maria grazia chiuri beendet ihr erstes jahr bei dior mit der feier zum siebzigsten geburstag des hauses

Dior hat am Montagabend anlässlich seines 70. Geburtstags im Pariser Museum Les Arts Décoratifs eine umfassende Retrospektive eröffnet, und das nur wenige Stunden, nachdem Maria Grazia Chiuri mit ihrer zweiten Kollektion ihr einjähriges Jubiläum bei...

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Juli 5 2017, 3:14pm

Dieser Artikel erschien zuerst auf i-D UK.

Ein Jahr nach ihrem Antritt als neue Kreativchefin bei Christian Dior hat Maria Grazia Chiuri ihre neuste  Vision für das traditionsreiche Modehaus vorgestellt. Am Montagabend hat sie diese im Rahmen einer Haute-Couture-Woche gezeigt, die parallel zur großen Eröffnung einer Ausstellung im Les Arts Décoratifs anlässlich des 70-jährigen Bestehens des Hauses stattgefunden hat. Ihre zweite Kollektion hat sowohl ihre eigene bisherige Geschichte dort als auch das Jahrzehnt von 1947 bis 1957 widergespiegelt, in dem Christian Dior das Modehaus gegründet und groß gemacht hat. Letzteres war selbsterklärend: Chiuri lässt sich stark von den ersten Designs des Gründers inspirieren — so stark, dass durch ihre Kollektion, die von unterschiedlichen Grautönen dominiert wird, ein echtes Nachkriegszeit-Flair heraufbeschwört wird. Selbst die lebensgroßen Giraffen- und Adler-Holzfiguren des Künstlers Pietro Ruffo vor der Kulisse einer Art afrikanischen Savanne vor dem Hotel des Invalides konnten der Kriegszeit-Atmosphäre keinen Abbruch tun, die sich in Chiuris knöchel- und bodenlangen Röcken, den dramatischen Mänteln und hochgestellten Kragen manifestiert hat. Ihre Arbeiten sind von einer mächtigen und gleichzeitig minimalistischen Natur geprägt, die verhindert, dass das Ganze zu theatralisch wirkt — selbst wenn das vielleicht gar nichts Schlechtes sein würde.  

Das autobiographische Element kam in den Show-Notes zum Vorschein, in denen Chiuris Umzug aus Rom nach Paris und ihre Auseinandersetzung mit Christian Diors visionären Gedanken als wichtige Inspirationen aufgeführt wurden. "Eine vollständige Kollektion sollte alle Frauen in allen Ländern ansprechen", wurde der Gründer des Labels zitiert. Und wenn es etwas gibt, das Chiuri im vergangenen Jahr während ihrer vielen Geschäftsreisen für Dior gelernt hat, ist es genau das. Sie hat all die Weltlichkeit in das Motto der Forscherin übertragen, das an ihre Debütkollektion angeknüpft hat (die mit den 'We should all be feminists'-T-Shirts) und eine Fortsetzung des Themas der Pionierin aus ihrer Cruise-Kollektion gewesen ist, die sie im Mai in Calabasas gezeigt hatte. Frauen, die Chiuris Entwürfe tragen, tragen zwar Haute-Couture-Ballkleider, aber sie stehen mit beiden Füßen fest auf dem sandigen Boden der Tatsachen. 

Wenn man durch die 70-jährige Geschichte von Dior hinweg auf die verschiedenen Designer zurückblickt, die das Modehaus geprägt haben, gibt es einiges darüber zu sagen, wie weit das Erbe des New Looks es bringen könnte. Gianfranco Ferré beispielsweise hat es in den 80ern mit italienischem Glanz versehen, und John Galliano hat es in den 90ern zum absoluten theatralischen Mode-Höhepunkt getrieben. Die beiden sind wohl auch die Designer, an die man sich aufgrund ihrer revolutionären Designs am liebsten erinnert. In ihrem ersten Jahr hat Chiuri bewiesen, dass sie sich dem Vermächtnis von Dior gut anpassen und einen gewissen politischen Zeitgeist widerspiegeln kann. Im kommenden Jahr hat sie nun die Chance, aufs Ganze zu gehen und noch mehr zu wagen. 

Credits


Text: Anders Christian Madsen
Fotos: Mit freundlicher Genehmigung von Dior