Photography Camille Vivier; photo via Instagram; photo via Instagram.

Wie Häkeln zum sexiesten Sommertrend 2021 wurde

Designer wie Crandall Duffy, Gui Rosa, ISA BOULDER, Natalia Fedner und Sydney Pimbley machen aus dem Lockdown Hobby ein Club Essential.

von Zoë Kendall
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15 Juni 2021, 9:13am

Photography Camille Vivier; photo via Instagram; photo via Instagram.

Durch die Pandemie haben wir die letzten eineinhalb Jahre überwiegend zu Hause verbracht und uns dabei eigenartige neue Hobbys wie Sauerteigbrot backen und Häkeln angeeignet. Wir haben auch viel gekocht und uns eventuell eine Tischdecke gehäkelt. Aber jetzt ist es Sommer 2021: Viele von uns sind geimpft oder werden es demnächst sein und langsam öffnen die Clubs und Bars wieder. Kurz, die Welt da draußen wartet auf uns.

Natürlich ist das Ausgehkleid noch immer die naheliegendste Wahl für unsere Rückkehr ins soziale Leben, aber diesen Sommer gibt es noch eine Alternative: Den sexy Häkel-Look.

Der Häkel-Trend für den Sommer 2021 ist im Lockdown 2020 entstanden.  Auf der digitalen New York Fashion Week im vergangenen September präsentierte das amerikanische Label Eckhaus Latta erstmals gehäkelte Kleidungsstücke. Die Show eröffnete Paloma Elsesser in einem mehrfarbig gehäkelten Ensemble, das aussah, als wäre es aus mehreren Stoffteilen zusammengeflickt worden.

Auch das New Yorker Label Commission ließ sich für seine neuen Designs von Haushaltstextilien inspireren. "Die Kollektion ist während unserer Zeit in der Quarantäne entstanden, dementsprechend waren wir mental sehr auf unser zu Hause eingestimmt“, hat das Designer Trio i-D während eines Interviews verraten. Entstanden sind Unterröcke, die auch an Tischläufer erinnern könnten und freche Häkel-Bralettes, in denen die Brüste wie in zwei Deckchen eingehüllt sind.

Paloma Elsesser in einem Rock von Eckhaus Latta
Eckhaus Latta. Photography Darian DiCianno/BFA.com

Wenn wir über den Häkel-Trend sprechen, darf Sydney Pimbley nicht unerwähnt bleiben, schließlich hat sie sich in ihrer CSM-Absolventenkollektion und der anschließenden AW20-Kollektion mit dem Trend beschäftigt. Ihre AW20-Kollektion "Woman is Fickle" hat die englische Designerin aus Spitzendeckchen und Tischläufer zusammengenäht. Neckholder-Tops und Miniröcke sind daher alle aus Haushaltsutensilien entstanden, aus Alt mach Neu. Mit ihrer Upcycling Kollektion zeigt Sydney, dass Gehäkeltes genauso gut in den Club wie in unser zu Hause passt.

Zu einem weltweiten Trend ist der Häkel-Look endgültig vor ein paar Wochen geworden, als Insta-Queen Kylie Jenner während ihrem Tropenurlaub ein grobmaschiges Kleid getragen hat. Das ultra-sexy Strickkleid wurde von Parsons-Absolventin Natalia Fedner designt, die schon mehrmals Kleidungsstücke für Kylie und andere Mitglieder des Kardashian-Clans entworfen hat. Gelernt hat Natalia das Handwerk übrigens von ihrer Mutter. Über ihre Arbeit sagt sie: „Häkeln, Stricken, Nähen, Quilten werden stereotypisch oft mit 'Frauenarbeit' verbunden. Oft in einem eher negativen Bezug. Als Designern versuche ich nicht dagegen anzukämpfen, sondern den Fokus auf die Kunst, die seit jeher Teil dieses Handwerks ist, zu richten. Deshalb sträube ich mich manchmal vor dem Wort Kunsthandwerk, denn es weckt gleich so viele negative Assoziationen. Nach meiner Ansicht steckt in einer Häkelnadel aber genauso viel künstlerisches Potenzial wie in einem Pinsel.“

Model in einem Isa Boulder Kleid
ISA BOULDER. Photography by Camille Vivier
Model in einem Isa Boulder Kleid
ISA BOULDER. Photography by Camille Vivier.

Für die Designerin ist Häkeln trotz des Arts-and-Crafts Images sexy. „Wenn man es genauer bedenkt, ist Häkeln von Natur aus sehr sexy. Es ist gibt eine Reihe Schlingen und eine Reihe Löcher, that’s it! Man sieht immer etwas Haut, wieviel hängt davon ab, wie eng man häkelt und wie viele Schlaufen man macht.“

Genau wie Natalia experimentieren auch andere Designer mit dem heimelig anmutenden Material, wie etwa ISA BOULDER.  Das balinesische Label entwirft gestrickte Bodys, die an Dessous-Sets erinnern und den Körper der Trägerin umschmeicheln. Das Designer-Duo definiert die Ästhetik des Labels als "awkwardly sexy" oder neuerdings auch "homely sexy.“

Lia Basari, eine Hälfte von ISA BOULDER, erzählt gegenüber i-D: "Sexiness ist ein interessantes Thema für uns, weil wir in einem Raum wahrscheinlich immer die zwei unsexiesten Menschen sein werden. Genau das ist der Grund, weshalb wir Sexualität in einer weniger polierten, rohen Form präsentieren möchten."

Auch der Australier Christopher Esber ließ sich für seine Strickkleider von der Quarantäne inspirieren: „Meine Designs sind in Anlehnung an Möbel und Inneneinrichtungen entstanden“, erzählt Christopher der Vogue, allerdings sehen auch seine Kleidungsstücke weniger heimelig und dafür sehr sexy aus. Schlüpfrige Minikleider und sich aufbauschende Tops mit Strick-Details ergänzen die üblichen Peek-a-Boo-Kleider, für die der Designer sonst bekannt ist.

Gui Rosa, Absolvent der renommierten Central Saint Martins Hochschule für Kunst und Design, hat sich während des Lockdowns selbst eine neue Häkeltechnik beigebracht: "YouTube ist so 2020, man sollte schon direkt von der Quelle lernen: Von seiner Großmutter.“

Obwohl er den größten Respekt für den Ursprung des Häkelns hat, sagt Gui: "Ich verabscheue Deckchen. Mit etwas zu arbeiten, das von Natur aus so hässlich ist, ist eine Qual… Die einzige Möglichkeit daraus ein interessantes Kleidungsstück zu entwicklen ist daher, es mit unerwarteten Schnitten zu mixen: Kurze Säume, tiefe V's und offene Rückseite. Nur so sollte Wolle kombiniert werden.“

Genau wie Gui sieht auch die in Maine ansässige Designerin Cat Duffy vom Strickwarenlabel Crandall Duffy das Potential in Neuinterpretationen von Häkelarbeiten: „Häkeln kann unglaublich feminin sein, die Kleidungsstücke können die Trägerin in ihrem Auftreten bestärken.“ Cat ist bekannt für netzartige Kleider und gehäkelte Tank Tops, die vorne geschnürt werden und wie ein Korsett aussehen.

Von seinen bescheidenen Lockdown-Ursprüngen hat es der Häkeltrend weit gebracht und wird uns wohl noch den ganzen Sommer lang begleiten. Auf die Frage, warum sie glaubt, dass gerade dieser Look diese Saison so angesagt ist, antwortet Cat: „Seit dem Beginn der Pandemie haben wir eine neue Art von DIY-Kultur erlebt, bestärkt durch Pinterest und TikTok Clips. Jeder hat im letzten Jahr ein neues Hobby gelernt und seine neu gewonnene Leidenschaft mit dem Internet geteilt. Deshalb sehen wir Häkelarbeiten gerade überall.“

Diesen Sommer werden wir also endlich wieder richtig unterwegs sein, geimpft, gestylt und zu allem bereit. Trotzdem lässt sich nicht leugnen, dass uns das letzte Jahr auch modisch geprägt hat, der Trend zum Gehäkelten und zu mehr DIY ist daher kaum verwunderlich.

a model putting an earring in wearing a sheer crochet dress
Crandall Duffy. For Mall NYC, photography Hedi Stanton.
model with her arms crossed wearing a green crochet dress
Crandall Duffy. For Mall NYC, photography Hedi Stanton.
two models side by side wearing sydney pimbley crochet dresses
Sydney Pimbley. Photo via Instagram.

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