eigentlich ist fka twigs ganz langweilig

2015 wird ein großes Jahr für Tahliah Debrett Barnett, besser bekannt als FKA Twigs, werden. Grund genug, um uns mit dem i-D Coverstar zusammenzusetzen und über das Musical Cats, die neue Inneneinrichtung in ihrem Schlafzimmer und darüber, dass sie...

von Wendy Syfret
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04 Februar 2015, 9:55am


Bevor du den Sprung in den Mainstream gewagt hast, hast du bereits online von dir reden gemacht. Wie findest du es, dass du plötzlich in solche Interviews geschickt wirst?
Ich weiß nicht, vielleicht täusche ich mir auch, aber es fühlt sich nicht so an, als ob sich viel verändert hätte. Auf meinem Telefon gibt es kein Twitter oder Instagram und ich lese auch nichts über mich im Internet. Ich kann es schwer einschätzen, wie der Stand der Dinge ist oder wie sie sich verändert haben. Ich verstehe es auch nicht wirklich.

Du bist dennoch zum kulturellen Bezugspunkt geworden, der vom Mainstream zitiert wird. Merkst du davon irgendwas?
Ja, das tue ich manchmal.

Wie fühlt sich das an?
Irgendwie komisch.

In Anbetracht all dessen, hast du Änderungen an dir selbst bemerkt?
Nein, überhaupt nicht. Das liegt aber daran, dass ich wirklich tolle Freunde habe. Ich weiß nicht, ob ich mich verändert habe, ich merke nichts.

Was hat dich am meisten am Erfolg der letzten zwei Jahre überrascht?
Ich weiß nicht, ob ich überrascht werde oder mich überhaupt überraschen lasse. Ich bin mir nicht sicher.

Warst du schon immer so?
Ja, ich kann ziemliche Scheuklappen anhaben, obwohl meine Musik überall läuft.

Lass uns über etwas Anderes reden. Was magst du außer Musik noch?
Ich mag es, Dinge zu schreiben.

Also Geschichten?
Nicht wirklich Geschichten, ich erfinde gerne Szenen, in denen niemand etwas sagen muss, in meinem Kopf. Manchmal ist es auch nur eine Abfolge von Bildern.

Wer war der Star deiner Kindheit?
Ich habe die weiße Katze in Cats geliebt. Sie war so beweglich; alle Katzen waren unglaublich beweglich.

Wenn du in irgendetwas wirklich gut sein könntest, was wäre das? 
Ich möchte eine richtig gute Mutter werden.

Das ist so eine nette Antwort.
Ja, ich möchte eine gute Mutter und Ehefrau sein.

Ich finde es toll, dass du deinen Fokus auf etwas Banales, das einen glücklich macht, legst.
Es ist ein bisschen langweilig oder? Ich glaube, wenn man sich die ganze Zeit immer nur auf seine Kunst beschränkt, bleibt man ziemlich zweidimensional. Wenn sich Nicht-Kreative kreativ betätigen, werden sie dreidimensional. Ich denke, wenn man als kreative Person etwas Liebendes und Gebendes tut, wird man dreidimensional. Man muss nicht immer nur die verrückte, kreative Person sein.

Spürst du, dass die Leute von dir erwarten, dass du diese exzentrische Performance-Künstlerin bist?
Ja, das ist definitiv so. Ich meine, auf eine Art bin ich das zu 100 % und dann auf eine andere auch nicht. Ich bin professionell, aber in meinen eigenen Wänden bin ich eigentlich ziemlich langweilig. Ich nehme an, dass wir alle auf unsere eigene Art und Weise exzentrisch sind. Ich mag es einfach, Dinge zu erschaffen, und ich bin eine reelle Person. Ich bin nicht aufgesetzt oder gebe vor, jemand anderer zu sein. Ich bin ich, eine reelle, tatsächliche Person.

Schützt du dich so vor Leuten, die auf der Suche nach einer Geschichte oder einem Aufhänger sind?
Ich war schon immer ziemlich ruhig und ziehe es manchmal vor, nicht zu reden. Das hat sich nicht erst so entwickelt. Ich war schon immer jemand, der einfach keine Aufmerksamkeit will. 

Eine Schattenseite des Erfolgs?
Ich mache nicht viel Pressearbeit, daher ist es OK. Am Anfang habe ich viel Promo-Arbeit gemacht und ich habe festgestellt, dass ich es überhaupt nicht mag und mich dabei unwohl fühle. Jetzt mache ich es nicht mehr wirklich.

Lass uns nicht mehr über Arbeit reden. Worüber freust du dich im Moment in deinem Privatleben?
Ich habe vor Kurzem eine Wohnung gemietet und richte mein Schlafzimmer ein. Eine Freundin hilft mir dabei. Sie ist eine unheimlich kreative Inneneinrichterin und unglaublich lustig. Ich sehe sie nicht so oft, weil wir beide immer super viel zu tun haben. Sie ist oft im Ausland und richtet Villen auf Ibiza ein. Daher finde ich es toll, dass sie mir bei der Gestaltung meins Schlafzimmers helfen will.

Sie meinte, dass sie in meinem Zimmer ein Kleiderschrank einbaut, damit ich all meine Kostüme ordentlich sortieren kann und alles schön aufgehängt ist. Und sie gestaltet mir ein Kopfende für Bett, worauf ich mich wirklich wahnsinnig freue. Ich bin die nächste Zeit auf Tour, also gebe ich ihr einen Schlüssel zu meinem Haus, damit sie das in der Zwischenzeit alles machen kann.

Wie schaffst du es, kein Burnout zu bekommen? Du trittst so häufig auf und reist so viel rum.
Ich denke, dass man, wenn man so viel tourt, automatisch erschöpft wird. Das ist normal. Man muss nur weitermachen und weitermachen und immer und immer weitermachen. 

@fkatwigs

Credits


Text: Wendy Syfret mit Material von i-D Germany
Live-Foto: Courtney DeWitt
Twigs-Porträt: Matthew Stone
Styling: Matthew Josephs
[ Aus The Just Kids Issue, no. 320, Pre-Fall 2012]