100 junge frauen ziehen sich für jessica yatrofsky vor der kamera aus

Exklusiv auf i-D: Schau dir das neueste Video „I Heart Girl – Screen Test“ der feministischen Künstlerin an.

von Tish Weinstock
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22 Februar 2016, 3:30pm

Die New Yorker Künstlerin und Filmemacherin Jessica Yatrofsky hinterfragt mit ihren Arbeiten Geschlechterrollen. Letztes Jahr veröffentlichte sie I Heart Girl, den Nachfolger zu ihrem äußerst erfolgreichen Bildband I Heart Boy. Dafür fotografierte sie 100 Frauen über sieben Jahre lang. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, traditionelle Frauendarstellungen in den Massenmedien zu hinterfragen und die institutionalisierten Auffassungen von Maskulinität und Feminität zu untergraben. Jetzt hat sie ein Videoprojekt veröffentlicht, das Frauen beim Screentest für ihre Monografie zeigt. Nackt, ohne zu objektivieren, sowie angezogen, ohne das Geschlecht des Models zu betonen, I Heart Girl - Screen Test ist eine wohltuende Erinnerung daran, dass Schönheit und Weiblichkeit in unterschiedlichen Facetten vorkommen. Wir treffen die Künstlerin nach fast einem Jahr wieder und wollten wissen, was sich seitdem für sie verändert hat.

Wieso interessiert du dich für den weiblichen Körper?
Bei der I Heart Girl-Serie hat mich die Stärke und Schönheit des weiblichen Körpers inspiriert und die Aussicht, zusammen mit Frauen in Fotos Weiblichkeit und Maskulinität zu erkunden, fand ich sehr ansprechend. Mich interessiert, welche Dynamiken hinter unserer Definition von Frau-Sein stecken und noch wichtiger: wie wir uns als Individuen definieren.

Hier geht's zu Fotos aus der I Heart Girl-Serie.

Was ist die Idee hinter I Heart Girl - Screen Test?
Die Screentests sind letztlich nur eine Verlängerung meiner Porträts. Ich mache diese Tests mit all meinen Models, weil es einfach einen Unterschied macht, ob sich die Motive bewegen oder ich sie nur durch die Linse betrachte. Es ist aussagekräftig, wie sich eine Person vor der Kamera bewegt, ihre kleinen Gesten und Körperbewegungen. Im Medium Film kann man diese Momente festhalten und die Nuancen der Models kennenlernen. Das sorgt für eine weitere Ausdrucks- und Repräsentationsebene jenseits der Fotos.

Bei Screentests geht es darum, für einen unbekannten Betrachter zu performen, meistens ist das ein Mann. Wie äußert sich diese Machtverteilung in deinen Arbeiten?
Was es bedeutet, wenn eine Frau für eine andere Frau performt? Für mich beseitigt das die traditionelle Machtverteilung, denn das Motiv und die Fotografin sind beide weiblich und gleichberechtigt.
Beide spielen immer noch ihre jeweiligen Rollen, Fotografin und Model. Als ich diese Frauen fotografierte, habe ich daran gedacht, dass ich mich selbst darstelle. So bin ich auch an die Sache herangegangen.


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Macht es einen Unterschied, ob die Leute nackt fotografiert oder gefilmt werden? Im Gegensatz zu Fotos sind Filmaufnahmen unmittelbarer, realistischer und direkter. Waren die Models genauso ungezwungen beim Filmen wie beim Fotografieren?
Zuschauer sind beim Film aktiver. Durch Bewegtbilder wird ihre Aufmerksamkeit auf verschiedene Art und Weise gelenkt. Jede und jeder scheint heute beim Stichwort Video nicht mehr in Panik zu verfallen. Als ich die Screentests gemacht habe, konnte ich keine Unterschiede bei den Models feststellen. Sie fühlten sich genauso wohl und haben sich genauso präsentiert.

Das Ganze hat ein voyeuristisches Element. Was sollen die Betrachter dabei empfinden?
Ich mag Vielfalt und Wiederholung. Ich bin Anhängerin des Ansatzes, dass man ein Motiv auf unterschiedliche Weise durch kleine Einstellungsveränderungen in ein- und derselben Pose sehen sollte. Mit diesem Video wollte ich den Prozess der Porträtarbeit einfangen und so vielleicht eine andere Seite der Models zeigen.

Was bedeuten Schönheit und Gender für dich?
Schönheit ist vergänglich und für die Ewigkeit. Für mich ist Schönheit eine Energie und ähnlich wie Gender ist es Ausdruck einer sehr persönlichen Erfahrung.

Woran arbeitest du im Moment?
Ich arbeite gerade an einer weitere Fotoserie über eine Vielzahl an Themen, dabei wird es natürlich wieder um Porträts und den Körper gehen. Ich stelle Motive zusammen, verpflanze sie in die Natur und kontrastiere sie mit Porträts, die in Räumen geschossen wurden. Außerdem befinde ich mich in der Postproduktion eines Films, bei dem ich die Regie geführt habe, in dem es um die Beziehung zwischen zwei Männern geht. Der Film behandelt Fragen von Identität, Sexualität und Intimität.

Zusätzlich zu den Film- und Fotografieprojekten werden im Rahmen der New York Fem Factory eine Reihe von Podcasts vorgestellt, in denen wir über Gender, Body Politics, Identität und Zensur diskutieren werden. Durch Dialog wollen wir die Gelegenheit nutzen und die gegenwärtige Kultur auseinandernehmen und analysieren.

iheartgirl.com

jessicayatrofsky.com

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