Foto: Rhea Dillon

7 Newcomer-Fotograf*innen, die du dir unbedingt merken solltest

"Ich bin zwar selbst noch ein junger Fotograf, aber ich rate dir, immer ein zusätzliches Paar Socken zu einem Shoot mitzubringen."

von Nicole DeMarco
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31 Juli 2019, 8:48am

Foto: Rhea Dillon

Bereits seit drei Jahren öffnet die einflussreiche Galerie Red Hook Labs in Brooklyn, New York ihre Türen für eine Gruppenausstellung, in der sie aufstrebenden Talenten aus aller Welt eine Plattform gibt. Die vielversprechenden kreativen Köpfe werden mithilfe eines Open Calls und der Expertise relevanter Szenenamen aufgespürt. In diesem Jahr haben unter anderem Kim Jones, Edward Enninful und i-Ds Senior Fashion Editor at Large Ib Kamara die schwierige Aufgabe auf sich genommen und 25 Fotograf*innen ausgesucht, die ihre Werke bei der Ausstellung präsentieren.

i-D hat sieben der jungen Visionäre getroffen, um herauszufinden, was sie gerade inspiriert und welchen Tipp sie allen jungen Kreativen mit auf den Weg geben möchten.

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Foto: Kyle Weeks

Kyle Weeks, 27, Niederlande

"Eine meiner ersten Erfahrungen mit einer Kamera war in meiner Heimat Namibia. Ich habe dort meine Freunde beim Skateboarden fotografiert. Wir sind jedes Wochenende durch die Straßen gezogen, oft mit nichts Gutem im Schilde, haben Hauspartys gecrasht – und das alles mit einer alten Canon Rebel XT dokumentiert. Leider sind die Bilder davon verloren gegangen.

Mich inspirieren Menschen und meine Interaktionen mit ihnen. Das kann alles sein: Beobachtungen aus der Ferne, ein flüchtiger Blick oder Gesprächsfetzen mit einem Fremden im Zug. Ich werde ständig daran erinnert, dass Menschlichkeit eine Erfahrung ist, die geteilt wird. Das zu wissen, hat einen tiefgehende Wirkung auf die Art und Weise, wie ich Menschen fotografiere."

@kyleweeks_

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Foto: Renate Ariadne van der Togt

Renate Ariadne van der Togt, 26, Großbritannien

"Es fasziniert mich, Träume in die Realität einfließen zu lassen. Ich konnte mich schon immer bis ins kleinste Detail an meine Träume erinnern – das beeinflusst auch, wie ich meine Umgebung wahrnehme. Ich versuche, ein Gefühl der Magie in der Realität festzuhalten und lasse mich dabei vom magischen Realismus in der Kunst und im Film inspirieren ... Un Chien Andalou von Dalì und Buñuel zum Beispiel.

Meine erste Erfahrung mit einer Kamera ist nicht gerade romantisch, aber steht für meine Generation: die Webcam. Da war ich ungefähr elf, als ich angefangen habe, Selbstporträts zu schießen und mit der unförmigen Logitech auf dem PC meiner Eltern herumzuexperimentieren. Da habe ich zum ersten Mal verstanden, dass ein Foto kein perfektes Abbild der Realität ist, sondern Elemente, die rekonstruiert werden, um zu zeigen, was auch immer sich der Macher wünscht."

@renate.ariadne

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Foto: Olya Oleinic

Olya Oleinic, 27, Großbritannien

"Ich bin mit drei anderen Menschen in einem 37 Quadratmeter-Apartment aufgewachsen, deswegen mussten wir den Platz praktisch aufteilen. Ich habe den ganzen Tag damit verbracht, alles Mögliche, was ich Zuhause gefunden habe, zu temporären Kunstwerken zusammenzuwürfeln. Das habe ich mit meiner Kamera dokumentiert und über Nacht alles wieder an seinen Platz zurückgestellt.

Ich finde es spannend, mit der Definition von Wahrheit zu spielen. Sammle deine eigenen Erfahrungen und denke groß. Und teile sie auf allen Ebenen."

@olya_o

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Foto: Simon Lehner

Simon Lehner, 23, Österreich

"Ich erinnere mich noch sehr verschwommen daran, dass ich das erste Bild im Garten meines Opas geschossen habe, aber das erste Mal so richtig bewusst hinter der Kamera stand ich irgendwann in der Schule mit 14. Wir hatten eine Kamera pro Gruppe und haben fast darum kämpfen müssen, wer das nächste Bild schießen darf.

Mich inspiriert vor allem das Jahr 2005, das klingt sicher lustig. Aber ich interessiere mich gerade für dieses nostalgische und romantisierte Gefühl einer sorgenfreien Kindheit. Sommer, Freiheit, keine Schule, Cartoons. Ich glaube, das hatte ich nie so wirklich, deswegen versuche ich, herauszufinden, was diese Sehnsucht in mir auslöst. Und natürlich weil auch Gorillaz Feel Good Inc. aus dem Jahr 2005 kommt.

Das Foto stammt aus meinem Projekt 'How far is a lightyear?' (2005-2019). Darin geht es um Vatertum, Liebe und die Entwicklung der eigenen Identität durch die Familie. Ich versuche darin, ein Porträt meines Vaters zu kreieren – lediglich durch Bilder, die ich von ihm habe. Damit spiele ich auf die emotionale und physische Distanz an und auf die Sehnsucht nach einem Vater."

@simon_lehner

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Foto: Rhea Dillon

Rhea Dillon, 23, Großbritannien

"Mich inspiriert gerade, dass ich bald so frei sein werde wie niemals zuvor: Nächste Woche mache ich meinen Abschluss. Diese Fotos stammen aus verschiedenen Serien, trotzdem ergeben sie für mich ein sehr ergreifendes Zusammenspiel. Eines der Fotos ist aus SISTAHS, eine Serie, die ich in den Vororten von Paris fotografiert habe. Auf der Suche nach Zuflucht vor dem, was sich angefühlt hat wie andauernde Nachrichten von Polizeigewalt und Mord in Amerika und Großbritannien. Ich habe auch nach echter Girlhood gesucht – entgegengesetzt zum Stereotyp, dass sich Girls nicht gegenseitig unterstützen würden. Paris ist immer noch ein sehr rassistischer Ort, deswegen habe ich mich mich auf ihn konzentriert. Freiheit ist sehr wichtig in meinen Arbeiten und etwas, das ich durch Blackness überliefern möchte.

Es gibt nichts Stärkeres als dein Bauchgefühl: Vertraue immer zuerst dir selbst."

@rheadillon

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Foto: Jan Hoek/Duran Lantink/SistaazHood.

Jan Hoek, 35, Niederlande

"Ich war schon immer mehr an Leuten interessiert, die ein bisschen unnahbarer waren, die man erst finden musste. Ich wollte mich mit ihnen anfreunden und auf Abenteuerreise gehen. Besonders inspiriert fühle ich mich gerade von den Zeichnungen, die in einem Mental Health Institut in Österreich entstanden sind, das ich erst vor Kurzem besucht habe. Ich wünschte, ich könnte mit dieser Freiheit und Hingabe arbeiten. Und alle Sistaaz aus dem Sistaaz of the Castle Projekt inspirieren mich. Die meisten von ihnen leben unter der Brücke, trotzdem sehen sie jeden Tag großartig aus mit der Kleidung, die sie selbst machen aus Dingen, die sie auf der Straße finden. Das Bild ist aus der Kooperation mit SistaazHood entstanden, eine Trans-Sex-Worker-Gruppe aus Kapstadt und Designer Duran Lantink (der auch für Janelle Monaes virale Vagina-Hose verantwortlich ist). Die Serie ist ein Mix zwischen Dokumentation und fiktionaler Modefotografie. Das Radikalste daran ist die Tatsache, dass SistaazHood für jedes verkaufte Bild genau so viel Geld bekommt wie Duran und ich.

Wenn ich Fotograf*innen da draußen eine Sache mit auf den Weg geben möchte, dann folgende: Wenn dir etwas Angst macht, weißt du, du bist auf dem richtigen Weg."

@janhoekjoh

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Foto: Paul Guilmoth + Dylan Hausthor

Paul Guilmoth, 26 und Dylan Thomas Healy Hausthor, 25, USA

"Meine erste Erfahrung mit der Kamera war das grünliche Etwas auf der Oberfläche eines Sumpfes. Ich erinnere mich noch, wie ich sehr mich die Möglichkeit fasziniert hat, Teile mit dem Sucher von dem großen Ganzen zu isolieren. Gerade inspiriert es mich besonders, riesige Schlammfliegenlarven unter Steinen im Fluss zu finden.

Das Bild, das hier zu sehen ist, stammt aus unserer Ausstellung "Sleep Creek", ein Langzeitprojekt zwischen Zusammenarbeit und gegenseitiger Inspiration. Es geht dabei um Storytelling, den Nordosten Amerikas, Kleinstädte, Außenaufnahmen und Mythen."

@paulguilmoth

"Ich habe ein echt schlechtes Gedächtnis. Mein Therapeut hat schnell herausgefunden, dass es damit zusammenhängt, dass ich jeden Tag fotografiere. Vielleicht war meine erste Erfahrung mit der Kamera, dass ich ein Video von meinen Füßen mit einer VHS Kamera gemacht habe. Besonders inspiriert fühle ich mich von dem Moment, als ich eine Frau auf einem Steg nahe eines Sees das Evangelium predigen sehen habe. Sie ist einen Schritt zu weit nach hinten gegangen und ins Wasser gefallen.

Ich bin zwar selbst noch ein junger Fotograf, der um jeden Tipp dankbar ist, aber ich rate dir, immer ein zusätzliches Paar Socken zu einem Shoot mitzubringen."

@dylan.hausthor

1562770038858-Leonard-Suryajaya
Foto: Leonard Suryajaya

Leonard Suryajaya, 30, USA

"Als ich sieben Jahre alt war, habe ich meine eigene Plastikkamera bekommen. Meine Eltern mussten sehr aufs Geld achten, deswegen habe ich keinen Film dazu bekommen. Also habe ich meine Fantasie benutzt und einfach so damit gespielt.

Das Bild zeichnet den Aufnahmeprozess meines weißen Partners in meine Familie, Kultur und in mein Heimatland Indonesien nach. Das Thema meiner Sexualität existiert in meiner Familie nicht. Als ich vor fünf Jahren mein Coming Out hatte, meinte meine Mutter nur, ich solle es nicht meinem Vater erzählen.

Wenn ich dir eine Sache mit auf den Weg geben kann, dann nach Beständigkeit zu streben, nicht nach Perfektion. Das geht an alle queeren, kreativen People of Color, an alle, die einer marginalisierten Minderheit angehören: Alles, was du bist, ist wichtig. Du formst deine eigene, einzigartige visuelle Sprache. Die Zeit ist dein Freund und lass dich nicht von ungeeigneten, ungeduldigen Lehrern oder Mitschülerinnen fertig machen. Was RuPaul schon gesagt hat ... 'Du musst wissen, wer du bist, und das zu jeder Zeit zeigen.'"

@leonardsuryajaya

Dieser Artikel stammt ursprünglich von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.