Das ist die Produzentin unserer liebsten Techno-Platte des Jahres

Das Debütalbum der in China geborenen Produzentin Pan Daijing lief bei uns auf Dauerschleife.

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Dez. 7 2017, 3:02pm

Dieser Artikel erschien zuerst in unserer The Sounding Off Issue, no. 350, Winter 2017.

"Als ich noch in China gelebt habe, war mir nicht bewusst, dass experimentelle Musik überhaupt existiert. Als ich mit 17 zum ersten Mal das Internet benutzt habe, wusste ich nicht mal, wie ich googeln soll", sagt Pan Daijing und fängt zulachen an. "Das hat für mich eine ganze neue Welt eröffnet." Die Musikerin ist in einer sehr traditionellen Familie im Südwesten Chinas aufgewachsen und mit Anfang 20 in die USA gezogen, wo sie mit dem Komponieren angefangen hat. Beeinflusst durch die experimentelle Musikszene San Franciscos hat sie sich selbst beigebracht, wie sie Synthesizer und Drumcomputer bedient.

Ein paar Jahre später und Pan nennt Berlin ihr Zuhause. Vor ein paar Monaten hat sie mit Lack ihre erste LP auf dem Berliner Label PAN veröffentlicht. Lack ist intensiver Noise Techno, der mit Stimme, Synthie-Sounds, Drones und Drums spielt.

"Als ich jünger war, war ich mir nicht sicher, ob jemand meine Stimme hören würde. Also habe ich besonders laut geschrien. Mittlerweile sind meine Arbeiten erwachsener. Ich bin eine einfachere Person geworden. Das Leben wirkt sich natürlich noch immer auf meine Kreativität aus, aber die Art und Weise, wie ich das Erlebte dechiffrieren, hat weitere Ebenen bekommen", erklärt sie – und das spürt man auch bei ihren fesselnden Liveauftritten. Um eine intime Verbindung zu ihrem Publikum aufbauen, benutzt Pan Sound, Bewegung und Improvisation. Für sie ist Sound mehr als nur Musik. Was auch dazu führt, dass sich ihre Konzerte mehr nach Performance-Kunst anfühlen als nach einem traditionellen Konzert. "Ich lasse den Zuschauern ihren Raum und lade sie ein, sich frei zu fühlen. Die Leute verstehen meine Musik, wenn sie es möchten. Sie sind meine Liebhaber. Sie wissen es nur noch nicht."

Bis Ende des Jahres tourt Pan noch um die Welt und arbeitet währenddessen bereits an ihrem nächsten Album, auf dem sie sich experimentellen Pop und ihrem Stimmumfang widmen will. "Die menschliche Stimme ist die spannendste Ressource für Sound. Deine Stimme unterscheidet dich von allen anderen. Und sie wird nie alt."

Credits


Fotos: Bex Day
Fotoassistenz: Eva Zorbazanett