tati compton hält die wunderschön verrückten geschichten, die ihr leben schreibt, in handgestochenen tattoos fest

Wir trafen die in London lebende Kalifornierin, deren faszinierende Zeichnungen sich in den verschiedensten Formen manifestieren. Zu finden sind sie auf Ty Segalls Albumcover als auch auf der Haut als handgestochene Tattoos.

von Emily Manning
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04 Januar 2016, 4:25pm

„Schon als kleines Mädchen wollte ich Tattoos haben", erzählt mir die in Kalifornien geborene Amerikanerin. „In der Schule hatte ich Abziehtattoos von Schmetterlingen und Rosen auf meinen Armen. Die Jungs haben mich gefragt, ob die denn echt seien und ich sagte ‚Na klar sind sie das'. Denn ich wusste gar nicht, was ein echtes Tattoo ist.

Heute ist Tati eine gefragte Tätowiererin, die ihre komplexen Zeichnungen ohne Maschine per Hand im Londoner Tattoostudio Sang Bleu per Hand sticht. Obwohl sie für Ty Segalls Nebenprojekt Fuzz ein psychedelisches Albumcover gestaltete und für ihren Designer-Freund Rusty Cuts Seidenhemden entwarf, bleibt ihr bevorzugtes Medium nach wie vor die Haut. Nur einmal benutzte sie zum Tätowieren eine Maschine, ansonsten bringt sie ihre zarten und gleichzeitig düsteren Designs per Hand und mit einer Nadel auf die Haut.

Kürzlich hat sie sich mit dem New Yorker Buttonhersteller Prize Pins für eine fünfteilige Kollektion zusammengetan, die nun erhältlich ist. Wir nahmen die Zusammenarbeit zum Anlass und sprachen mit der Weltenbummlerin über das Leben mit der Tinte.

Erzähle uns mehr dich selbst.
Ich komme aus der Bay Area und bin im Süden Kaliforniens zur Schule gegangen. Mich interessierten Himbeersorbet und lange Romane über Feen, die ich mir in spirituellen Shops in Marin besorgte. Ich fand No Doubt, Tamagotchis, Hasen und Crash Bandicoot gut. Außerdem wollte ich Modedesignerin werden und entwarf jeden Tag. Mittlerweile lebe ich in London, zeichne immer noch viel, aber ich habe mich auf handgestochene Tattoos spezialisiert und arbeite im Londoner Sang Bleu.

Wann hast du dein erstes Tattoo bekommen? Wie hast du die Technik gelernt?
Da muss ich 21 gewesen sein. Ich hatte Liebeskummer. Eine Freundin und ich haben uns gegenseitig kleine Punkte auf unseren Fingern gemacht und die ganze Nacht Metallica gehört. Meine Freunde in San Francisco stachen schon per Hand und wir haben uns oft gegenseitig tätowiert, da wurde mein Interesse zum ersten Mal geweckt. Von meiner besten Freundin habe ich die Technik gelernt und ich glaube, sie hat sie irgendwann im Internet gefunden.

Was inspiriert dich?
Während meiner Schulzeit habe ich im Unterricht Musik gehört und gezeichnet. Ich war ein sogenannter Teaching Assistant für ein paar Kunstkurse wie Gravur, Fotografie und Keramik. Alle ließen mich dadurch in Ruhe. Meine Lehrer waren wahrscheinlich einfach nur froh, dass ich irgendwas gemacht habe. Am meisten inspiriert mich Musik und die Welt. Gleich nach der Highschool bin ich ausgiebig gereist. Ich wollte die Verrücktheit und die Schönheit von allem einfangen. Und das tue ich immer noch.

Reist du oft? Was bringt dich an die Orte und was machst du da?
Seitdem ich in London bin, bin ich etwas ruhiger geworden. Aber seit meiner Highschool-Zeit bin ich auf Reisen. Ich habe für ein paar Jahre in meinem VW-Westfalia-Van gelebt und bin damit durch Südamerika und Europa gefahren. Ich habe da angehalten, wo ich wollte, und blieb solange, wie ich wollte. Mich haben die Orte interessiert, die anders waren; die eine andere Sozialstruktur hatten; andere Normen; einen anderen Glauben. Ich war ziemlich jung und tat das, was man als junger Mensch eben macht: mit Leuten quatschen, sich betrinken und rumlaufen.

Erzähle uns mehr über deine Kollaboration mit Prize Pins.
Durch Jamie Burke bin ich in Kontakt mit Prize gekommen und er machte die Fotos für das Lookbook. Ich traf Jamie, als ich in New York war, um meinen jetzigen Freund für mich zu gewinnen. Jamie und seine wunderschöne Frau Mila ließen uns während eines warmen und schönen New Yorker Sommers auf ihrem Dach schlafen, wo wir die Chance hatten, uns in einander zu verlieben.

Ich folge vielen Tätowierern und Zeichnern auf Instagram. Verändert Social Media den künstlerischen Ausdruck und die Kommunikation?
Ich hoffe doch nicht, dass es den künstlerischen Ausdruck verändert. Ich kann nichts Tolles an Social Media entdecken. Es ist gleichzeitig nachsichtig und unterdrückend. Soziale Medien beeinflussen aber jeden Aspekt unseres Lebens. Ich habe sogar das Gefühl, dass die sozialen Medien die Funktionsweise unseres Gehirns beeinflussen. Aber ich habe sie immer für ihren Kommunikationsaspekt geschätzt, besonders weil ich immer weit weg von meinen Freunden und Familie war.

Was macht einen Menschen oder etwas für dich schön?
Wahrheit.

@taticompton

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Credits


Text: Emily Manning
Bilder: Courtesy of Prize Pins/Jamie Burke

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