Natalie Krick, "Reflection"

Diese skurrilen Mutter-Tochter-Porträts zeigen eine neue Wahrnehmung von Weiblichkeit

Bei diesen Schnappschüssen musst du zwei Mal hinschauen.

von Hannah Ongley
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18 Dezember 2017, 3:26pm

Natalie Krick, "Reflection"

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

Als Teenagerin war Natalie Krick ein Zeitschriften-Junkie, der am liebsten Magazine mit Fotostrecken von eleganten und glamourösen Frauen gelesen hat. "Meine Faszination hat begonnen, als ich ein Teenager war – noch bevor ich verstanden habe, wie Körper vor der Kamera sexualisiert werden", erinnert sich die Fotografin. "Ich habe die Zeitschriften förmlich verschlungen und mich dann so gestylt wie die Frauen darin."

Natalie Krick, "Faux Thigh Gap"

Heute ist Natalie 31 und immer noch besessen von den Frauen-Darstellungen in Magazinen. Ihre beeindruckende Serie Natural Deceptions – die zur Zeit in der Aperture Foundation in New York zu bestaunen ist – , umfasst Porträts von ihr selbst, ihrer Mutter und auch ihrer Schwester. Die drei Frauen tragen roten Lippenstift, glänzende Strumpfhosen und andere humorvolle Accessoires. Auf einem besonders auffälligen Foto ist Natalies Mutter mit knallpinkem Lidschatten zu sehen, genauso pink wie das Top, durch das ihre Brustwarzen schimmern. Passenderweise lautet der Titel "Mom with Skittles in Her Shirt".


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Natalie Krick, "My Mother in Bed with Roses"

Indem Natalie erkundet, wie sich die weibliche Sexualität mit dem Alter entwickelt, bildet die Fotografin nicht nur die Performance der Weiblichkeit nach, sondern stellt sie gleichzeitig völlig auf den Kopf. Wie oft sehen wir in Zeitschriften schon Frauen im Alter von 50+, die sich in Unterwäsche vor der Kamera räkeln? In der Vorstellung der meisten von uns sind unsere Eltern nicht-sexuelle Wesen, egal wie unlogisch diese Überzeugung ist. Für Natalie ist es dagegen völlig unspektakulär, ihrer Mutter kleine, bunte Süßigkeiten in den BH zu stopfen. "Das Fotografieren mit meiner Mutter und Schwester ist sehr verspielt, und das möchte ich in meinen Arbeiten wiedergeben."

Natalie Krick, "My Mother's Parents"

Frauen wurden schon immer mit dem Gefälle zwischen ihrem Selbstbild und ihrem Wunsch-Aussehen konfrontiert. Natalie stimmt zu, dass sich dieses durch Technologie und Social Media noch vergrößert hat. So sehen wir zum Beispiel auf einem ihrer Fotos eine Interpretation des "thigh gap"-Phänomens unserer Gesellschaft. "Mich faszinieren Porträts so sehr, weil es ein äußerst komplexer Prozess ist, jemanden auf einem Foto abzubilden", sagt Natalie. In den vergangenen Jahren hat sich das dramatisch verändert. "Wie anders wir heutzutage für die Kamera performen, jetzt wo wir uns selbst durch die Linse betrachten und gleichzeitig den Auslöser drücken können. Es ist verblüffend!"

@nataliekrick

Natalie Krick, "Hillary and My Shadow"
Natalie Krick, "Mom and Her Carpet"
Natalie Krick, "Spread"
Natalie Krick, "Vajazzle"
Natalie Krick, "Me Posing as Mom Posing as Marilyn"

"Natural Deceptions" ist noch bis zum 3. Februar 2018 in der Aperture Foundation in New York zu sehen. Das Buch wird von Skylark Editions herausgegeben und ist hier erhältlich.

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