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"Ich bin kein Opfer": Das schwarze Model aus Doves "rassistischer Werbung" äußert sich öffentlich

Lola Ogunyemi schildert ihre Sicht der Dinge.

Roisin Lanigan

Screenshot von Twitter

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

Seit Dove auf seiner amerikanischen Facebook-Seite Anfang der Woche einen neuen Werbespot veröffentlicht hat, in dem sich eine schwarze Frau in eine weiße Frau verwandelt, nachdem sie das Duschgel der Marke verwendet, blieb eine Frage unbeantwortet: Wie konnte dieser Spot die unzähligen Meetings überstehen, die es braucht, bis so eine Werbung ihren Weg ins Internet findet? User kritisierten die Marke, darunter auch das Model Munroe Bergdorf, die von L'Oreal nach ihrer Rassismus-Kritik gefeuert wurde: "Diversity ist ein Buzzword und ein Trend. Es wird als Möglichkeit gesehen, Produkte an Women of Color zu vermarkten. Dove, strengt euch mehr an". Auch die Sängerin von Fifth Harmony Lauren Jauregui hat die Kampagne als "rassistisch" und "krank" bezeichnet.


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Dove hat das Video mittlerweile entfernt und sich auf Twitter dafür entschuldigt. Aber die Kontroverse ist noch lange nicht vorbei. Jetzt hat sich Lola Ogunyemi, das schwarze Model aus dem Spot in einem Guardian-Artikel selbst dazu geäußert. Darin schreibt sie, wie sie zu unwissentlich zum Feigenblatt für rassistische Werbung gemacht wurde und dass sie kein Opfer sei.

In ihrer Kolumne für die britische Tageszeitung schreibt Lola, dass die längere Version, die im US-Fernsehen ausgestrahlt wurde, dem Werbespot gerechter wird, weil die Botschaft besser kommuniziert wird und im ganzen Spot sieben Frauen unterschiedlicher Hautfarbe und unterschiedlichen Alters zu sehen sind . Über die Reaktionen auf die Facebook-Version schreibt sie: "Wenn man jetzt nach rassistischer Werbung googelt, ist das erste Ergebnis ein Foto von meinem Gesicht. Ich habe mich wirklich gefreut, Teil der Werbung zu sein und dass ich darin mitwirken und die Stärke und Schönheit meiner ethnischen Herkunft zeigen konnte. Dass darauf so verärgert reagiert wurde, hat mich traurig gemacht."

"Wenn ich auch nur die geringste Ahnung davon gehabt hätte, dass ich als geringwertigere Frau als Vorher-Darstellung gezeigt worden wäre, wäre ich die Erste gewesen, die laut nein gesagt hätte. Ich wäre unglücklich vom Set gelaufen. Denn das geht gegen alles, wofür ich stehe", erklärt sie weiter.

Lola ist Nigerianerin, in London geboren und in Atlanta aufgewachsen. Das Model beschreibt in dem Artikel auch, dass ihre Erfahrungen mit dem Dove-Team positiv waren und sich alle Models am Set darüber gefreut hätten, die nudefarbenen T-Shirts zu tragen und sich in die jeweils andere Frau zu verwandeln. Und auch als das Video auf Facebook veröffentlicht wurde, empfand sie es immer noch positiv. "Ich habe es geliebt und meine Freunde und meine Familie auch. Leute haben mir dazu gratuliert, dass ich die erste Frau bin, die zu sehen ist; dazu, dass ich fabelhaft aussehe und dass ich Black Girl Magic repräsentiere. Ich war stolz", schreibt sie.

Zwar hat sie das Gefühl, dass Doves Message fehlinterpretiert worden ist, aber sie findet den öffentlichen Aufschrei gerechtfertigt. "Ich finde gut, dass sich Dove für den möglichen Schaden entschuldigt hat. Sie hätten ihre kreative Vision aber besser verteidigen können, darunter auch die Entscheidung, mit mir, eine dunkelhäutige schwarze Frau, als Gesicht der Kampagne zu arbeiten", schildert sie weiter.

"Ich bin kein stilles Opfer einer verfehlten Beauty-Kampagne", sagt sie zum Schluss. "Ich bin stark, ich bin schön und sie werden mich nicht zum Schweigen bringen."