Photography Francois Guillot for Getty Images

Kein Kommentar: Die 5 öffentlichkeitsscheusten Designer

Manchmal fühlt sich Modejournalismus wie Dating zu Schulzeiten an: je schwieriger Designer zu erreichen ist, desto anziehender wirken sie. Von Phoebe Philo bis James Jebbia von Supreme, diese fünf Designer sind die wahren Meister des Versteckspielen.

|
08 Mai 2015, 1:00pm

Photography Francois Guillot for Getty Images

Seit den Tagen von Yves Saint Laurent sind die Designer selbst so berühmt wie die Stars, die sie einkleiden: Ralph Lauren, Marc Jacobs, Karl Lagerfeld, um nur ein paar zu nennen. Creative Directors müssen ihre Marken bei unzähligen öffentlichen Auftritten, gegenüber den Medien und in zunehmendem Maße auch auf sozialen Plattformen repräsentieren. Im Rampenlicht zu stehen und gleichzeitig rund um die Uhr zu entwerfen, forderte aber bei einigen Designern seinen Tribut, wie Dana Thomas in ihrem neuesten Buch Gods and Kings: The Rise and Fall of Alexander McQueen and John Galliano darstellt. Es gibt eine Alternative zu den Trunk Shows, den Videointerviews und den veröffentlichten Urlaubsfotos: sich dem Medienrummel komplett zu verweigern und sich auf seine Arbeit zu konzentrieren (Natürlich funktioniert das besser, wenn der Designer unglaublich talentiert ist). Wir präsentieren euch fünf Kreative, die das Licht der Öffentlichkeit wie der Teufel das Weihwasser scheuen, und was sie alles tun, um sich zu verstecken.


Auch auf i-D: Für uns plaudert Calvin Klein dagegen aus dem Nähkästchen


Rei Kawakubo
Rei Kawakubo von Comme des Garçons ist seit über 40 Jahren eine der angesehensten Designerinnen der Branche und dennoch hat sie es geschafft, komplett außerhalb der Öffentlichkeit zu leben. In einem "New Yorker"-Artikel wurde 2005 die Unerreichbarkeit der Designern aus erster Hand deutlich: Die Autorin Judith Thurman traf Kawakubo und ihren Ehemann Adrian Joffe, der seine Frau einmal im Monat sieht und ihren Wunsch nach Abgeschiedenheit respektiert. Thurman schreibt ihn in diesem Artikel, dass "Smalltalk, oder jedes Gespräch, nicht zu ihren Stärken gehört". Obwohl Freunde wie Azzedine Alaïa offenbaren, wie charmant Kawakubo sein kann, ist sie auf Events nicht wirklich gesellig und hat sich den Ruf, ernst zu sein, erarbeitet. "Sie hat es einfach immer bevorzugt, ihre Arbeiten für sich sprechen zu lassen", sagte Joffe der South China Morning Press. Kawakubo hat immer die Ansicht vertreten, dass man sie am besten durch die Kleidung kennenlernt, und andere Designer, Modejournalisten, Einkäufer und Autoren haben das immer als ernste Natur eines Genies respektiert.

James Jebbia von Supreme
Supreme ist vielleicht eines der bekanntesten Streetwear-Labels weltweit, ein cooles Paradies für jeden, vom Skater im Teenie-Alter bis zu Kate Moss. Ihr Logo ist omnipräsent und dennoch zieht es Gründer James Jebbia vor, die Presse zu meiden. Wieso? Weil die Presse ihn und sein Label für gewöhnlich falsch verstehen, wie er 2012 dem Berliner 032C Magazin sagte. "All die Magazine, wenn sie nett sind, denken einfach, dass wir eine Art cooler, kleiner Skate-Shop sind und Downtown ein paar Kick-Flips machen. Sie schreiben immer und immer wieder dasselbe." Jebbia hatte nie das Verlangen, zum Aushängeschild zu werden, und nutzt auch keine medialen Möglichkeiten, die zur Klärung der Identität von Supreme beitragen könnten. Wenn dann doch mal Schnipsel aus seinem Leben ihren Weg an die Presse finden, wie Einblicke in sein unglaubliches Loft in New York, die vom italienischen Magazin Case Da Abitare veröffentlicht wurden, dann wird massenhaft darüber gebloggt. Jebbias Zurückhaltung trägt nur zur Aura der Exklusivität bei, ein integraler Bestandteil der Marken-DNA von Supreme.

Phoebe Philo
So wie Kawakubo, glaubt auch Phoebe Philo daran, dass ihre Kollektionen für sich selbst sprechen. Die Chefdesignerin von Céline hat sich nie am Gehetze der Modebranche beteiligt und sie hat ihrem Familienleben immer die höchste Priorität eingeräumt. So zog sie mit ihrer Familie für den Céline-Job nicht von London nach Paris und über ihren Abschied bei Chloé, damit sie Zeit mit ihrer Tochter verbringen kann, wurde ausführlich berichtet. Sie zieht es einfach vor, ihr Privatleben privat zu halten. Philos Vorlieben für ein ruhiges Leben übersetzt sie wunderbar in ihre minimalistischen Designs. Wenn wir dem Wenigen, das sie in ein paar Interviews preisgegeben hat, Glauben schenken dürfen, dann ist sie eine normale, bescheidene Person, die extrem talentiert ist bei dem, was sie tut, was eben zufällig gerade Mode ist. Laut The Cut verriet Philo Alexandra Shulman in einer Diskussion auf dem "British Vogue"-Festival: "Ich habe einfach das getan, womit ich mich wohlfühle. Ich habe eine angeborene Angst vor Ruhm. Ich habe nie gedacht, dass das Berühmt-Sein ein erstrebenswerter Zustand ist."

Martin Margiela
Unsere Liste wäre ohne den Meister der Anonymität nicht vollständig. Obwohl er momentan in Rente ist, wurde seine Unsichtbarkeit vor Kurzem wieder zum Thema, dank der Kurzdokumentation The Artist is Absent, die ihre Premiere auf dem Tribeca Film Festival gefeiert hat. Als wahrer Avantgardekünstler verbindet er gleichzeitig Purismus, futuristische Designs und Anonymität. Er kommuniziert mit den Medien nur per Fax und lehnt es ab, fotografiert zu werden. Seine Identität war so versteckt, dass sich Leute 2008 fragten, ob er überhaupt noch für sein eigenes Label arbeitet. Sein Label wurde 2002 von der OTB-Gruppe gekauft, was bei Brancheninsidern die Gerüchte verstärkte, dass er jederzeit aufhören könnte. 2009 wurden dann bekanntgegeben, dass er sich tatsächlich zurückgezogen hatte. Das Label führte seine Anonymitätstradition solange fort, bis Suzy Menkes den Designer Matthieu Blazy als Nachfolger bei der Spring/Summer-15-Couture-Show geoutet hat. Blazy ging danach zu Céline und der ganz-und-gar-nicht-anonyme John Galliano trat seine Nachfolge bei MMM an.

Melitta Baumeister
Mit 29 die Jüngste auf unserer Liste, beweist Baumeister, dass auch Designer aus der Generation Y pressescheu sein können. Die Deutsche ist in die Fußstapfen von Kawakubo getreten und hat sich einen Platz im geschlossenen Modezirkel von Avantgarde-Visionären erobert. Die mittlerweile in New York lebende Designerin ist ein Parsons-Alumni, deren Entwürfe schnell ihren Weg in den Dover Street Market und in die Kleiderschränke von Superstars wie Rihanna fanden. Ihr skulpturaler Ansatz mit geformten Silikon und anderen, unerwarteten und fühlbaren Elementen machen Baumeisters Looks klinisch und visionär. Sie verweigert sich oft Interviewanfragen, hat eine kaum nennenswerte Instagram-Präsenz und fühlte bereits die Auswirkungen einer falschverstehenden Presse. Baumeister entscheidet sich bewusst für die kreative Isolation, anstatt dem Druck nachzugeben, für die Modepresse allzeit sichtbar und verfügbar zu sein.