Foto: über Marvel

Warum "Black Panther" Geschichte schreiben wird

Ryan Cooglers Superhelden-Film stößt einen wichtigen Dialog über die Darstellung Afrikas auf der Kinoleinwand an.

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Feb. 16 2018, 11:51am

Foto: über Marvel

Black Panther ist ein außergewöhnlicher Film. Die Bilder sind atemberaubend und das Konzept rückt die Geschichte des Kolonialismus in Afrika in den Fokus. Es ist der erste Superhelden-Film, in dem der Großteil der Rollen von schwarzen Schauspielern gespielt wird, und zwar unter der Leitung des schwarzen Regisseurs Ryan Coogler.

Afrika ist in der Vorstellung zu vieler Leute immer noch synonym mit extremer Armut und ausgehungerten Kindern verbunden. Die technologisch fortgeschrittene Nation Wakanda, in der der Film spielt, ist eine bewusste Subversion dessen. Es ist Everett K Ross (Martin Freeman), einer der wenigen weißen Hauptcharaktere, der genau diese Meinung vertritt, bis er verwundet nach Wakanda gebracht wird, wo sein Leben dank der überlegenen medizinischen Kompetenzen gerettet werden kann.

Ein fiktives afrikanisches Land, das einen afrofuturistischen Traum verkörpert ist ein "Fuck you" an all die Rassisten, die uns gesagt haben, wir sollen zurück nach Hause in unsere Lehmhütten gehen. Durch seine Vibranium-basierte Technologie konnte sich Wakanda erfolgreich versteckt halten. Vibranium ist das stärkste Metall der Erde, wird uns erzählt, und die Stadt liegt auf einem ganzen Berg davon. Es ist das kugelsichere Material, aus dem die Anzüge der Superhelden bestehen.

"Ein fiktives afrikanisches Land, das einen afrofuturistischen Traum verkörpert ist ein "Fuck you" an all die Rassisten, die uns gesagt haben, wir sollen zurück nach Hause in unsere Lehmhütten gehen."

Die Realität ist die einzige Sache, die die Fantasie dämpft. Im frühen 20. Jahrhundert war der Großteil Afrikas von westlichen Ländern kolonialisiert worden, nur Äthiopien und Libyen blieben frei. Bereits seit dem 17. Jahrhundert waren schwarze Leute entführt und versklavt worden, und kein Land war stark genug, um sich der rassistischen, kapitalistischen Maschinerie zu widersetzen. In diesem Kontext haben die Filmemacher damit gerechnet, dass das Publikum Mitleid mit Erik Killmonger (Michael B Jordan), dem Bösewicht in Black Panther haben würde. Eriks Geschichte ist faszinierend. Als unehelich geborener Sohn einer afroamerikanischen Mutter und eines Vaters aus Wakanda ähnelt seine Rolle im Kanon des schwarzen Konflikts in Amerika der von Malcolm X.


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Der Black Panther T’Challa, gespielt von Chadwick Boseman hinterlässt einen weniger großen Eindruck. "Es ist schwer für einen guten Mann, König zu sein", sagt ihm sein Vater in einer Szene. Und das ist auch der Gesamteindruck, der beim Zuschauer bleibt – er ist ein herzensguter Mensch, aber vielleicht nicht leidenschaftlich genug, um ein Panther zu sein.

"Die Darstellung von dunkelhäutigen Frauen mit natürlichen Haaren kommt genau richtig in einer Zeit, in der Colorism oft bedeutet, dass man besonders hell aussehen muss, um als schwarze Frau im Job erfolgreich zu sein."

Die Frauen in Wakanda wirken alle majestätisch. Intelligente Powerfrauen, die ihre geflochtenen Haare hochstecken, in natürlicher Form tragen oder – im Fall der Leibwächterinnen von Black Panther – einen rasierten Kopf haben. Die Darstellung von dunkelhäutigen Frauen mit natürlichen Haaren kommt genau richtig in einer Zeit, in der Colorism oft bedeutet, dass man besonders hell aussehen muss, um als schwarze Frauim Job erfolgreich zu sein. Wie im echten Leben, in dem schwarze Frauen Superhelden ohne Umhang oder Kostüm sind, sind die Frauen in Black Panther das Rückgrat der Gemeinschaft, in der sie leben – und stark und verletzlich zugleich.

In einer Zeit voller Neuerungen haben meine schwarzen Freunde aus der Kreativbranche und ich darüber diskutiert, ob jetzt der richtige Augenblick dafür ist, die Arbeit unserer Kollegen kritisch zu beurteilen. Ich finde, dass wir mehr verlangen können und sollten. Black Panther ist ganz klar der perfekte Superhelden-Film für alle Fans von Superhelden-Filmen – actionreich, laut und mutig, mit wunderschönen Kampfszenen vor der Kulisse tosender Wasserfälle.

Aber meiner Meinung nach waren einige der Charaktere und Erzählstränge einfach zu zweidimensional. Besonders schade war es, dass der Film ausdrücklich an ein amerikanisches Publikum gerichtet war, das in einem irritierenden und manchmal bevormundenden Panafrikanismus schwelgt. Und auch die Tatsache, dass außer Lupita keine anderen in Afrika geborenen Schauspieler als Hauptrollen zu sehen waren, war enttäuschend.

"Dieser Film wird leider nichts gegen die Tendenz des Westens ausrichten können, Afrika als eine homogene Einheit darzustellen. Egal wie gut er ist, das fiktive Wakanda ist nunmal eine amerikanische Interpretation dessen, wie ein afrikanisches Land aussehen könnte."

Vor der Veröffentlichung von Black Panther hat man bei dem Titel zuerst an die Bewegung statt an den Film gedacht. Disney, ein Konzern, der sich durch seine Geschichte hinweg immer wieder Vorwürfen des Rassismus stellen musste, hat sich sehr erfolgreich Unterstützung von den Jüngsten geholt. Die #BlackPantherChallenge hat beispielsweise knapp 240.000 Euro gesammelt, um schwarzen Kindern aus ärmeren Familien zu ermöglichen, den Film zu schauen. Wir alle sind uns der Macht der Darstellung bewusst, und glaubt mir, wenn ich sage, dass dieser Film das Leben von so einigen jungen schwarzen Kindern verändern wird. Trotzdem wird er leider nichts gegen die Tendenz des Westens ausrichten können, Afrika als eine homogene Einheit darzustellen. Egal wie gut er ist, das fiktive Wakanda ist nunmal eine amerikanische Interpretation dessen, wie ein afrikanisches Land aussehen könnte.

Eine Petition ruft Disney dazu auf, 25 Prozent der Gewinne in schwarze Communities zu investieren. "Schwarze Gemeinschaften in den USA ringen bis heute mit Problemen wie der Gentrifizierung, Polizeigewalt und unterdurchschnittlichen Lebensbedingungen. Wir können diese Konzerne nicht weiterhin unbekümmert unterstützen und ihnen erlauben, Gewinn aus uns zu schlagen", heißt es in der Petition. Es ist unwahrscheinlich, dass die Studios sich das zu Herzen nehmen werden, aber meiner Meinung nach ist es fantastisch, dass wir diese Diskussionen überhaupt führen – ohne Black Panther wäre das wohl nicht möglich gewesen.

Marvel Studios "Black Panther" läuft ab jetzt in den Kinos.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.