kann mode ein bewusstsein für den klimawandel schaffen?

Designerin und Nachhaltigkeitspionierin Helen Storey sendet mit ihrer Kunstinstallation im Londoner Eurostar-Terminal eine Message an die Delegierten der Pariser Klimakonferenz: Klimawandel und Migration sind miteinander verbunden.

|
01 Dezember 2015, 10:30am

Gestern begann in Paris die UN-Klimakonferenz. Künstlerin, Designerin und Professorin Helen Storey schuf aus diesem Anlass eine von Mode inspirierte Kunstinstallation, um ein sichtbares Zeichen gegen Klimawandel und Flüchtlingskrise an die Delegationen zu senden, die das Eurostar-Terminal auf dem Weg zum Pariser Klimagipfel passieren.

Die Kunstinstallation Dress For Our Time besteht aus drei Aspekten: Menschheit, das durch ein UNHCR-Zelt dargestellt wird, welches aus einem jordanischen Flüchtlingscamp stammt; Technologie, in Zusammenarbeit mit Holition entsteht eine Visualisierung zukünftiger Klimaveränderungen; und Natur, symbolisiert durch die Zweige eines Baumes.

Wir trafen die Modeaktivistin Helen Storey und sprachen mit ihr über COP21, die Geschichte hinter ihrer Installation und die Zukunft unseres Planeten.

Was ist die COP21 Klimakonferenz. Was soll damit erreicht werden?
Die Konferenz heißt COP21, weil es der Versuch im 21. Jahrhundert ist, etwas Wirkungsvolles gegen den Klimawandel zu unternehmen. Wenn ich mich jungen Leute darüber unterhalte, dann sagen die mir: ‚Die Welt versucht sich daran schon, seitdem ich auf der Welt bin'. Wie die einzelnen Länder ihren CO2-Ausstoß begrenzen wollen, wurde bereits festgelegt, bei dieser Veranstaltung geht es darum, eine Öffentlichkeit zu schaffen.

Erzähle uns mehr über das Flüchtlingszelt in der Installation.
Als ich auf der Suche nach einem Material war, war ich von der Tatsache erstaunt, dass man ständig die UNHCR-Zelte in den Nachrichten sah. Sie waren überall. Ich begriff, dass ich auf der Suche nach einem Stoff war, der im Leben von Menschen eine Rolle gespielt hat. UNHCR UK sagte mir: ‚Das wird wirklich schwierig. Es gibt keinen Präzedenzfall, dass Zelte zurückgekommen sind. Sie werden immer nur verschickt, sie kommen nicht zurück und sie sind nie unbenutzt'. Die Suche nach dem Zelt, woher es stammt und wer darin gelebt hat, wurde Teil der Geschichte.

Es stammt aus einem Camp in Jordanien, eine Zeltstadt mit 66.000 Zelten, mittlerweile eine der größten Städte in Jordanien. Das Zelt gehörte einer sechsköpfigen Familie, die aus Syrien nach Jordanien floh. Der Zeltboden ging kaputt, letztlich war es nur noch das ein Dach. Es wurde für unbrauchbar erklärt und es war das einzige Zelt, was zurückgeschickt wurde. 

Wie kann Mode beeinflussen, wie wir über den Klimawandel nachdenken?
Ich habe im Laufe des Projektes gelernt, dass wir durch Mode das Vertrauen von Leuten erhalten, die normalerweise nicht miteinander sprechen, Organisationen, die sonst nichts miteinander zu tun haben. Ich frage einfach, ob ich daraus ein Kleidungsstück schneidern kann. Dadurch dass ich mit ihnen über Mode und Kleidung sprechen will, sind sie erst einmal überrascht. Aber weil ich Fragen stelle und weil ich mehr als an Mode interessiert bin, beginnen wir eine Diskussion, die unter anderen Umständen so nicht stattgefunden hätte.

Dieses Projekt dreht sich um 70 Menschen, die etwas erreichen wollen, unabhängig davon, wer sie sind, wo sie arbeiten und welche Funktion sie haben, denn alle wissen, dass Veränderungen nötig sind. Ich lerne gerade, dass Menschen wissen, wie diese Veränderungen bewerkstelligt werden, große Institutionen aber nicht. Ich muss diese 70 Leute so motivieren, dass sie miteinander verbunden, offen und begeistert bleiben, damit wir Wege für Unerwartetes finden. Hier spielt das Modeelement eine Rolle, denn dadurch werden Debatten ermöglicht, die tiefer als Mode an sich gehen.

Was zeigt die Datenvisualisierung?
Der erste Phase heißt ‚Our Planet now' und zeigt die Erde so, wie wir sie aus dem Erdkundeunterricht kennen. Dann verschwindet die Karte langsam - ‚If we don't do enough'. Es geht nicht darum, was passiert, wenn wir nichts tun, wir werden etwas tun. Es geht nur darum, ob es kollektiv genug ist. Zum Schluss erscheinen die Gebiete, die nicht vom Klimawandel betroffen sein werden. Diese Karte ist nicht mehr als Welt wahrnehmbar.

Die Daten stammen vom Met Office, die haben die Daten für uns ausgesucht. Sie beruhen auf einer globalen Studie, die unter Mitarbeit von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt erarbeitet wurde und beleuchtet die großen Veränderungen in unseren Ökosystemen. Durch Klimaveränderungen werden Menschen in einigen Gebieten der Erde nicht mehr leben können, was zu Migration führen wird. Die beiden Themen sind miteinander verbunden.

Was wirkt sich der Klimawandel auf die betroffenen Regionen aus?
Es gibt unterschiedliche Auswirkungen, je nachdem ob es sich um Küstengebiete oder das Inland handelt. Von Küstenerosionen bis zum Anstieg des Meeresspiegels in den Küstengebieten, im Inland kann es zu Wasserknappheit und Migrationsbewegungen und Artensterben führen. Der Klimawandel kann dazu führen, dass die Nutzpflanzen nicht mehr wachsen können, es kann also zu Problemen bei der Nahrungsmittelversorgung führen.

Wie haben die Leute auf die Installation reagiert?
Jemand war sichtlich geschockt und sieht die Installation als eine Art Traueranzeige der Menschheit an. Ein Paar aus Zypern fragte mich: ‚Wir sind aus Zypern, wo ist Zypern?'. In der letzten Visualisierung ist Zypern natürlich nicht mehr da.

Gibt es Hoffnung, dass unser Planet gerettet werden kann?
Ja, natürlich. Immer, wenn ich etwas für unmöglich gehalten habe, und das dann doch eingetreten ist, schöpfe ich wieder Hoffnung. Es erinnert mich daran, dann wir eine einzigartige Spezies sind und wir nur durch alles Mögliche abgelenkt werden. Wir sind mehr als fähig, mit dieser Situation fertig zu werden. Wir könnten mehr Frauen gebrauchen, wir sollten uns nicht so sehr von Macht und all den Dingen verführen lassen, an die wir uns so gewöhnt haben. Wir können es auf jeden Fall schaffen.

#DressForOurTime

Das könnte dich auch interessieren:

  • Lies hier unser Interview mit Naomi Klein über Mode und Klimawandel.
  • Wir sprachen Grimes auch über den Klimawandel. Hier geht's zum Interview mit der Kanadierin.
  • Queen Viv zeigt dir hier, wie du die Welt in 10 Schritten zu einem besseren Ort machen kannst.