Foto: Sophie Klock

Mein Jahr in Fotos ... mit Sophie Klock

Von Tokio bis Russland: Die Fotografin zeigt dir, welche Abenteuer sie 2019 erlebt hat.

von Juule Kay
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27 Dezember 2019, 9:26am

Foto: Sophie Klock

"Dieses Jahr habe ich gelernt, die Dinge laut auszusprechen, an die man glaubt. Denn letztendlich hat man gar keine andere Wahl, als das zu tun, hinter dem man wirklich steht. Den Erwartungen anderer zu entsprechen, macht uns nicht glücklicher. Ich habe auch gelernt, dass ich die Freiheit nutzen will, entscheiden zu können, wen ich liebe und wer ich sein will. Berlin ist ziemlich gut dafür. Mein Körper gehört mir und niemandem sonst, auch wenn man mich nackt im Internet findet. Und Freundschaft als Form von Liebe war dieses Jahr besonders wichtig.

Jedes Mal, wenn ich mich für längere Zeit an einem anderen Ort aufhalte, merke ich, wie einseitig die eigene Perspektive ist und wie wenig man manchmal von vielen wirklich wichtigen Dingen mitbekommt. Ich will mit offenen Ohren und Augen durch die Welt laufen, auch vor meiner eigenen Haustür. Ich hoffe, ich lerne wieder eine Menge im nächsten Jahr, kann viel Zeit in der Dunkelkammer verbringen und mit wenigen Flügen oft unterwegs sein.

Eigentlich wollte ich für jeden Monat ein Bild finden, aber um zu erzählen, was wirklich wichtig war, hat das nicht ganz hingehauen. Deshalb gibt es für manche Monate keine Bilder – und für andere mehr."

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Foto: Sophie Klock

Januar
Ich verbringe Neujahr in Prag. In Berlin mache ich viel für mein Studium, habe meine ersten Fotojobs, und schleiche mich mit Lea an einem Morgen in das Studio, bei dem sie Praktikum macht. Wir schießen drei Rollen Film voneinander, bevor um zehn die Ersten zur Arbeit kommen.

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Foto: Sophie Klock

März
Ich reise nach Tokio, um zu arbeiten und freunde mich mit Marcel an, der Japanisch spricht. Ich laufe stundenlang durch die Straßen. Hier ist Shibuya um vier Uhr morgens, vor meiner Calltime. Die Müllsäcke sehen schön aus, wie sie so im roten Licht liegen.

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Foto: Sophie Klock
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Foto: Sophie Klock

April
Alles passiert ganz von selbst. Ich fange an, Freunde und Bekannte in deren Zimmern zu fotografieren. Daraus entsteht mein erstes selbst-publiziertes Buchprojekt Eight Visits, das im Januar 2020 erscheint. Hier ist Marcel in Kamakura am Strand und Tia in ihrem Haus. Ich fühle mich Tia sofort tief verbunden – wir sprechen über Identität, Tokio und Sprache. Ich erinnere mich vor allem an folgende Worte von ihr: 'I wish we could all communicate telepathically.'

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Foto: Sophie Klock

Mai
Zurück in Berlin schwirrt mein Kopf. Ich bin viel in der Dunkelkammer, fange an alle Bilder aus Japan per Hand zu entwickeln. Lilian mit gebrochenem Fuß an einem Berliner See. Das Wasser glitzert und ist kalt, wenn man eintaucht.

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Foto: Sophie Klock

Juni
Hier ist Lea in Paris, mit Lippenstift als Waffe. Sie besucht mich, während ich dort für einen Job bin.

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Foto: Sophie Klock
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Foto: Sophie Klock

Juli
Lutz und Chloë. Anfangs hatten beide unterschiedliche Farben im Gesicht, wahrend ich sie fotografiere, verwischen sie immer mehr ineinander.

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Foto: Sophie Klock
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Foto: Sophie Klock

August
Beide Bilder sind an der Grenze von Israel und Jordanien entstanden. Oben ist Mima zu sehen, rechts die Palmen in Israel und die roten Berge in Jordanien. Ich muss bestimmt fünfzehn Mal meine Filmrollen aus meinem Rucksack holen bei Sicherheitskontrollen. Sie dürfen nicht durch den Taschenscanner, weil sonst das Risiko besteht, dass sie von den Strahlen belichtet werden. An dem Grenzübergang vom Westjordanland nach Israel werden wir vorgelassen, vor allen Palästinenser_innen.

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Foto: Sophie Klock
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Foto: Sophie Klock

September
Selbstporträt mit roter Hose im Wald auf einem Roadtrip irgendwo in Frankreich. Inszenierte Kopfstände.

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Foto: Sophie Klock

Oktober
Noach aka One Room Hotel dreht ein Video in einer Kegelbahn für sein neues Album Just Another Jewish Guy. Ich helfe ihm und mache dieses Porträt unter den Neonlampen.

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Foto: Sophie Klock

November
Für ein neues Projekt reise ich mit Lily nach Sizilien, um Recherche zu betreiben und Menschen zu treffen. Wir couchsurfen und wohnen eine Woche bei Bahar, der aus dem Irak geflüchtet ist und uns eine Menge über die Welt und irakisches Essen beibringt. Im Bild ist Lily morgens in seiner Wohnung, das Rot ist ein Lichtfleck aus der Dunkelkammer.

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Foto: Sophie Klock

Dezember
Ich besuche eine Freundin in Moskau, nach Russland wollte ich schon lange. Es ist gar nicht so kalt wie man immer denkt, und ich treffe viele tolle junge Menschen. Zurück in Berlin wird mein erstes Buchprojekt in den Druck geschickt. Ich entwickle die ersten Tests, eines davon zeige ich hier als Preview.

@sophieklock

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