Alle Fotos: Courtesy of Guy Hepner

Diese grotesken Cartoons sind alles andere als binär

In Ben Evans Kunst geht es ums Alleine- und Queer-Sein.

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Feb. 26 2018, 12:06pm

Alle Fotos: Courtesy of Guy Hepner

Eine Person mit schwarzer Bondage-Ledermaske und Calvin-Klein-Unterwäsche sitz auf dem Boden, vor ihr ein Frühstückstablett mit einem Cheeseburger und drei Stielblumen in einer mit Wasser gefüllten Bong. Diese surreale Szene des Malers Ben Evans beschreibt die New Yorker Galerie Guy Hepner als "Ansatz, das zu normalisieren, was Menschen hinter verschlossenen Türen treiben."


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2013 ist Ben nach New York gezogen und fand in der Metropole die Inspiration, um sein Geschlecht zu hinterfragen – deswegen kann auch keine der Figuren einem eindeutigen Geschlecht zugeordnet werden. "Es ist eine Ansammlung von Selbstporträts, die an wichtigen Punkten in meiner Jugend entstanden sind", sagt Ben über seine Arbeiten. "Sie zeigen die Akzeptanz meines Queer-Seins." Mit seinen Bildern versucht der junge Künstler die unterschiedlichen Seiten seiner Persönlichkeit zu erkunden, gleichzeitig ist er aber auch Teil einer Bewegung, die für das Ende von Geschlechternormen und des binären Geschlechtersystems eintritt.

Was für eine Bedeutung hat das Allein-Sein in deinen Arbeiten?

Ich wurde mit 13 für ein Jahr zu Hause unterrichtet. Das war ein wichtiges Jahr für mich, weil ich mitten in der Pubertät war und keinen Kontakt zu Gleichaltrigen hatte. So eine Isolation wirkt auf Heranwachsende sehr prägend, aber es war meine eigene Entscheidung. Ich habe mir selbst immer gesagt, dass etwas mit mir nicht stimmen müsse, wenn ich nicht ausgehen möchte. So klischeehaft das auch klingen mag, aber jeder guter Künstler bedient sich bei dem, das er gut kennt. Und ich kenne mich eben gut damit aus, den Großteil des Tages alleine in meinem Zimmer zu hocken. Ich liebe es, alleine zu sein, besonders wenn ich arbeite. Da würde es sich nur falsch anfühlen, wenn es in meiner Kunst um etwas anderes gehen würde.

Warum tragen die Figuren in deinen Bildern oft Fetisch-Klamotten?
Fetisch-Kleidung ist unmissverständlich und wird in diesen persönlichen Räumen zu einer Uniform der Wahrheit. Ich fand es reizvoll, mit der Idee zu spielen, dass Menschen sie tragen.

W elche Rolle spielt es, dass die Figuren kein eindeutiges Geschlecht haben?
Mich hat das Thema Gender schon immer inspiriert. Diese Generation verschiebt die Geschlechtergrenzen und unterwirft sich keinem Schubladendenken, das von Äußerlichkeiten aufs Geschlecht schließen lässt. Nicht jede Frau hat eine Vagina. Und nicht jeder Mann hat einen Penis. Ich kreiere einen Safe Space.

Wie kannst du dadurch dein eigenes Queer-Sein erkunden?
Ich bin ein queerer, schwuler Mann und habe die Ungleichheit in der Kultur – sogar innerhalb der LGBTQ-Community – miterlebt. Heutzutage feiern wir die Andersartigkeit, deswegen kann ich mich mit meinem Geschlecht besser auseinandersetzen. Dadurch dass die Figuren kein Geschlecht haben und ich auf Brustwarzen und Genitalien verzichte, entsexualisiere ich meine Arbeiten. So werden sie Ausdruck meines Experimentierens mit dem Queer-Sein.

@benevans

Ben Evans Ausstellung KINK kannst du dir noch bis zum 16. März in der New Yorker Galerie Guy Hepner anschauen.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.