Foto: Still aus Sex and the City

6 Momente, die sich wie aus "Sex and the City" angefühlt haben

Ein Job, bei dem ich den größten Teil des Tages in meinem Schlüpfer verbringen kann, aus dem Fenster rauche und – gelegentlich – eine Kolumne über das Sexleben meiner Freundinnen schreibe? Wo soll ich die Bewerbung hinschicken?

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Juni 18 2018, 12:23pm

Foto: Still aus Sex and the City

Als Carrie Bradshaw zum ersten Mal in rosafarbenen Tutu über die Bildschirme flimmerte, war ich gerade mal acht Jahre alt (und trug selbst ein rosafarbenes Tutu). In der Pubertät und Anfang 20 war Sex and the City mein Fenster in das Leben als Single-Frau in einer Großstadt. Es gab viele Männer, viele Partys (wie sich herausstellte, gab es tatsächlich eine Menge davon) und es wurde viel geredet: über Liebe, Sex, Schamhaare, Dildos und alles dazwischen.


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Für mich – und ich bin mir sicher, auch für viele andere Millennials, die 30 werden – schien die Serie wie eine Glaskugel, die mir mein zukünftiges Leben vorhersehen würde. Einige Einblicke waren fantastisch (Mister Big, Vintage Chanel, die Buch-Verträge), andere machten eher Angst (gescheiterte Ehen, unerwartete Schwangerschaften, Brustkrebs). Egal ob die Höhen und Tiefen von Carrie, Samantha, Miranda und Charlotte jetzt besonders realistisch waren oder nicht, das spielt keine Rolle. Das Leben dieser vier Frauen fühlte sich immer zum Greifen nah und bot Projektionsfläche für das eigene, das man sich wünschte.

Doch wie sehr ähnelt mein Leben nun dem der vier Charaktere aus New York? Hier kommen sechs Momente, die sich für mich wie aus Sex and the City angefühlt haben.

Ich bin Journalistin geworden
Ein Job, bei dem ich den größten Teil des Tages in meinem Schlüpfer verbringen kann, aus dem Fenster rauche und – gelegentlich – eine Kolumne über das Sexleben meiner Freundinnen schreibe? Wo soll ich die Bewerbung hinschicken? Jedes Mal, wenn ich Carrie vor ihrem Laptop gesehen habe mit einer Marlboro Light in der einen und einem Cosmo in der anderen Hand, dachte ich mir "Ja, darin wäre ich auch gut". Natürlich gab es andere, weniger oberflächliche Gründe, trotzdem wäre es gelogen, wenn ich nicht zumindest zugeben würde, dass Carrie ein Grund unter vielen war.

Das Ergebnis? Ich bin Journalistin geworden. Und hier enden die Gemeinsamkeiten auch schon. Leider muss ich mir etwas anziehen, wenn ich ins Büro gehe und kann an meinem Schreibtisch auch keine Cocktails schlürfen (laut meiner Kollegen wirke das unprofessionell). Mein Gesicht wird auch nicht in Lebensgröße an einem Bus hängen. Bin ich trotzdem froh über meine Jobwahl? Auf jeden Fall.

Ich habe das fliegende Trapez gelernt
Es ist einer dieser bizarren Zufälle im Leben. Auf meinem Schreibtisch landete die gleiche Aufgabe, die Carrie hatte: Versuch dich im fliegenden Trapez. Leider war es in meinem Fall nicht das New York Magazine, trotzdem nahm ich die Einladung dankend an. Wie schwer kann das schon sein? Wie sich herausstellte: sehr schwer. Ich war weniger in der Stimmung der neugierigen Investigativ-Journalistin, sondern dachte mir nur "Ich werde zu wenig bezahlt, um so einen Scheiß mit mir machen zu lassen." Nachdem ich die erste Stufe bewältigen konnte, wollte ich mehr. Während sich einige aus dem Kurs lustlos hin und her schwangen und sich fallen ließen, perfektionierte ich meine Technik und war bereit für den Catch.

Das Ergebnis? Der Catch war makellos. Ich erhielt Applaus von fremden Spaziergängern, die sich von meinen Schreien angezogen fühlten. Das war alles, was ich brauchte, um mich davon zu überzeugen, dass dies meine wahre Berufung im Leben war. Autorin? Vergiss es, ich bin besser im Trapez. Die Erkenntnis, dass ein Leben im Zirkus bedeuten würde, Zeit mit Clowns zu verbringen (ich mag keine Clowns) reichte aus, um mich wieder auf den Boden der Tatsachen zu holen. Ich bin froh, dass ich den Absprung geschafft habe.

Ich habe einen Fuß-Fetischisten gedatet
Füße. Groß, klein, links, rechts: Mir egal. Ich stehe nicht auf sie. Halt' sie deswegen am besten so weit von meinem Gesicht fern wie nur möglich. Doch dann traf ich jemanden, der auf Füße stand. Er stand richtig auf Füße. Und ich richtig auf ihn. Irgendwann fing er an, mir Schuhe auszusuchen. Bis der Moment kam, in dem er sie angefasst hat – die ganze Zeit. Im Laufe der Monate veränderten sich seine Vorlieben. Bis es mir wie Charlotte ging. Mit der einzigen Ausnahme, dass es bei ihr Schuhe for free gegen Ich-schnuppere-und-lecke-an-deinen-Füßen waren. Ich dachte mir, dass mein Aushalten seiner Vorlieben am Ende für mir auch eine Trophäe einbringen würde. Falsch gedacht.

Das Ergebnis? Pustekuchen. Es wurde nur noch schlimmer. Wir stritten uns ständig, weil ich ihn dabei erwischte, wie er die Füße anderer Frauen beim Shoppen, im Restaurant oder in einer Bar liebevoll anstarrte. War ich eifersüchtig? Könnte sein. Vielleicht wusste ich aber unterbewusst auch einfach nur, dass ich mit keinem Menschen zusammen sein kann, den es mehr interessierte, wie meine Füße aussehen als das, was ich sage.

Ich war in einem Club, der wie ein Möbelstück hieß
Man würde nicht vermuten, dass 30-jährige New Yorkerinnen und frischgebackene Uni-Absolventen vom Land irgendwas gemeinsam hätten. Doch das haben sie. Im Jahr 2011 waren meine Freunde und ich im Club "Bed". Keine von uns wurde gerade per Post-it- sitzengelassen. Keine hat ihren postnatalen Körper in eine pränatale Jeans gesteckt. Aber wir waren trotzdem aus und wollten es uns in fremden Betten gemütlich machen.

Das Ergebnis? Habe ich erwähnt, dass "Bed" nicht in New York lag? Es gab auch nur ein Bett und wir die einzigen Gäste. Als wir versuchten, uns auf das Bett im VIP-Bereich zu setzen, wurde uns gesagt, dass wir das rote Absperrband nicht übertreten dürften. Wir haben am Ende nicht mal Gras geraucht und saßen auch in keinem Polizeiauto. Stattdessen ging uns die Gastgeberin verloren, die den Schlüssel hatte. Classic. Schließlich musste ich durch das Fenster klettern, um die Wohnungstür aufschließen. Unsere Gastgeberin lag nackt auf ihrem Bett und schlief. Sie hatte einen Typen namens Ace kennengelernt und sich dafür entschieden, ihn mit nach Hause zu nehmen. Ich glaube, sie hat die ganze Bett-Geschichte etwas zu wörtlich genommen.

Ich habe über eine gleichgeschlechtliche Beziehung nachgedacht
Als Samantha beschloss, mit Maria in einer lesbischen Beziehung zu leben, wurde ich neugierig. Eine Frau, die ihre Sexualität frei auslebt und alles einmal ausprobieren wollte. Damit konnte ich mich identifizieren. In meinen Zwanzigern gab es mehrere Momente, in denen es hätte passieren können: gemeinsames Kuscheln, harmloses Flirten und richtige Besessenheit. Noch wichtiger aber war, dass ich gelernt habe, einen weiblichen Körper wertzuschätzen.

Das Ergebnis? Ich bin doch bei Männern geblieben. Natürlich war der erste lesbische Kuss in der Pubertät aufregend, aber so war es auch bei der ersten Zigarette und dem ersten Tropfen Alkohol. Der Kuss mit einer Frau war trotzdem ein Meilenstein in meiner persönlichen Entwicklung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Den weiblichen Körper finde ich nach wie vor toll und wenn mir eine intelligente, geheimnisvolle und schöne Frau begegnet, werde ich immer noch nervös.

Ich habe mit dem Gedanken gespielt, Jüdin zu werden
Vielleicht liegt es an der Kultur, am Essen oder an Liz Taylor. Was auch immer der Grund war, seit Charlotte York den Rabbi und seine Familie am Sabbat überraschte, bin ich ins Judentum verliebt. Ich habe mich viele Jahr intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt – hauptsächlich mein Magen. Ich könnte mich in frischgebackenes Challa legen und weiß, wie gut Shakshuka gegen einen Kater hilft. Außerdem sind koscheren Supermärkten einfach super.

Das Ergebnis? Ich bin noch nicht konvertiert. Wahrscheinlich hat es etwas damit zu tun, dass ich nicht an Gott glaube. Charlotte konnte immerhin auf ihre christliche Erziehung zurückgreifen. Meine Liebe zur jüdischen Religion ist aber nie verschwunden. Solange es Shakshuka gibt, wird sie auch nie verschwinden.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.