So werden Online-Bekanntschaften zu intimen Porträts

"Ich möchte zeigen, wie sich ein Mensch durch Emotionen verändert", sagt die junge Fotografin Cristóbal Severino.

von André-Naquian Wheeler; Fotos von Cristóbal Severino
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15 Dezember 2017, 2:55pm

"Ich muss die Kluft zwischen dem jugendlichen Glitzer und dem erwachsenen Glanz überwinden", liest sich in dem Tagebuch von US-Schriftstellerin Sylvia Path, das sie in ihren Zwanzigern schrieb. Genau diese Verwandlung möchte die chilenische Fotografin Cristóbal Severino mit ihren Aufnahmen einfangen. Ihre analogen Fotografien zeigen, wie fragil unsere Körper und Identitäten sind und wie sie sich ständig verändern.


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"Ich möchte die ewige Jugend einfangen", erklärt die 24-jährige Fotografin lachend. "Auch wenn ich gerne in der Gegenwart lebe, habe ich früher mit einer Nostalgie nach etwas gestrebt, das gar nicht existierte. Meine ersten Aufnahmen drücken genau dieses Gefühl aus. Jetzt möchte ich dagegen zeigen, wie sich ein Mensch durch Emotionen verändert", so Cristóbal weiter. Mit diesem intuitiven Ansatz kreiert die Fotografin Porträts, die sich so ehrlich und intim wie Tagebucheinträge anfühlen. Wir wollten mehr über ihre Aufnahmen und die Kreativszene in ihrem Heimatland Chile erfahren.

Wie bist du zur Fotografie gekommen?
Ich hatte vor neun Jahren in der Schule Kurse zu audiovisueller Kommunikation, dafür habe ich die Kameras meiner Eltern für kleinere Projekte genutzt. So habe ich die vielen Möglichkeiten von Fotografie entdeckt.

Du fotografierst oft draußen. Welchen Stellenwert hat die Natur für deine Arbeit?
Alles hängt von der Natur ab. Für mich ist die Verbindung zwischen der Natur und den Leuten am wichtigsten. Die Blumen in meinen Bildern stehen für den Neuanfang. In der Natur liegt der Ursprung wahrer Schönheit.

Was soll der Betrachter durch deine Fotografien mitnehmen?
Ich mag es, wenn die Betrachter etwas fühlen. Wenn sie ein Bild als Kunstwerk sehen und sich damit identifizieren können. Wir leben in einer Welt, die übersättigt ist mit Fotografien. Deswegen ist es wichtig, dass jetzt etwas entsteht, das diesen Hype überdauert. Ich möchte, dass die Fotografien etwas Menschliches kommunizieren. Damit auch spätere Generationen nachvollziehen können, wie wir gedacht und uns gefühlt haben.

Wie lernst du deine Models kennen?
Das sind meistens Frauen, die sich für meine Fotografie interessieren und mich kontaktieren. Wir schreiben uns online, vereinbaren, was wir beide wollen und treffen uns dann. Wir reden über meine Ideen, gehen spazieren und ich fotografiere sie dann.

Inwiefern inspiriert dich dabei die chilenische Kunst- und Kultur-Szene?
Inwiefern inspiriert dich dabei die chilenische Kunst- und Kultur-Szene? Es gibt in Chile viele großartige Künstler unterschiedlichster Gattungen, die einfach nur eine größere Plattform bräuchten. Durch das Internet gibt es ganze neue Möglichkeiten, Kunst zu entdecken, auch die aus anderen Ländern Südamerikas. Es gibt hier schon die Möglichkeit, sich zu entwickeln. Ich fahre zum Beispiel bald nach Bolivien, um an einer Dokumentation mitzuwirken.

@cristobalserverino


Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.