Alle Fotos: Stephanie Pfriender Stylander

Ein seltener, voyeuristischer Blick auf die Celebrity-Kultur der 90er

Mit dabei sind ein junger Heath Ledger und eine damals noch unbekannte Kate Moss.

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Sep. 12 2018, 1:18pm

Alle Fotos: Stephanie Pfriender Stylander

Das Archiv von Stephanie Pfriender Stylander steckt voller 90er-Jahre-Nostalgie. Ihre Celebrity-Porträts fühlen sich voyeuristisch und unnahbar zugleich an. Wir sehen eine junge Kate Moss in der New Yorker U-Bahn, einen Zaun mit High Heels hochkletternd und in den Armen des schwedischen Models Marcus Schenkenberg. Moss ziert auch das Cover der ersten Monographie der amerikanischen Fotografin, The Untamed Eye, die über 130 ihrer Aufnahmen zusammenbringt. Wir haben mit Stylander über die radikalen Veränderungen für Fotografen im Vergleich von damals zu heute gesprochen und uns erklären lassen, warum Kate Moss die Nouvelle Vague der 90er verkörpert.


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Was hat es mit dem Titel The Untamed Eye auf sich?
Es schwingt etwas Wildes darin mit, Fotografin zu sein. Ich habe getan, was ich tun wollte. Anstatt aus der Perspektive einer Modefotografin zu denken, habe ich mich am Film orientiert. Meine wichtigsten Bilder passieren dann, wenn ich meiner Intuition folge. Es lässt sich schon fast wie ein Tanz mit meinen Motiven beschreiben – ungezügelt und interessant.

Warum hast du dich für Kate Moss auf dem Cover entschieden?
In diesen Fotografien ist Kate noch eine schöne Unbekannte. Ich habe mir sehr viele Filme von Jean-Luc Godard angesehen, als ich damals in Paris gelebt habe. Also habe ich angefangen, nach einer Anna Karina zu suchen, eine von Godards Lieblingsschauspielerinnen. Ich wollte genau diese Art von Mädchen, eines das ausgeflippt, schön und gleichzeitig ungewöhnlich ist. Kates Mischung aus Stärke, Verletzlichkeit und Neugierde hatte es mir sofort angetan. Als ich sie damals fotografiert habe, waren wir beide jung, unbekannt und hatten die gleiche Energie. Ich musste sie einfach auf dem Cover haben!

Erzähl uns, was dich inspiriert.
Ich liebe Robert Frank für seine brutale Ehrlichkeit, sein eindringliches Auge und sein Gefasel. Richard Avedon liebe ich dagegen für die Stärke seiner Porträtaufnahmen. Deborah Turbevilles konsequent rauer und poetischer Stil inspiriert mich genauso sehr.

Wie bereitest du dich auf ein Shooting vor? Bist du ein Mensch, der gerne improvisiert?
Wenn die Story einmal abgesegnet ist, arbeite ich sehr eng mit dem jeweiligen Redakteur zusammen. Filmreferenzen spielen dabei eine große Rolle für mich. Am Anfang eines Shootings gibt es immer diesen wunderschönen Moment des Improvisierens, der manchmal zu ganz unerwarteten Dingen führt. Ich mag diesen Teil des Prozesses, weil du Spielraum hast, um das "Was wäre wenn" zu entdecken. Als ich noch analog fotografiert habe, konnten wir uns während der Arbeit nur die Polaroids anschauen, die wir währenddessen gemacht haben. Dieser technische Prozess hat für mich immer die wahre Natur der Fotografie offenbart: ihr geheimes Wesen.

Wie hast du die Bilder für The Untamed Eye ausgewählt?
Ich habe die Fotografien genommen, die herausstechen: Sie leben mit mir, ich kenne sie besser als jeder andere, ich fühle sie, weil ich in dem entscheidenden Augenblick anwesend war. Wir erinnern uns alle an diese ganz bestimmten Momente in unserem Leben – und genau diese finden sich in meinem Buch wieder. Natürlich sind auch welche dabei, die ich 25 Jahre später mit anderen Augen betrachte. Manchmal finde ich ein Foto, das ich schon längst vergessen habe oder plötzlich in einem anderen Licht sehe.

Inwiefern hast du dich selbst als Fotografin weiterentwickelt?
The Untamed Eye beschränkt sich auf meine frühen Arbeiten. Zu dieser Zeit musste ich meinen fotografischen Stil erst noch finden. Du hattest viel Macht und Kontrolle, solange du etwas mit deinen Arbeiten sagen wolltest. Redakteure und Kunden haben dir soweit vertraut, dass du deine eigene Vision in deine Bilder mit einbringen konntest. Sie haben dir zwei oder drei Tage Zeit gegeben, eine Location zu finden und nochmal drei um eine 15-seitige Story zu fotografieren. Sie waren verständnisvoll. Heutzutage dreht sich alles nur noch darum, schnell zu sein: mehr Bilder in weniger Zeit.

@stephaniepfrienderstylander

"The Untamed Eye" ist ab sofort erhältlich. Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der amerikanischen Redaktion.