Wie du als junger Fotograf bereits Cover und Werbekampagnen shootest

Mit seinen 19 Jahren verfügt Fotografie-Wunderkind David Uzochukwu über eine so starke Handschrift, dass er für große Namen arbeitet. Im Interview verrät er, worauf es ankommt.

von Ryan White; Fotos von David Uzochukwu ; Übersetzt von Michael Sader
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23 Mai 2018, 12:55pm

Die Arbeiten des österreichisch-nigerianischen Fotografen David Uzochukwu haben etwas Erhabenes. Kaum zu glauben, dass er erst 19 Jahre alt ist. Seine Fotografien befinden sich irgendwo zwischen den atemberaubenden Landschaften eines Ryan McGinley und der Tiefe und Wärme einer Harley Weir. Es sind vielschichtige Kunstwerke, die uns ein Fenster in eine andere Welt eröffnen. In seinen Selbstporträts zeigt er sich verletzlich und stark zugleich. David arbeitet dafür oft mit Wasser und nimmt unbequeme Positionen ein. Bei seinen Auftragsarbeiten, wie FKA Twigs für Nike, Pharrell für Louis XIII und dieser WWF-Kampagne, bleibt er seinem Stil treu und sorgt für ein bildgewaltiges Spektakel.


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Der junge Fotograf hat mit seinen 19 Jahren bereits einiges vorzuweisen: Davids Fotografien waren in zahlreichen Gruppenausstellungen, in der italienischen Vogue, Numéro, W und natürlich bei uns zu bestaunen. Wir haben das Wunderkind zum Gespräch getroffen.

Roam

Erzähl uns ein bisschen mehr über dich.
Meine Mutter ist Österreicherin, mein Vater Nigerianer. Mit sechs Jahren sind wir von Österreich nach Luxemburg gezogen, dann nach Brüssel. In meinen Arbeiten geht es viel um Stärke und Verletzlichkeit. Mir gefällt es, Gefühle in natürlichen Umgebungen zu inszenieren.

Wie bist du zur Fotografie gekommen?
Das war noch vor der Pubertät. Ich habe mich an meiner Mutter orientiert und einfach irgendwann losgelegt. Für zwei Jahre habe ich hauptsächlich die Arbeiten anderer studiert und Landschaften fotografiert. Dann fing ich mit Selbstporträts an und bin bis heute dabei geblieben.

Regrowth II

Heutzutage gibt es so viele verschiedene Bilder. Wie sorgst du dafür, dass sich deine Fotografien immer noch frisch und neu anfühlen?
Zuerst habe ich akzeptiert, dass ich gegen diese Übersättigung an Bildern nichts unternehmen kann, also muss ich sie zu meinem Vorteil nutzen. Ich konzentriere mich darauf, was mich anspricht, was ich spannend finde und versuche, zu verstehen, was ich an einer Fotografie so gut finde. Lass dich von anderen inspirieren und mach dein eigenes Ding daraus!

Root

Wie schaffst du es, etwas Neues zu erschaffen, wo es doch eigentlich schon alles gibt?
Der Gedanke, dass ich mich im Kreis bewege und mich nur selbst imitiere, sorgt bei mir für Albträume. Ich versuche immer, neue Winkel zu finden, anstatt es mir bequem zu machen. Das passiert so leicht. Ich denke nicht darüber nach, was jemand anderes schon getan haben könnte oder nicht. Ich vertraue meinem Instinkt, alles, was ich schon gesehen habe, nicht selbst nochmal zu reproduzieren.

Riptide

Wie siehst du die Konkurrenz durch andere junge Fotografen?
Ich sehe sie mehr als Kollegen. Ich freue mich für jeden, der jung und talentiert ist. Wir haben alle zu kämpfen. Und wenn es um bestimmte Projekte geht, passen manchmal andere Menschen einfach besser zusammen oder sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Im schlimmsten Fall merke ich, dass ich besser werden muss.

Analog oder digital?
Ich arbeite digital. Das ist billiger und passt gerade besser zu meinem Workflow. Aber ich liebe analog. Eine gute Kamera kann dir dabei helfen, die Bildqualität bis zu einem bestimmten Punkt zu verbessern. Entscheidend ist aber die eigene Vision. Unter den richtigen Umständen können Fotografien, die mit einer Kompaktkamera geschossen wurden, stärker sein als diejenigen, die mit einer Hasselblad fotografiert wurden. Am besten bist du ausgestattet, wenn du nicht über deine Ausrüstung nachdenken musst.

Drowse

Was ist die größte Herausforderung als Fotograf?
Genug Arbeiten zu machen und diese so zu gestalten, dass sie meinen Maßstäben entsprechen.

Ist die Fotografie eine elitäre Angelegenheit?
Ja, wie alle Bereiche der Kreativindustrie. Menschen, die es sich leisten können, als Praktikanten zu arbeiten oder sogar umsonst, sind den anderen zwei Schritte voraus. Es ist schwierig, in feste Strukturen reinzukommen. Hier liegt die Macht des Internets: Dadurch kann man diese festen Strukturen durchbrechen oder für die eigenen sorgen.

Wie findest du eine Balance zwischen Kreativität und Kommerz?
Nein sagen hilft. Oft weißt du schon, wenn etwas nicht funktionieren wird. Aber ein Projekt zu finden, bei dem du die Kunden so weit bekommst, dass du ihnen auch ein persönliches Projekt vorschlagen kannst, ist spannend.

Was braucht ein Bild, um dich zu überzeugen?
Herzblut. Du siehst einer Fotografie sofort an, wenn sie auch nur den Funken Unwahrheit enthält.

Ilka

Wie wichtig sind soziale Netzwerke für deine Arbeit?
Wenn ich fotografiere, sind meine Gefühle das einzige, worauf ich mich konzentriere. Es engt mich ein, wenn ich im kreativen Prozess an andere denke. Wenn es darum geht, meine Arbeiten mit anderen zu teilen, ist Instagram die zugänglichste Option. Es ist kostenlos, erreicht potenziell eine Menge Leute und ich habe die Kontrolle – das ist fantastisch.

Regrowth

Wie sieht die Zukunft der Fotografie aus?
Das alte und traditionelle Fotografie-Handwerk wird sehr geschätzt – und so sollte es auch sein. Aber natürlich verändern sich die Dinge ständig und Neues kommt dazu. Früher wurde viel in Dunkelkammern gearbeitet, heutzutage gibt es digitale Nachbearbeitung, Rendering und Virtual Reality. Die Grenzen des Mediums und seiner Präsentationsformen erweitern sich. Dadurch wird es eine Menge Möglichkeiten für schlechte Fotos geben, weil sich die Industrie immer schneller bewegt.

Warum ist Print immer noch wichtig?
Im Internet ist alles sehr kurzlebig. Es fühlt sich gut an, die Dinge zu verlangsamen und ihnen etwas Zeit und Raum zu geben. Die Interaktion mit einer Fotografie, die sich physisch vor dir befindet, unterscheidet sich sehr von einer digitalen Begegnung. Das liegt nicht unbedingt an der Größe des Handy-Bildschirms, sondern an der Tatsache, dass du dir Zeit für sie nimmst. Ob es nun Zeitschriften, Bücher oder Ausstellungen sind: Es ist wichtig, dass wir über die Dinge reflektieren, die wir produzieren.

Immortal

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.