black lives matter demo in berlin, straight up

Am Samstag fand die diesjährige BLM-Demo statt. Wir waren vor Ort und haben die Demonstranten gefragt, warum sie hier sind und wie sie mit Rassismus im Alltag umgehen.

von i-D Staff
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26 Juni 2017, 2:25pm

Destanie, 19

Woher kommst du?
Ich bin in Berlin aufgewachsen, meine Mutter ist Britin und Deutsche, mein Vater ist Afroamerikaner.

Was machst du?
Ich bin Studentin.

Warum bist du hier?
Um etwas für die Community zu tun und Solidarität zu bekunden. Ich will zeigen, dass ich hier bin. Mir ist die Veranstaltung sehr wichtig.

Wo stehen wir mit der Rassismus-Debatte in Deutschland? Was muss noch passieren?
Ich habe das Gefühl, dass es bestimmte Gruppen gibt, die nicht wirklich angesprochen werden. Dadurch, dass die Mehrheit in Deutschland weiß ist, werden ein paar Probleme nicht beachtet. Ich fand die Events, die während dem Black Lives Matter-Monat veranstaltet wurden, total gut, weil sie Themen zur Sprache gebracht haben, die ich kenne, von denen ich hier aber noch nicht wirklich etwas gehört habe. In Deutschland findet so etwas nicht oft statt, deswegen fand ich das ziemlich powerful.


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Wie siehst du die Black Lives Matter-Bewegung in Deutschland?
Es ist das erste Jahr, in dem ich mitmache und die Events besucht habe - ich fand es echt toll. Jeder hat irgendetwas, womit man sich identifizieren kann. Es ist schön zu wissen, dass andere Leute etwas ähnliches durchleben.

Was möchtest du persönlich verändert sehen?
Die Kommunikation sollte besser laufen, wenn es um gewisse Anliegen geht. Ich habe das Gefühl, dass viele oft sehr defensiv werden. Dann kann man nicht wirklich produktive Konversationen führen, weil jemand auf seiner Meinung beharrt und nicht wirklich etwas Neues lernen will. Das finde ich schade.

Wie schaffen wir das?
Indem bei bestimmten Problemen mehr auf Emotionen geachtet wird und Leute mehr zuhören. Das wäre mir wichtig.

Black Lives Matter wurde von drei Frauen gegründet. Warum, denkst du, spielen Frauen eine so wichtige Rolle in der Bewegung?
Weil viele Themen Leute betreffen, gleichzeitig weil sie Frauen und weil sie schwarz sind. Sie werden diskriminiert, weil sie schwarze Frauen sind — nicht weil sie schwarz oder weiblich sind. Deswegen finde ich auch, sollte man die verschiedenen Probleme nicht voneinander trennen. Man muss sie als Ganzes sehen und Zusammenhänge finden.

Antoine, 25 & George, 23

Woher kommt ihr?
Antoine: Aus Frankreich.
George: Aus Australien.

Was macht ihr?
Antoine : Ich bin Künstler und Videofilmer.
George : Ich bin Fotograf.

Warum seid ihr hier?
Antoine : Ich konnte nicht zu den Demonstrationen in Paris gehen, die auf den Tod von Adama Traore folgten, deswegen wollte ich auf jeden Fall hier sein. Diese Vorfälle machen mich rasend.
George : Ich bin in einer privilegierten Position und war das schon mein Leben lang. Ich möchte dieses Privileg nutzen, um Menschen zu unterstützen, die nicht die gleichen Möglichkeiten haben.

Alles Begann mit dem Tod von Trayvon Martin. Worum geht es fünf Jahre später?
George: Es geht darum herauszufinden, warum diese Sachen passieren und die Grundursachen von Rassismus zu verstehen.

Wo stehen wir mit der Rassismus-Debatte in Deutschland?
Antoine : Ich denke Berlin hat eine Sonderstellung und ist ein guter Ort zu leben für jeden mit einem kulturellen Hintergrund in der Minderheit. Die Gesinnung hier ist ziemlich fortschrittlich.

Was möchtest du persönlich verändert sehen?
George: Leute, die zu einer Minorität gehören, sollten viel mehr repräsentiert werden - vor allem in den Medien.

Black Lives Matter wurde von drei Frauen gegründet. Warum, denkt ihr, spielen Frauen eine so wichtige Rolle in der Bewegung?
Antoine: Ich denke Afro-Feminismus ist eine sehr starke Bewegung. Seine Stimme ist wichtig für alle Frauen, nicht nur für schwarze.
George : Ich bin auch der Meinung, dass es der am wenigsten exklusive Feminismus ist. Er schließt wirklich alle(s) ein - das macht ihn unheimlich wichtig.

EJ, 23

Woher kommst du?
Aus Neuseeland.

Warum bist du hier?
Um mich als Verbündeter der Black Lives Matter-Bewegung zu zeigen.

Alles begann mit dem Tod von Trayvon Martin. Worum geht es fünf Jahre später?
Es geht um eine riesige Frustration: Obwohl Leute ihre Wut gegenüber der Ungerechtigkeit und der unrechtmäßigen Polizeiarbeit zum Ausdruck gebracht haben, hat sich fünf Jahre später nichts geändert. Es passiert immer noch und es gibt immer mehr Fälle, die das zeigen. Deswegen brauchen wir Events wie dieses und deswegen müssen Leute zusammenkommen, um weiter für Gerechtigkeit zu kämpfen.

Wo stehen wir mit der Rassismus-Debatte in Deutschland? Was muss noch passieren?
Jeder weiß, dass Berlin eine kleine Insel in Deutschland ist. Hier ist man schon relativ weit. Dazu wie es außerhalb der Stadt ist, kann ich nicht viel sagen. Aber auch in Berlin gibt es natürlich Rassismus-Probleme. Grundsätzlich muss noch viel gelernt werden!

Was möchtest du persönlich verändert sehen?
Mehr Solidarität und mehr Gemeinschaften, die zusammen kommen. Privilegierte Leute sollten aufstehen und ihre Privilegien nutzen, diejenigen zu unterstützen, die keine haben.

Black Lives Matter wurde von drei Frauen gegründet. Warum, denkst du, spielen Frauen eine so wichtige Rolle in der Bewegung?
Frauen sind generell wichtig — nicht nur in der Black Lives Matter-Bewegung. Ich habe aber das Gefühl, dass vor allem schwarze Frauen eine starke Säule ihrer Kultur sind.

Sonny, 25

Woher kommst du?
Ich komme aus Bristol in England.

Was machst du?
Ich studiere Fotografie in London. Im Moment arbeite ich aber für ein Magazin in Berlin.

Warum bist du hier?
Weil es so ein massives Problem ist, dass sich die Polizei, vor allem in Amerika, aber auch in England, wirklich schwarze Leute zur Zielgruppe nimmt. Es ist so offensichtlich und seit vielen Jahren unverändert. Ich bin auch hier, um den Moment festzuhalten, dass hier eine Gemeinschaft von Leuten mit ganz unterschiedlichen Hintergründen zusammen kommt. Sie unterstützen alle eine gemeinsame Bewegung.

Alles begann mit dem Tod von Trayvon Martin. Worum geht es fünf Jahre später?
Es wurden mittlerweile so viele Schwarze von der Polizei getötet und jedes Jahr finden diese Events statt, aber nichts hat sich bisher geändert. Die Leute sind wütend und frustriert. Wir werden weiter demonstrieren und protestieren - irgendwann macht es hoffentlich einen Unterschied.

Wie siehst du die Black Lives Matter-Bewegung in Deutschland?
In Berlin ist es ganz anders als in Bristol, einer britischen Kleinstadt. Es ist ein viel größerer Protest - mehr Leute nehmen es wichtig und sind involviert. Hier leben viele Amerikaner, aber es kommen auch eine Menge Leute extra für die Veranstaltungen nach Berlin. In Bristol sind es nur die Leute aus Bristol.

Was möchtest du persönlich verändert sehen?
Die Brutalität der Polizei. Innerhalb des Polizeiapparates muss etwas passieren. Vielleicht brauchen wir ein neues Gesetz?

Black Lives Matter wurde von drei Frauen gegründet. Warum, denkst du, spielen Frauen eine so wichtige Rolle in der Bewegung?
Meine Mutter und meine Großmutter haben mich großgezogen: Frauen sind sensibler und haben ein größeres Verständnis für emotionale Themen. Es ist wichtig, starke Frauen zu haben, um etwas zu verändern.

Naomi, 19

Woher kommst du?
Ich bin aus Berlin.

Was machst du?
Ich habe gerade mein Abitur gemacht.

Warum bist du hier?
Weil es mir wichtig ist, Rassismus anzusprechen. Das Thema wird in meinem Freundeskreis, aber ich denke in ganz Deutschland eigentlich verschwiegen. Gerade in Berlin denkt jeder, dass die Gesellschaft aufgeklärt ist.

Wo stehen wir mit der Rassismus-Debatte in Deutschland? Was muss noch passieren?
Es ist wichtig, dass den Menschen bewusst wird, dass es Rassismus noch gibt. Das sollte nicht verheimlicht oder verharmlost werden. Auch in Schulen muss es mehr thematisiert werden.

Wie siehst du die Black Lives Matter-Bewegung in Deutschland?
Ich glaube, dass hier noch viel passieren muss. In Amerika sind die Bewegungen schon groß. Aber deswegen gibt es ja den Black Matters-Monat und viele Veranstaltungen - damit auch in Deutschland noch mehr engagierte Leute dazu kommen.

Was möchtest du persönlich verändert sehen?
Ich will vor allem nicht mehr als fremdes Individuum wahrgenommen, sondern einfach als Deutsche akzeptiert werden. Ich will mich nicht dauernd rechtfertigen und Fragen zu meiner Haarstruktur und wirklicher Herkunft beantworten müssen. Das sind ganz kleine Dinge, die sich sammeln und die man als Weißer vielleicht gar nicht bewusst wahrnimmt.

Und wie schaffen wir das?
Durch solche Proteste. So wird das Problem publik gemacht. Es sollte mehr Debatten geben, auch in den sozialen Netzwerken - da kann man so viele Leute erreichen. Super sind auch Festivals wie das In*vision.

Amina, 20

Woher kommst du?
Ich bin halb Deutsche, halb Amerikanerin und wohne jetzt in Schottland. Eigentlich komme ich aber aus Berlin.

Was machst du?
Ich studiere.

Warum bist du hier?
Black Lives Matter hat den ganzen Monat lang Veranstaltungen organisiert und ich habe die ganze Zeit mitgemacht. Hier wollte ich auch unbedingt dabei sein, weil es persönlich sehr wichtig für mich ist: Meine Familie wohnt in Amerika, wo die Situation nach wie vor sehr krass ist. Deswegen möchte ich ein Teil der Bewegung sein.

Wo stehen wir mit der Rassismus-Debatte in Deutschland ? Was muss noch passieren?
Für mich ist es interessant, weil ich mich erst in den letzten Wochen mit der Situation in Deutschland auseinandergesetzt habe. Für mich war das eher ein Problem in Amerika, weil mein Schwarzsein auch von der amerikanischen Seite meiner Familie kommt. Rassismus gibt es aber auf jeden Fall auch hier. Ich finde es etwas anders als in Amerika, weil das Thema nicht so im Vordergrund steht. Das macht das Ganze schwerer zu erklären und auch schwerer zu diskutieren.

Wie siehst du die Black Lives Matter-Bewegung in Deutschland?
Ich finde es richtig cool und hoffe, dass es weitergehen wird. Noch ist sie ja relativ neu hier, das bedeutet viel Arbeit. Es ist aber ein guter Anfang!

Was möchtest du persönlich verändert sehen?
Während dem Black Lives Matter-Monat habe ich ganz viele neue Menschen kennengelernt und erfahren, was hier alles passiert. Es ist eine ganze Menge, man hört nur so wenig davon. Ich wünsche mir, dass sich das ändert und mehr Leute darauf aufmerksam werden.

Und wie schaffen wir das?
Wir müssen auf jeden Fall mehr darüber reden. Ich fand den Black Lives Matter-Monat hier vor allem auch deswegen so cool, weil wir Diskussionen führen konnten.

Black Lives Matter wurde von drei Frauen gegründet. Warum, denkst du, spielen Frauen eine so wichtige Rolle in der Bewegung?
Viele Bewegungen haben Frauen begonnen, später wurde das dann oft ignoriert. Frauen sind generell widerstandsfähig, weil Frau-Sein schwer ist. Deswegen sind sie es oft, die etwas unternehmen - sie sind es gewohnt. Mir ist es sehr wichtig, dass Frauen mit der Bewegung angefangen haben und wir das feiern, weil es einfach super ist.

Anna, 23

Woher kommst du?
Ich komme aus Tschechien. Vor vier Jahren bin ich aber nach Dänemark gezogen. Ich sage gerne, dass ich Teil-Dänin bin.

Was machst du?
Ich arbeite bei einem Online-Magazin.

Warum bist du hier?
Ich bin sehr involviert in der Aktivistenszene - vor allem was Queer und Feminismus angeht. Black Lives Matter gehört da einfach dazu. Da ich selbst weiß bin, möchte ich Unterstützung zeigen. Es ist eine wichtige Sache!

Wo stehen wir mit der Rassismus-Debatte in Deutschland? Was muss noch passieren?
Verglichen mit Tschechien, läuft es in Deutschland eigentlich schon ganz gut - Diversität ist willkommen, Leute werden aktiv integriert. Vor allem weil zumindest darüber gesprochen wird. Trotzdem ist dieser Tage in ganz Europa viel Rassismus und rechtes Gedankengut in der Politik zu spüren.

Was möchtest du persönlich verändert sehen?
Ich würde gerne mehr Akzeptanz sehen. Nicht nur was Leute verschiedener Ethnien betrifft, sondern auch Sexualität und Gender. Wir müssen davon wegkommen, Menschen in soziale Gruppen aufzuteilen.

Und wie schaffen wir das?
Das wird eine lange Reise. Der beste Weg dahin ist Bildung - die sich aber auch verändern muss. Sie muss inklusiver und informativer werden.

Black Lives Matter wurde von drei Frauen gegründet. Warum, denkst du, spielen Frauen eine so wichtige Rolle in der Bewegung?
Frauen, vor allem W omen of Color, sind die am meisten Unterdrückten. Es sind ihre Stimmen, die wir hören müssen!

Credits


Interviews: Joely Ketterer
Fotos: Tereza Mundilová

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