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The Cut, Torbjørn Rødland, 2016

Torbjørn Rødlands brillant bizarre Fotografien von jungen Erwachsenen

Nadja Sayej

Nadja Sayej

Vor der Eröffnung seiner neuen Ausstellung in Berlin spricht der norwegische Fotograf mit uns über seine Vorliebe für merkwürdige Pärchen und die Symbolik des jungen Erwachsenseins.

The Cut, Torbjørn Rødland, 2016

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

Bodybuilder, Franzbrötchen, Gepunktete Schlafanzüge – es ist so gut wie unmöglich, vorherzusagen, wen oder was der Fotograf Torbjørn Rødland mit seiner Kamera als nächstes festhalten wird.

Die Arbeiten des norwegischen Künstlers erfüllen dabei beim ersten Hinschauen alle Kriterien eines verkäuflichen Fotos – höchste Qualität, hübsche Models und perfekt abgestimmtes Licht. Schaut man genauer hin, bemerkt man aber den subtilen Humor, der uns dazu bringen soll, über unbeantwortete Fragen nachzudenken.


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In seiner bevorstehenden Ausstellung "Back in Touch", die am 9. Dezember im C/O Kunstmuseum Berlin eröffnet wird sind 25 Bilder zu sehen, die in den vergangenen fünf Jahren entstanden sind.

Up from Eden No. 2, Torbjørn Rødland, 2013-2014

Angesichts der Tatsache, dass Rødland, der 47 Jahre alt ist, viele sehr junge Models fotografiert, drängt sich die Frage auf, ob der Titel der Ausstellung, Back in Touch, andeutet, dass der Künstler wieder zurück ist. "Back in Touch bedeutet, dass man wieder in Kontakt ist, nachdem man eine Zeit lang weniger verbunden gewesen ist", erklärt er. "Unser ganzes Vokabular ist so sehr von kommerzieller und Lifestyle-Fotografie beeinflusst, aber anstatt das zu kritisieren und zu sagen, wie leere diese Sprache und wie lächerlich die Ikonographie ist, nutzen wir sie, um damit etwas von Wert zu finden. Ich nutze diese Sprache, um mich wieder mit etwas menschlicherem oder etwas, das mehr zu unseren Hoffnungen, Ängsten unserer Paranoia zu tun hat, zu befassen."

Wordless No. 3, Torbjørn Rødland, 2010-2017

Rødland hat ein Talent dafür, Gegensätze entstehen zu lassen. "Ich finde es gut, Kontraste zusammenzubringen", sagt er. "Sie brauchen einander." Aus diesen Gegenüberstellungen entspringen Fragen. "Wenn mehr als eine Person auf dem Bild sein soll, ist es besser, wenn es um ein seltsames Pärchen handelt, einen großen Unterschied in Alter, Größe oder Ethnie gibt, der etwas Größeres anspricht, statt wie in der kommerziellen Fotografie Leute zusammenzubringen, die sich alle sehr ähnlich sind", erklärt Rødland. "Es ist mir wichtig, dass die Gegenüberstellungen emotional einen Sinn ergeben; auf einer tieferen oder intuitiven Ebene – es soll nicht zufällig sein."

Untitled, Torbjørn Rødland

Die Bilder in Rødlands Ausstellung in Berlin fangen die unbeholfenen Momente des Erwachsenwerdens und den ungebändigten Geist der Jugendkultur ein. "Junge Erwachsene stehen für eine symbolisch reiche Zeit der Möglichkeiten", sagt er. "Es ist ein Entwicklungsprozess, der zeigt, wie Menschen sich in einfühlsamere, komplexere und tiefgründigere Charaktere verwandeln können. In der Fotografie kann ich den Anfang dieses Prozesses zeigen, oder jemanden, der daran gescheitert ist."

Goldene Tränen,
Cinnamon Roll, Torbjørn Rødland, 2015
Birthday Shoes, Torbjørn Rødland, 2016

"Back in Touch" ist vom 9. Dezember 2017 bis zum 11. März 2018 im C/O Berlin Kunstmuseum zu sehen.