diese fotografien enthüllen die verletzliche schönheit der männlichen jugend

Tyler Udall zeigt die Generation Z in einem ganz anderen Licht.

von Hannah Ongley
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31 Mai 2017, 9:50am

Tyler Udall hat drei Jahre lang die Teenager der Gen Z in Vancouver fotografiert. Ob in Nachtgewändern, Highheels oder auf einem beigefarbenen Teppich liegend: die jungen Männer erscheinen alle verletzlich und trotzdem offen. In einer Zeit, in der Erwachsene mit Macht den Fortschritt aufhalten und alte Vorstellungen von Maskulinität immer noch dominieren, sind die Fotos von Tyler anders und modern.

Tyler selbst ist mittlerweile erwachsen geworden. Seinem Glauben daran, dass die Jugendlichen etwas verändern kann, hat das aber keinen Abbruch getan. Nun stellt er in London seine neue Serie ETUDES vor. Wir haben mit dem Fotografen über erste Dates und Kreativität als Mittel der gesellschaftlichen Veränderung gesprochen.

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Wir haben uns das letzte Mal gesprochen, als du dein Buch Auguries of Innocence veröffentlicht hast. Wie hat sich Maskulinität über diese Zeit verändert?
Weltweit versuchen Männer, verletzlicher und emotional verfügbarer zu sein. Das ist eine globale Community — die Angst vor Stigmatisierung wird immer kleiner und kleiner. Wir haben auch angefangen, Männer zu zelebrieren, die mit traditionellen Vorstellungen von Maskulinität als Erziehungsmittel brechen. Und genauso wunderbar ist es doch, dass immer mehr Menschen, die sich als nicht-binär oder genderfluid identifizieren, offener und authentischer leben können. Die Bewegung steckt noch in den Kinderschuhen, aber es ist wundervoll, dass die Gesellschaft versucht, durchlässiger zu werden.

Deine Fotos sind unglaublich intim. Kennst du die Menschen persönlich, die du fotografierst?
Jetzt kenne ich diese Leute, aber als ich sie fotografiert habe, waren das ganz neue Bekanntschaften. Die meisten Fotos sind beim allerersten Treffen entstanden. Ich wollte dokumentieren, wie die unterschiedlichen Stufen einer Beziehung aussehen. Ich mag es, wenn ich mit dem Model alleine bin und es fotografiere, das ist schon fast wie ein erstes Date. Wenn sich Leute entspannen und ganz bei sich sind, dann entstehen die besten Sachen.

Was fasziniert dich als Fotograf so an der Generation Z?
Wie smart sie ist! Sie ist so kreativ und empathisch. Wie sich diese Eigenschaften in ihrem Alltag widerspiegeln, ist wirklich inspirierend. Ich glaube, dass die Probleme, vor denen die Welt steht und noch lange stehen wird, andere Lösungen erfordern, als wir bisher gewöhnt sind. Die Lösungen werden kreativer und im Team entstehen. Ich glaube fest daran, dass sich die Gen Z dieser Herausforderung auf provokative und unvorhersehbare Weise stellen wird.

Wie hat sich deine Fotografie und dein Storytelling verändert, seitdem du erwachsen bist?
Ich bin jetzt ehrfürchtiger und beobachte mehr. In vielen meiner Fotos war ich körperlich sehr präsent. Es gibt viele Selbstporträts und Fotos von mir und meinem Ehemann. Aus dieser kleine Blase bin jetzt raus und tauche jetzt in die Blasen von vielen anderen ein. Wie sich herausgestellt hat, bin ich ein Voyeur.

Du hast einen Modehintergrund. Wie wichtig ist Mode, um Normen herauszufordern und eine progressive Maskulinität zu dokumentieren?
Für mich ist Kleidung ein wunderbares Tool, um kulturelle Normen herauszufordern, gerade wenn es um progressive Ansichten zur Maskulinität geht. Mode ist eine direkte Reflektion auf das gegenwärtige, gesellschaftliche und wirtschaftliche Klima in einem Land. Geschichtsbücher können lügen, aber wenn man sich die Mode im Verlauf der Jahre anschaut, dann bekommt man eine glasklare Vorstellung davon, was zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort passiert ist. Dass so viele Männer und nicht-binäre Menschen Mode und Make-up auf so frische und moderne Art und Weise als selbstverständlich verwenden, ist doch ein wundervolles Spiegelbild der Gesellschaft. Angesichts des aktuellen Klimas können wir doch alle mehr Glitzer vertragen!

Wie gehst du mit Geschlechterklischees in deinen Arbeiten um?
Ich behandle jeden, ob Mann oder Frau, mit meiner Kamera gleich. Mich interessieren die individuellen Wahrheiten und ich möchte die ehrlichste Vision von ihnen zeigen.

Wie reagieren die Menschen auf deine Fotografien?
Dem jüngeren Publikum scheinen alle meine Aufnahmen zu gefallen, während das ältere vor allem positiv (oder auch durchwachsen) auf die Fotos von Männern reagiert. Interessanterweise rufen meine Fotos von Frauen solche Emotionen nicht hervor. 

Etudes

kannst du dir bis zum 10. Juni in der Londoner Galerie The Little Black Gallery anschauen.

Credits


Text: Hannah Ongley
Fotos: Tyler Udall, Courtesy of The Little Black Gallery

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