Boy Harsher machen die Art traurige Tanzmusik, die du gerade brauchst

Als Vorgeschmack auf ihre diese Woche erscheinende EP "Country Girl" stellen wir dir die Musik der beiden Amerikaner ein wenig genauer vor.

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Okt. 10 2017, 11:24am

Foto: Travis Weitzman

Boy Harsher erzählen uns Geschichten aus düsteren Electro-Sounds, mit denen das Duo bestehend aus Augusts Muller und Jae Matthews unseren Herbst-Blues im Nu verschwinden lässt. Mit ihren äußerst tanzbaren Beats in Kombination mit Jaes mal flüsternden, mal durchaus etwas lauter werdenden Vocals können ihre Lieder schon fast als kurze Gedichte interpretiert werden, die uns wie durch einen Film begleiten. Ähnlich fühlt sich auch das Aufeinandertreffen der beiden Künstler an: Seitdem sich Augusts und Jae auf der Filmschule kennengelernt haben, machen sie gemeinsam Musik — erst mit dem musikalischen Performance-Projekt Teen Dreamz, das vor allem aus vorgetragenen Kurzgeschichten bestand, später dann unter dem Namen Boy Harsher.

Aber auch die Website der Band, die sich wie einer unserer Lieblings-Tumblr liest, spiegelt diesen weitläufigen, künstlerischen Zugang wider. Und das liegt nicht nur am Layout, sondern vor allem an den Inhalten: Neben ihrer Musik finden sich Artworks aus Collagen, Flyer-Designs und analogen Show-Eindrücken. Damit gibt das Dark-Electronic-Duo aus Massachusetts Inspiration für all unsere Sinne. Wir wollten wissen, welche vertonten Geschichten sich hinter der traurigen Tanzmusik der beiden verbergen und haben uns die Songs ihrer neuen EP Country Girl ein wenig genauer angesehen.


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Motion: Warum ist es so wichtig, immer in Bewegung zu sein?
Augustus: Ich glaube, dass sich der Alltag ziemlich träge anfühlen kann. In Motion geht es darum, die Möglichkeit zu haben, in ein Auto zu springen und genau dieses Gefühl zurückzulassen — es geht um die Fantasie, dem entkommen zu können.

Under water: Stellt euch vor, ihr könntet in den Tiefen des Meeres leben. Wie würde eure Unterwasser-Welt aussehen?
Jae: Ich glaube, es hätte was von Shelley Winters The Night of the Hunter. Aber ich würde sagen, dass es in dem Song mehr um das Gefühl der Ausgeschlossenheit geht. Es ist diese düstere Abstraktion, die stattfindet, wenn du lieber jemandem nahe sein möchtest. Du lenkst quasi deine emotionalen Interaktionen durch schlammiges Wasser.

Westeners: Wenn ihr uns mit auf einen Roadtrip nehmen würdet, zu welchem Abenteuer würden wir aufbrechen?
Augusts: Auf unserer letzten Tour sind wir durch die Wüste gefahren, während wir uns Hörbücher von Cormac McCarthys Blood Meridian angehört haben. Auch wenn es ein Todesurteil ist, würde ich mich wohl für Nordmexiko um 1850 entscheiden.

Country Girl: Welche Idee steckt hinter dem Musikvideo zum Song?
Jae: Vor gut einem Jahr habe ich an dieser Video-Idee gearbeitet, die einem einsamen Arbeiter folgt, der in einem Motel irgendwo im Nirgendwo lebt. Zu dieser Zeit war ich wirklich fasziniert von diesen "Soft-Crush-Videos". Soft Crush ist der Fetisch, jemandem (vorwiegend starken Frauen) dabei zuzuschauen, wie sie Essen, vor allem Früchte, zerdrücken.

Diese Elemente sind in Country Girl aufeinander getroffen. Der Hauptcharakter wurde von der großartigen Tara-Jo Tasha gespielt, einer in New York lebenden Performance-Künstlerin und Tänzerin. Leider musste die Produktion aufgrund eines familiären Notfalls angehalten werden, deswegen konnten wir den Kurzfilm nicht wie geplant zu Ende bringen. Wir haben stattdessen versucht, ein Musikvideo zu kreieren, das ähnliche Themen verkörpert und Tashas tänzerisches Können zelebriert. Trotzdem fühlt sich das Video immer noch auf eine richtige Art und Weise einsam an und feiert die Fantasie, also bin ich glücklich mit dem Ergebnis.

@boyharsher

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