde dadurch besser kennengelernt. Gemeinsam zu weinen, schweißt einen enger zusammen.

Waren das echte Tränen? Keine gestellten?
Ja, die waren so ziemlich alle echt. Es fiel ein paar Leuten anfangs schwer. Das kostet natürlich Überwindung auf Befehl zu weinen, also habe ich sie Zwiebeln schneiden lassen und sie gefragt, ob es traurige Songs gibt, die sie an etwas erinnern. Als sie dann richtig anfingen zu weinen, wurde es ein bisschen merkwürdig. Normalerweise möchte man Leuten, die weinen, Trost spenden, aber ich musste fotografieren.

Nachdem du mit so vielen Leuten darüber gesprochen hast, was sie zum Weinen bringt. Gibt es Gründe, die immer und immer wieder genannt wurden?
Viele der Gründe haben mit Trennungen zu tun. Schreckliche Dringe, die Partner oder Partnerinnen sagten, die hängengeblieben sind.

Einige dieser Sprüche stehen unter den Fotos. War das nicht emotional anstrengend oder bist du irgendwann abgestumpft?
Nein, ich habe mich nie daran gewöhnt, auch wenn die ersten Male natürlich emotionaler waren. Als Leute, die ich liebe, weinten, habe ich hinter der Kamera auch Tränen vergossen. Die Leute haben mir gesagt: "Du machst so ein trauriges Gesicht". Meine Reaktion war nur: "Ich kann nichts dafür, du machst mich auch traurig".

Wonach hast du die Leute ausgewählt?
Einige waren Freunde, andere waren Leute, die ich gedatet habe, ehemalige Lover oder einfach Leute, denen ich nahestehe. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mit dem Projekt am Ende bin. Nach der Ausstellung werde ich es wahrscheinlich fortführen. Es gibt so viele Leute mit interessanten Gesichtern, die ich fotografieren will. Ich habe Glück, dass ich so interessante Freunde habe.

Du hast mit Zwiebeln angefangen, aber wie hast du den Shoot beendet? Nachdem du jemanden zum Weinen gebracht hast, hast du bestimmt das Gefühl gehabt, dass du Zeit mit ihm verbringen musst, damit er sich beruhigt?
Mit einigen habe ich eine Tasse Tee getrunken oder wir haben zusammen einen Film angeschaut und abgehangen. Mir war wichtig, dass es ihnen danach gut ging und ich habe sie umarmt. Es ist schon seltsam, dass das Verhältnis zu einer Person, die das durchgemachte, enger wurde. Aber es gab auch Tage, an denen ich mehrere Leute fotografiert habe. Die habe ich nur umarmt und dann mussten sie schon gehen.

Wie war die Stimmung nach dem Shoot?
Viele haben sich besser gefühlt, aber es gab auch einige, die ziemlich traurig waren.

Bist du jetzt eine Expertin in Sachen Traurigkeit?
Nein, nicht wirklich. Aber ist schön zu wissen, dass jeder das gleiche durchmacht. Jeder gibt doch vor, dass er ach so stark ist, aber im Inneren sieht es ganz anders aus. Jeder hat etwas erlebt, das sein Leben beeinflusst. Traurigkeit verbindet uns alle und Weinen zeigt uns, wie ähnlich wir uns sind.

@tashatylee