Foto: Carlos Pareja © Joe Dekni

Dieser Cyborg treibt die Evolution voran – und wird zur Fledermaus

Der spanische Künstler Joe Dekni sprengt mit seinem neuen Metall-Implantat die Grenzen der Körper-Modifizierung.

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29 Oktober 2018, 11:39am

Foto: Carlos Pareja © Joe Dekni

Dank eines gewissen Herren namens Arnold Schwarzenegger, oder auch Terminator genannt, genießen Cyborgs nicht unbedingt die größte Beliebtheit in unserer Gesellschaft. Horrorszenarien von brutalen Wesen, die in filmischen Zukunftsdystopien die Welt vernichten, schießen dabei sofort in den Kopf. Halb Mensch, halb Maschine, voll brutal. Auch wenn davon natürlich nichts der Realität entspricht, so scheint es doch logisch, dass der nächste Schritt der Evolution, die Verschmelzung von Technologie und Menschheit sein wird.

Einige Avantgardisten haben diese Entwicklung bereits erkannt und eine weltweite Bewegung ins Leben gerufen, in der neue Wege erkundet werden, um den Körper entsprechend ihrer Vorstellungen zu modifizieren. Einer dieser Vorreiter ist der Künstler Joe Dekni, der sich nun Maschinenteile in seine Wangenknochen implantieren ließ – ein künstliches Organ, das mit der Echoortung von Fledermäusen vergleichbar ist. Dieses Organ soll ihm die Fähigkeit geben, Objekte in seiner unmittelbaren Umgebung anhand von Vibrationen zu erspüren. Im Rahmen einer Performance wurde die Operation im Gebäude der Transpecies Society in Barcelona durchgeführt.


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Der 22-jährige Joe definiert sich selbst als "Künstler, oder vielleicht Alchemisten" und nennt Neil Harbisson – der erste Mensch, der von einer Regierung offiziell als Cyborg anerkannt wurde – als Inspiration für seinen Wunsch, sich selbst ein permanentes Extra hinzuzufügen. "Ich war fasziniert von der Idee, das Paranormale oder Unsichtbare wahrnehmen zu können. Deswegen habe ich mich dazu entschieden, meinen Sinn für die Echoortung zu entwickeln, den Fledermäuse oder Delfine ebenfalls haben", erzählt er nach der Performance.

Der Künstler hat sich bewusst dazu entschieden, die Operation der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Damit wollte er zeigen, dass die Erweiterung der Sinne eine zusätzliche Möglichkeit ist, die den Menschen heute zur Verfügung steht. "Eine andere Lebensweise", wie er sagt. "Nachdem ich die Vibrationen das erste Mal gespürt habe, kribbelte alles in mir. Dieses Gefühl wurde zu einer tiefen Zufriedenheit. So, wie es sich anfühlt, tätowiert zu werden, nur viel intensiver. Dann kam der Schmerz hinzu und vermischte sich mit Freude", so Joe weiter. "Die Cyborg-Technologie eröffnet den Blick ins Unbekannte. Meine Absicht mit diesem Projekt ist es, das Nicht-Physische und Paranormale wahrnehmen zu können, sodass meine persönliche Entwicklung neue Wege einschlagen kann."

In der Zukunft wird diese Cyborg-Technologie hoffentlich noch mehr Menschen ermöglichen, ihr Leben nach ihren Vorstellungen zu verbessern. Und genau das ist auch das ultimative Ziel, das Harbisson mit seiner Cyborg Foundation verfolgt – "ein Teil des Fortschritts zu sein".

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Neil Harbisson
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Dieser Artikel stammt ursprünglich von unseren Kollegen aus der ES-Redaktion.