Collage: Eli Rezkallah

Diese Fotoserie hält sexistischer Werbung den Spiegel vor

Der libanesische Künstler Eli Rezkallah stellt Männer an den Herd und zeigt, dass viele Rollenklischees noch nicht Vergangenheit sind.

von Juule Kay
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07 Februar 2018, 11:27am

Collage: Eli Rezkallah

Ob Catcaller auf offener Straße, die vielen Missbrauchsfälle in Hollywood und der Modeindustrie oder unangebrachte DMs, die uns fast täglich auf Instagram erreichen: Wir werden jeden Tag schmerzhaft daran erinnert, dass Sexismus und sexuelle Belästigung auch im Jahr 2018 nicht der Vergangenheit angehören. "Zwar sind wir weit von dem entfernt, wie es damals in den 50ern war, trotzdem befinden wir uns immer noch am Anfang eines langen Wegs", sagt der libanesische Künstler und Creative Director Eli Rezkallah, der mit seiner Fotoserie Parallel Universe ein Zeichen gegen Sexismus setzen möchte.

Darin zu sehen sind echte Werbeplakate aus den 50er-Jahren, die unweigerlich Kopfschütteln bei uns auslösen: Frauen, die angeblich zu schwach sind, eine Ketchup-Flasche zu öffnen; ihrem Mann in dienender Manier das Frühstück ans Bett servieren; oder weinend in seinen Armen liegen, weil sie das Essen mal wieder angebrannt haben. Diese eindringlichen Bilder stellt Eli seinen eigenen Versionen gegenüber, die Frauen in den Mittelpunkt rücken statt in den Hintergrund.


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Getreu dem Motto "Show him it’s a woman’s world" dreht Eli den Spieß um und kreiert eine fiktive Welt, in der Männer in den Geschmack ihrer eigenen sexistischen Denkweise kommen. "Wenn du dir die vielen Widersprüche und gegensätzlichen Meinungen anschaust, was als richtig und falsch in dieser Welt aufgenommen wird, fühle ich mich manchmal wirklich so, als würden wir in unterschiedlichen Paralleluniversum auf ein und demselben Planeten leben."

Den Anstoß für Parallel Universe gab aber nicht nur die Werbungen aus den 50er Jahren, sondern auch ein unangenehmes Gespräch in der Familie des Künstlers. "Letztes Thanksgiving habe ich meine Familie besucht und zufällig mitbekommen, wie mein Onkel darüber gesprochen hat, dass Frauen lieber hinter dem Herd stehen und ihre Pflichten als Frau erfüllen sollten", erzählt Rezkallah. Es seien Momente wie diese, in denen ihm klar geworden sei, dass das Wesen solcher Werbungen noch immer präsent sei in unserer heutigen Gesellschaft, sagt er.

Eli selbst ist im vom Krieg erschütterten Libanon aufgewachsen, was sich stark auf seine Arbeiten ausgewirkt hat. Seine Familie und er konnten damals nicht einfach vor die Tür gehen, sondern mussten sich ihr eigenes Leben auf engstem Raum erschaffen: "Meine Mutter und ihre Freundinnen haben jeden Sonntag ihre Haare gemacht und ihre schönsten High Heels angezogen, aber wenn du ein bisschen näher hingeschaut hast, war da immer diese Furcht in ihren Augen."

Mit Parallel Universe möchte der libanesische Künstler ein Zeichen gegen Diskriminierung jeglicher Art setzen. Ein erster Schritt, um dagegen anzukämpfen: sich bewusst machen, dass Sexismus in unserer Gesellschaft existiert.

@elirezkallah

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