eine neue ausstellung in berlin erkundet, was menschsein im digitalen zeitalter bedeutet

Wir zeigen euch vorab eine Auswahl der Werke und haben einigen der Künstler von „Digital_Luv“ ein paar Fragen gestellt.

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Dez. 8 2016, 12:09pm

Eines unserer Lieblingskunstkollektive Curated by Girls lädt am 10. und 11. Dezember zu Digital_Luv ein. Nach ihrer Zusammenarbeit mit dem Fotografen Joseph Wolfgang Ohlert an Posterboys und Freer in Berlin im Oktober beendet Kuratorin und Mitbegründerin Laetitia Duveau das Jahr mit einer Ausstellung, die sich mit allen Aspekten der Digitalisierung beschäftigt. Künstler mit verschiedensten Hintergründen und Standpunkten präsentieren dort ihre Arbeiten rund um das Thema „Mensch und Technologie". Wir haben uns mit einigen der kreativen Köpfe unterhalten und ihnen ein paar Fragen zu ihrem Beitrag zu Digital_Luv gestellt.

Sasha Katz

Was denkst du über Digitalisierung? 
Ich bin der Meinung, dass Mensch und Technologie nicht ohne einander überleben können.

Was können wir von deinem Beitrag zu Digital_Luv erwarten?
Ich werde meine Sichtweise der Beziehung zwischen Mensch und Technologie darstellen. Um exakt zu sein: Es geht mir dabei aber eher um eine Liebesaffäre.

In der Ausstellung geht es um das Verhältnis zwischen Menschen und dem Digitalen. Wie würdest du dieses Verhältnis beschreiben?
Ich würde es als eine immer glückliche Symbiose zweier Komponenten beschreiben. Irgendwann werden Menschen computerähnliche Implantate tragen und mit aller Technik, die sie umgibt, verbunden sein. 

@sashakatz

Paola Arena

Was trägst du zur Ausstellung bei?
Ich habe das Projekt mit einem Hintergedanken der Einsamkeit und den damit verbundenen Emotionen wie Schmerz und Freude begonnen. Mein Beitrag dreht sich darum und um die Wichtigkeit, mit seinem Innersten verbunden zu sein. 

Würdest du sagen, dass Digital_Luv eine Kritik an der digitalen Welt ist? Und insbesondere an den sozialen Netzwerken?
Sie könnte als solche verstanden werden, ja. Einsamkeit nimmt viele Formen an: zum einen als Isolation von der Außenwelt, zum anderen aber auch als Befreiung davon. Und wir wissen alle, dass Social Media zwei Gesichter haben kann. Zum einen die Verbundenheit mit seiner Umwelt, zum anderen die Abschottung davon.

Was denkst du über Digitalisierung? 
Social Media dient uns als Plattform, auf der wir uns selbst darstellen und uns der Welt präsentieren können und dadurch dann in Kontakt mit Gleichgesinnten kommen. Gleichzeitig besteht aber das Risiko, zu viel von sich preiszugeben, sich verwundbar zu machen. Die Leute, die vorher eigentlich unser Publikum oder sogar Verbündete waren, werden plötzlich zu Feinden. Wenn man das auf unsere globalisierte Welt überträgt, bedeutet das: Menschen nehmen sich gegenseitig nicht mehr wahr, sie rempeln sich nur an und laufen weiter, ohne ein Wort zu wechseln. Sie beschäftigen sich stattdessen mit dem Überangebot an Möglichkeiten, das durch die Digitalisierung entsteht.

@paolaarena

Mike Pelletier

Junge Künstler profitieren immens von Social Media. Fühlst dich trotzdem berechtigt, die Digitalisierung zu kritisieren?
Absolut! Nur weil man Social Media nutzt, soll man es nicht kritisieren dürfen? Das ist eine beängstigende Vorstellung. Gerade in Zeiten, in denen die digitale Präsenz immer wichtiger erscheint, ist es mindestens genauso wichtig auch die negativen Aspekte zu beleuchten. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass sie unsere Wahrnehmung der Realität beeinflusst. 

Was erhoffst du dir für Reaktionen auf die Ausstellung?
Unruhe und Verwirrung. 

@mikepelletier

Digital_Luv kannst du dir am 10. und 11. Dezember in der Blogfabrik ansehen. Mehr Informationen findest du hier.

Credits


Text: Max Migowski
Ledefoto: via Facebook