Franka. Foto: Dani Coyle

Franka und Anouk kämpfen für die Rechte von Transpersonen

"Ich habe es geschafft, negative Erfahrungen in etwas Positives zu wandeln und als stärkerer Mensch herauszugehen."

von Marieke Fischer
|
04 Dezember 2019, 9:44am

Franka. Foto: Dani Coyle

Wenn wir wollen, dass die Welt nicht nur überlebt, sondern besser wird, müssen wir alle unsere Stimme erheben. Die Generation vor uns hatte ihre Chance – jetzt sind wir dran. Hier stellen wir Menschen vor, die ihre Stimme bereits gefunden haben. Die Frustration in Aktivismus gewandelt haben. Sie alle haben unterschiedliche Anliegen und Wirkungsbereiche, doch was sie vereint, ist der Glaube an eine gerechte und freie Zukunft. Wir sind laut, wir sind viele. Jetzt sind wir dran.

Sie sitzen auf dem Alexanderplatz. Mitten in Berlin. Schweigend. "Auf denkmalgeschütztem Boden", wie ein überraschend freundlicher Polizist anmerkt. Mit Blick auf die Kerzen vor ihnen fügt er hinzu: "Aber kein Wachs vergießen." Eine absurde Aussage, gedenken die rund 30 Aktivist_innen von Voices 4 Berlin doch der Leben ermordeter Transpersonen.


Auch auf i-D: Künstlerin Lyra Pramuk erzählt ihre Lebensgeschichte


Es ist der Trans Day of Remembrance. Jedes Jahr am 20. November wird dieser Anlass genutzt, um Gewalt gegen Transmenschen zu thematisieren, um Aufmerksamkeit auf einen feindlichen Missstand zu lenken, der viel zu selten öffentlich diskutiert wird. Franka und Anouk haben Plakate und Flyer vorbereitet, ihre Freund_innen zusammengetrommelt, ihre erste gemeinsame Aktion initiiert. Für sie ist es nicht nur eine Herzensangelegenheit, es ist ein Zeichen für ihren fortlaufenden Kampf. Ein Kampf mit dem Ziel, dass ihre Leben von der Gesellschaft akzeptiert und respektiert werden. Dass alle Leben akzeptiert und respektiert werden.

Franka und Anouk haben uns einen Einblick gegeben in ihre politische Arbeit, ihre alltäglichen Schwierigkeiten und die Schönheit der Transition.

rans-aktivist_innen-berlin-voices4berlin-1
Foto: Dani Coyle

Warum habt ihr euch den 20. November für eure Protestaktion ausgesucht?
Anouk: Seit 1998 gibt es den Trans Day of Remembrance, kurz TDoR. Jedes Jahr wird an diesem Tag den fast 300 ermordeten Transpersonen gedenkt. Wir haben eine Gedenk-Mahnwache organisiert, bei der wir eine Stunde lang schweigend an die Menschen erinnert haben.

Franka: Anouk und ich haben uns intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. In den letzten zehn Jahren wurden ungefähr 3.300 Transmenschen ermordet – dazu kommt noch eine sehr hohe Dunkelziffer und eine enorme Suizid-Statistik. Es zeigt sich ein unglaublicher gesellschaftlicher Missstand. Wir sind noch nicht in einer akzeptierenden Gesellschaft angekommen, es gibt diesen enormen Gegenwind, der unsere Existenz bedroht.

Auch wenn die Zahl der ermordeten Transpersonen in Deutschland weniger hoch ist als in anderen Ländern, steigt die Quote an trans- und homofeindlich motivierten Übergriffen jährlich. Wie erklärt ihr euch diese Entwicklung?
A: Es kommt teilweise mit der wachsenden gesellschaftlichen Akzeptanz gegenüber rechtem Gedankengut und Diskriminierungsformen wie Rassismus oder Ableism. Ich glaube nicht, dass die Leute tendenziell queer-feindlicher wurden, sondern dass sie sich jetzt mehr trauen, feindliche Sachen tatsächlich zu sagen. Denn in der Politik und teilweise auch in den Medien wird suggeriert, dass es OK ist, so eine Meinung zu vertreten.

F: Es ist eine Entwicklung, die wir nicht nur im transfeindlichen Kontext beobachten, sondern generell in vielen politischen, homo-feindlichen Diskursen mitbekommen: Die Gesellschaft spaltet sich in Lager auf und agiert gegeneinander. Auf der einen Seite steigt die Zahl von transfeindlichen Übergriffen, gleichzeitig wäre es jedoch vor zehn Jahren nicht möglich gewesen, dass wir so eine Aktion wie heute mitten auf dem Alexanderplatz machen. Die Repräsentation von Transmenschen steigt und das ist eine parallele Entwicklung.

Habt ihr das Gefühl, dass Berlin tatsächlich eine so aufgeschlossene Stadt ist, wie gern behauptet wird?
A: Ich bin Anfang letzten Jahres hergezogen. Im Schnitt sind Menschen in Berlin tatsächlich akzeptierender und toleranter. Es ist auch ein krasses Privileg, in Berlin zu wohnen, da es hier bessere Anlaufstellen für Transpersonen gibt – zum Beispiel wenn es um Ärzt_innen oder Gutachten geht. Trotzdem ist die Stadt noch weit davon entfernt, ein Safe Space zu sein. Wir bekommen das jeden Tag mit. Wie wir angestarrt werden, wie wir behandelt werden, wie wir beschimpft werden – wie wir übergriffig behandelt werden. Die meisten Leute, auch wenn sie eigentlich tolerant und akzeptierend sind, haben oft keine Ahnung von dem Thema und sind deswegen manchmal unsensibel.

F: Ich glaube, dass trans zu sein auf dem Land andere Probleme mit sich bringt als in der Großstadt. Transfeindlichkeit auf dem Land ist total ausgrenzend, weil sich jeder kennt. Wenn alle Leute Probleme mit Transmenschen haben oder unaufgeklärt sind, ist es anders als beispielsweise in Berlin. Es gibt Hilfestellen und du findest Leute, die einen ähnlichen Weg durchmachen wie du selbst. Andererseits gibt es eine riesige Anzahl an Menschen, die du nicht kennst, die potentiell gefährlich sein können. Das ebnet den Boden für Übergriffe in öffentlichen Räumen.

trans-aktivist_innen-berlin-voices4berlin-3
Foto: Dani Coyle

Besonders in den USA gehören die meisten ermordeten Transpersonen BIPoC Communitys an. Zusätzlich sind viele von ihnen Sex-Arbeiter_innen. Es ist schockierend, dass diese von Mehrfachdiskriminierung betroffene Personengruppe immer noch so häufig im feministischen (weißen) Diskurs ausgeblendet wird. Doch kann man überhaupt von sich behaupten, Feminist_in zu sein, wenn nicht intersektional gedacht wird?
F: Feminismus ist in seinem Grundgedanke inklusiv. Die Idee von Feminismus ist es, Menschen gleichzustellen. Sobald Feminismus verschiedene Menschengruppen ausschließt, erfüllt er nicht mehr sein Ziel und ist dementsprechend für mich kein Feminismus.

A: Feminismus muss unabdinglich intersektional sein. Dieser Mainstream-Feminismus darf sich meiner Meinung nach nicht Feminismus nennen, weil er trans-exklusiv ist. Selbst im Feminismus werden transfeindliche Bilder reproduziert.

Gewalt findet nicht nur auf physischer Ebene statt. Das Emotionale spielt einen entscheidenden Faktor: Sei es beim Misgendering, fehlerhafter oder mangelnder Repräsentation in den Medien, die von der Gesellschaft internalisierte Transfeindlichkeit. Die Liste ist lang. Wie glaubt ihr, kann ein langfristiger Wandel im Denken der Menschen stattfinden?
A: Es muss auf jeden Fall bei vielen ein Reflexionsprozess stattfinden, weil besonders Transmisogynie, also Feindlichkeit gegenüber Transweiblichkeit, in unserer Gesellschaft tief verankert ist. In dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, wurden häufig Typen in Kleider gesteckt – alle haben darüber gelacht, es ist leichter Humor. Da gibt es sogar eine Szene bei Harry Potter. Männer in Frauenkleidung gelten als etwas Lächerliches. Dadurch, dass man dieses Bild reproduziert, erschafft man ein unglaublich schlimmes Bild von Transweiblichkeiten, das uns tagtäglich verfolgt.

Wir werden entmenschlicht, komisch angestarrt. Entweder komplett de-sexualisiert oder hyper-sexualisiert. Es ist unglaublich in einer Welt zu leben, die dir gegenüber so feindlich eingestellt ist. Damit klarzukommen, ist schwierig. Da müssen alle Menschen die Initiative ergreifen, sich weiterbilden, die Bilder erkennen lernen und sich offen dagegen aussprechen, damit dieses Verhalten nicht in die nächste Generation weitergetragen wird.

trans-aktivist_innen-berlin-voices4berlin-7
Anouk. Pronomen: Sie. Foto: Dani Coyle

Und wie sieht es mit bürokratischen Hürden aus? Mit der Gesetzgebung?
F: Zum einen ist es ein gesetzliches Problem, zum anderen häufig ein individuelles. Wenn man eine Transition macht, ist man auf dem Weg immer mal wieder von weißen cis-Männern abhängig, die sich Experten schimpfen, tatsächlich aber keine sind. Mein ehemaliger Therapeut hat eineinhalb Jahre lang gesagt, dass ich ein Mann bin und für ihn immer ein Mann bleiben werde. Es muss noch viel Aufklärung geschehen, damit die Menschen final realisiert, dass trans zu sein, keine Krankheit ist und wir auch keine Menschen zweiter Klasse sind.

A: Die Gesetze sind teilweise sehr transfeindlich. Zum Beispiel werden Transmänner weiterhin als Mütter in die Geburtsurkunde eingetragen. In der Gesellschaft hat sich der Glaube etabliert, dass Frauen Kinder gebären und Männer Kinder zeugen. Dann gibt es noch die sogenannte 'Zwangstherapie', die beispielsweise notwendig ist, um den Namen oder Geschlechtseintrag über den vorgesehenen Weg zu ändern. Man muss sich fremden Menschen, Gutachter_innen gegenüber beweisen, anstatt die Änderungen selbstbestimmt machen zu können. Man sollte allen Menschen die Möglichkeit geben, über ihr Geschlecht und ihre bevorzugten Namen zu entscheiden. Die meisten Sachen konnte ich umgehen, da ich diese Pathologisierung nicht wollte – aber das ist auch nicht für alle Transpersonen möglich. Es war ein harter Weg.

Habt ihr Coping-Strategien entwickelt, um mit den Anfeindungen klarzukommen?
F: Ich mache die Transition seit ungefähr vier Jahren, bis jetzt habe ich keine wirkliche Coping-Strategie. Besonders zu Beginn des Outings, wenn du dir die Haare herauswachsen lässt, treffen dich so viele Anfeindungen. Die Blicke in der U-Bahn. Irgendwann baust du ganz automatisch eine Mauer auf. Ein Schutz, der sich bei mir auch in vielen anderen Lebensbereichen zeigt. Vor Kurzem habe ich mal wieder einen krassen verbalen Übergriff erlebt und meine Erfahrung auch auf Social Media geteilt. Alle waren komplett schockiert – doch ich muss ehrlich gesagt zugeben, dass es mich ziemlich kalt gelassen hat …

Das Wort 'Ally' fällt besonders in letzter Zeit sehr häufig. Welche Unterstützung wünscht ihr euch – insbesondere von weißen cis-Menschen?
F: Was ich mir generell von allen Allys wünsche, ist, dass sie mit uns reden. Dass sie zuhören, was uns wirklich passiert, was wirklich unsere Bedürfnisse sind. Wenn man ein 'guter' Ally sein möchte, ist es wichtig, dass man die Leute nicht bevormundet, für die man sich einsetzen mag, sondern dass man die Bedürfnisse der Gruppe hört. Dass man nachfragt, wie man sich einbringen, wie man eine gute Unterstützung sein kann.

A: Dass man Transpersonen eine Bühne bietet, ihnen zuhört und die Stimme nicht an sich reißt. Lieber mal einen Beitrag von einer Transperson teilen, statt selbst was darüber zu schreiben.

trans-aktivist_innen-berlin-voices4berlin-2
Foto: Dani Coyle

Es scheint, als würde sich in der Popkultur langsam ein transfreundlicheres Narrativ etablieren – oder zumindest ein größeres Bewusstsein über die Wichtigkeit von Repräsentation bei Streaming-Diensten und Magazinen entstehen. Wie seht ihr das?
F: Ich habe dazu ehrlich gesagt gemischte Gefühle. Es gibt auf jeden Fall gute Beispiele für Repräsentation von Transmenschen in verschiedenen Serien. Doch muss man das auch mit Vorsicht genießen, da viele der Serien von cis-Menschen geschrieben wurden, die sich manchmal nicht genügend mit dem Thema auseinandergesetzt haben. So besteht die Gefahr gewisse Klischees zu reproduzieren. Wir sind immer noch an einem Punkt, an dem alles ziemlich binär-normativ ist.

A: Vor allem bei aktuellen Netflix-Serien spielen viele Transmenschen Hauptrollen. Teilweise werden auch nicht-binäre Personen gezeigt, die meiner Meinung nach gut porträtiert werden. Bei Chilling Adventures of Sabrina wird beispielsweise ein Transmann dargestellt, der aber rein gar nichts an seinem Körper verändern möchte. Er sagt ganz bestimmt: "Nein, ich brauche das alles nicht, um ein richtiger Mann zu sein, ich bin schon jetzt ein richtiger Mann." Es gibt also einen positiven Umschwung, der sich auch auf Social Media zeigt. Ob das allerdings auch bei allen Leuten ankommt, ist eine andere Frage. Im deutschen Fernsehen findet man noch immer keine Repräsentation von Transmenschen.

Hattet ihr Vorbilder, die es euch auf eurem Weg etwas leichter gemacht haben?
F: Ich hatte erschreckend wenig Vorbilder. Ich war tatsächlich der erste Transmensch, den ich kannte. Klar, irgendwie kannte man wahrscheinlich Transmenschen, aber ich wusste nicht, dass jene einfach ein normales Leben führen können – und dass ich das auch kann! Daraus schöpfe ich ganz viel Motivation. Gerade auch auf Social Media, wenn ich darüber rede, weil ich genau das damals gebraucht hätte: Eine Person, die mir zeigt, dass ein ganz normaler Mensch aus Berlin Zehlendorf trans sein kann und ein ganz normales Leben weiterführt.

A: Bei mir gibt es auch keine spezifische Person, zu der ich aufblicke oder die eine Vorbildfunktion für mich hätte. Es gab mehrere Transpersonen, die ich auf YouTube oder Social Media abonniert hatte – auch damals schon. Doch hatte mir bei ihnen irgendwie immer das Identifikationspotential gefehlt. Die Personen waren teilweise sehr weit in ihrer Transition und ich dachte, dass ich da eh niemals hinkommen würde. Für mich schien die ganze Thematik damals auch gar nicht so greifbar. Ich wusste nicht ganz genau, wer ich bin, was ich bin.

F: Das war für mich früher auch ein Riesenproblem. Wenn wir über Transmenschen sprechen, dann zeigen wir immer nur Beispiele von Menschen, die ganz am Ende ihrer Transition sind. Sie haben ein ganz krasses Passing – das hat mir zu Anfang meinen Weg erschwert. Da hatte ich ganz ähnliche Gefühle wie Anouk. Es ging mir damit teilweise wirklich schlecht.

A: Vor allem Transmenschen, die vor YouTube oder Instagram ihre Transition hatten, löschen teilweise ihre alten Videos und Fotos, sodass man gar nicht den Prozess sieht. Ich kann es verstehen, wenn Leute Posts löschen, weil einfach so viel Blödes mit alten Bildern passiert – aber es würde so vielen Transpersonen helfen, wenn sie diesen Prozess sehen könnten. Dass diese Menschen auch mal da waren, wo man selbst angefangen hat.

F: Es gibt auch diese Transition-Timelines, bei denen teilweise Sprünge von zwei Jahren sind, weil Leute diesen Weg, die Zwischenepisoden nicht zeigen wollen. Aber das gehört halt dazu! Im Nachhinein bin ich so dankbar dafür, dass ich diesen Prozess erleben durfte. Auch mit den Hormonen. Das war ein schönes Abenteuer. Dieses Ideal von Transpersonen ist ganz eng definiert: Sie sollen so aussehen und sich so verhalten wie cis-Personen, dann sind sie richtig toll. Aber gerade deswegen sollten wir den Prozess der Transition noch mehr zelebrieren. Weil es eben auch wirklich schön ist.

trans-aktivist_innen-berlin-voices4berlin-8
Franka. Pronomen: Sie. Foto: Dani Coyle

Ihr beide seid selbst noch sehr jung. Was würdet ihr euch für die noch jüngere Generation wünschen?
A: Dass es überhaupt eine Möglichkeit ist, trans zu sein. Ich bin in einem Dorf in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen und Transmenschen waren absolut nicht in meiner Realität vorhanden. Das wäre bereits ein Schritt, um Transkindern und -jugendlichen ihr Leben zu erleichtern. Vielleicht haben sie keine Worte für die Gefühle, die sie in sich spüren. Ihnen zeigen, dass es besser wird, egal wie scheiße es früher vielleicht mal war.

F: Ich wünsche mir für kleine, unschuldige Menschen, die sich theoretisch in alle Richtungen entwickeln können, dass sie von der Gesellschaft nicht mehr in zwei Schubladen gesteckt werden. Sie sollen wissen, dass sie nicht dem festgefahrenen Geschlechterbild folgen müssen. Dass sie damit experimentieren können. Dass es kein Drama ist, wenn sie nicht das Geschlecht haben, das irgendwann mal ein Arzt bei ihnen auf die Geburtsurkunde geschrieben hat. Das liegt mir am Herzen.

Gab es bei euch einen spezifischen Punkt, an dem ihr entschlossen habt, aktiv zu werden und euch politisch zu engagieren?
F: Für mich war es ein sehr persönlicher Prozess. Anfang des Jahres war ich für sechs Wochen in der Psychiatrie, weil ich von manchen Hassattacken und Übergriffen aus meiner Vergangenheit so traumatisiert bin, dass ich eine ganz schlimme Schlafstörung entwickelt habe. Während meines Heilungsprozesses habe ich mir irgendwann gesagt, dass sich etwas ändern muss. Es kann nicht sein, dass Menschen so etwas passiert. Dass Menschen in der Psychiatrie landen, weil sie dem ganzen Druck nicht mehr Stand halten können. Ich habe ganz viel Kraft gesammelt und beschlossen, mein Menschenmögliches machen, um etwas Positives beizutragen.

A: Ich wurde in meiner Schulzeit stark ausgegrenzt und hatte nur einen Kumpel, der mich mitgenommen hat in die linke Szene. Schon da habe ich angefangen, mich politisch zu engagieren. Es liegt also nahe, dass ich auch – aber nicht ausschließlich – Transaktivismus mache. Von Voices4 habe ich über den Trans-March in Berlin erfahren, den ich mitorganisiert habe. So habe ich auch Franka kennengelernt – und jetzt haben wir unserer erste gemeinsame Aktion auf die Beine gestellt.

Worauf seid ihr besonders stolz?
A: Ich bin stolz darauf, wie stark ich bin. Es ist unglaublich schwierig, in dieser Welt als transfeminine Person zu leben. Ich präsentiere mich seit ein paar Jahren als nicht-binäre Person, habe vor Kurzem erst mit dem Stimmtraining und Hormonen angefangen, werde andauernd mit Anfeindungen konfrontiert – und trotzdem lasse ich mich nicht unterkriegen. Ich stehe jeden Morgen auf und richte mich so her, wie ich es mag. Ich stehe dafür gerade und lasse mich nicht von Transfeind_innen unterkriegen oder mir mein Leben von diesen Menschen kaputtmachen.

F: Gerade bin ich besonders stolz auf uns beide, weil die Aktion so gut geklappt hat und wir das so gut hinbekommen haben. Ich bin stolz auf alle, die heute da waren. Wenn ich an mich selbst denke, bin ich immer dann stolz auf mich, wenn ich mich an die Situationen erinnere, in denen ich mit Hass konfrontiert wurde. Wenn mich der enorme Gegenwind aus der Gesellschaft trifft, einfach nur weil ich ich bin. Ich habe es geschafft, negative Erfahrungen in etwas Positives zu wandeln und als stärkerer Mensch herauszugehen. Ich bin stolz, weil ich die Energie sammeln konnte, mich wieder hochzuziehen und jetzt hier zu stehen, Aktionen zu machen, mich dafür einzusetzen, dass es Menschen irgendwann nicht mehr so gehen muss.

@regenbogenfranka
@anouk11.2
@inter_sexy

trans-aktivist_innen-berlin-voices4berlin-4
Foto: Dani Coyle
Tagged:
Gender
Politik
gesellschaft
lgbtqia