Diese Frauen haben ekelhafte DMs in Kunst verwandelt

"Die Autoren vermischen extreme Gewalt mit Poesie – und beherrschen verdammt nochmal keine Rechtschreibung."

von Mitch Parker
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28 Februar 2019, 10:51am

Letztes Jahr hatte Grace Small ein für allemal genug von täglichen ungefragten Dick Pics und seltsamen DMs. Anstatt sie zu ignorieren, zu blockieren oder zu löschen, entschied sie sich dazu, das Narrativ umzudrehen. Das Ergebnis? You Were Always Online, ein Online-Zine von Frauen für Frauen, das Screenshots von unangebrachten Nachrichtenverläufen zusammengesammelt und illustriert hat.

Wir haben mit Grace darüber gesprochen, wie Online-Belästigungen jeden betreffen kann – sogar ihre eigene Mutter.

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Wie bist du auf die Idee zu deinem Projekt You Were Always Online gekommen ?
Wie viele andere auch, war ich dieses Jahr von Missbrauch im Internet betroffen. Ich wollte etwas Kreatives aus den gestörten Nachrichten machen, die ich bekommen habe. Uns wird oft gesagt, dass wir sie einfach ignorieren sollen. Aber das finde ich schwierig, weil es Gewalt normalisiert. Die Last liegt am Ende auf uns Frauen, die mit dem unangebrachten Verhalten umgehen müssen, anstatt auf denjenigen, die dafür verantwortlich sind. Das Ausmaß des Problems ist ziemlich beunruhigend.

Es geht in dem Zine nicht darum, Männer bloßzustellen (es werden keinerlei Namen genannt), sondern vielmehr darum, mit Humor die unangenehme Seite des Internets zu bestreiten. Es dokumentiert auch die Art, wie Frauen ihre negativen Online-Erfahrungen miteinander teilen und die Hoffnung, einen Ort der Diskussion zu erschaffen.

Gab es eine bestimmte Nachricht, die das Fass zum Überlaufen gebracht hat?
Ja, auch wenn es nicht unbedingt an der Nachricht an sich lag, sondern an der Reaktion. Die Person, die ich zu dieser Zeit gedatet habe, wollte einfach nicht verstehen, warum sein Verhalten dem eines Stalkers glich. Seiner Meinung nach war ich das Problem ... ich und mein fehlender Humor. Die Antwort meines Ex ist Teil des Problems. Frauen wird oft das Gefühl gegeben, ihre Reaktionen seien dramatisch, dabei sollte der Fokus auf den Aktionen der Verfasser liegen.

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Welche Frauen haben sich auf deinen Aufruf gemeldet?
Manche der Screenshots sind zum Beispiel von meiner Mutter. Sexuelle Belästigung kennt kein Alter, leider ist fast jeder davon betroffen. Sowohl queere Frauen, sich als non-binary identifizierende Menschen und Women of Colour haben ihre Nachrichten eingeschickt. Die meisten Einsendungen handelten von dem Versuch, sexuelle Stereotypen zu verstärken. Zum Beispiel, dass queere Frauen nur für die männliche Begierde existieren würden, ohne Rücksichtnahme auf ihre eigene sexuelle Orientierung oder dass non-binary Menschen es "verdienen", beschimpft zu werden, weil sich sich nicht einem Gender zuordnen lassen wollen. Ich finde es faszinierend, zu sehen, wie unterschiedlich Frauen mit diesen Auseinandersetzungen umgehen.

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Warum glaubst du, dass es so wichtig ist, diese Problematik mit Humor zu bekämpfen?
Ich bin mir nicht sicher, ob ich sagen kann, dass Humor der "richtige" Weg ist, um mit diesem Problem umzugehen, aber es ist nunmal so passiert. Einige der Screenshots sind so absurd. Die Autoren vermischen extreme Gewalt mit Poesie – und beherrschen verdammt nochmal keine Rechtschreibung. Sie sind schon fast eine Art Kunstwerk, wenn auch echt ein beschissenes. Es ist ein ernstzunehmendes Problem, das ich nicht herunterspielen möchte.

Am Ende deines Zines führst du auch eine Liste mit Anlaufstellen an, an die sich die Leser wenden können.
Ja, ich finde das sehr wichtig. Soziale Medien gelingt es oft nicht, die Nutzer für ihre Taten zur Rechenschaft zu ziehen – besonders wenn es sich um sexuellen Missbrauch handelt. Troll Busters, Crash Override und Gender IT unterstützen Opfer von Online-Belästigung. Fleshlight Chronicles ist dagegen für die LOLs.

You were always online

Dieser Artikel stammt ursprünglich von unseren Kollegen aus der australischen Redaktion.