Miss Manners belügt dich nie

Hallo, wir sind Bertie und Charlotte und wie bringen dir jetzt einmal in der Woche gutes Benehmen bei. Sieh es als wöchentlichen Trip ins Internat, das du nie besucht hast. Wir sind hier, um Händchen zu halten und um dich auf dem Weg zur vornehmen...

von i-D Team
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30 Oktober 2014, 9:15am

DIE LÜGE: „Doch, der Cut-Out-Badeanzug ist total praktisch." 

DIE WAHRHEIT: Das Problem am (fast) erwachsen sein ist: Man fährt mit Menschen weg, mit denen man nicht verwandt ist und bekommt ziemlich seltsame Vorstellungen davon, was einen perfekten Badeanzug ausmacht. Der total schicke All-in-one-Speedo, den du seit 18 Jahren getragen hast, um deine Mutter zu beeindrucken, muss gehen und die glitzernde Träger-Variante, die sich bei der ersten Schwimmbewegung sofort vom Körper rollt, kommt. Oder noch viel schlimmer: der Fashion-Cut-Out. Der Cut-Out mag einem in der Geborgenheit einer Umkleide vielleicht gut stehen und du wirst denken, dass du zu 99 Prozent Rihanna-mäßig aussiehst und dir vorstellen, wie toll der wohl auf den Fotos kommt, wenn du damit nächsten Monat auf Ibiza aus einem Schwimmring steigst. In der Realität sieht er aus wie etwas, das der Hund der Kardashians zerkaut und wieder ausgespuckt hat. Ganz ehrlich, seltsame Bräunungsstreifen sind da noch das kleinere Übel, wenn man aussieht, als hätte dich ein wildgewordener Chihuahua angegriffen.

DIE LÜGE: „Die weißen Jeans muss ich einfach haben."?

DIE WAHRHEIT: Es war einmal … eine Zeit, da waren die ganz OK. Das war 2007, als Johnny Borrell auf dem Vogue-Cover war und du eine weiße Jeans und eine Polkadot-Bluse anhattest und dir eingebildet hast damit ein bisschen wie Vanessa Paradis auszusehen. Spul sieben Jahre vor und aus der Fantasie mit der schmollenden französischen Prinzessin wurde Kimora-Lee-Simmons-mäßige Realität. Mal im Ernst, allein die richtige Jeans zu shoppen ist schon ein totales Minenfeld - zerrissen oder nicht, tailliert oder skinny, mit Abnutzungsoptik oder ohne, apathischer Zustand - warum es also noch komplizierter machen?

DIE LÜGE: „Mit diesem Dessous-Set wird er wieder auf mich stehen."?

DIE WAHRHEIT: Wir waren alle schon an dem Punkt: Man steht leicht verschwitzt in der tapezierten Umkleide eines richtig teuren Dessousgeschäfts und redet sich ein, dass es absolut notwendig ist, eine halbe Monatsmiete für ein paar Zentimeter Stoff auszugeben, weil man die Beziehung retten will. Denk nach. Offensichtlich habt ihr schlechten Sex, was bestimmt nicht an deinen abgetragenen Marks-and-Sparks-Boxershorts liegt.

DIE LÜGE: „OMG diese Rocklänge bin total ich."? 

DIE WAHRHEIT: Deinen Schotten-Minirock trägst du schon, solange du denken kannst, ganz einfach weil er dir steht, du ihn magst und er bequem ist. Nicht, dass du dich nicht austoben darfst in der kniehohen Wollnummer mit Schlitz bis zum Schritt, „total praktisch mit Strumpfhosen", aber denk ernsthaft darüber nach, was du dazu tragen kannst. Ich habe mir mal eine Jeans gekauft, die nur zu den Uggs gepasst hat, die ich zum Anprobieren anhatte (nicht neidisch sein). Neue Stücke auszuprobieren ist echt spannend, aber wenn du zu Hause feststellst, dass nur 0,5 Prozent deiner Garderobe dazu passt, bist du 100 Prozent am Arsch.

DIE LÜGE: „Mit neuen Sportschuhen würde ich jeden Tag ins Fitnessstudio gehen."? 

DIE WAHRHEIT: Obwohl du es tatsächlich geschafft hast, dich letzte Woche im Fitnessstudio anzumelden (Hey, gratuliere, du hast endlich erreicht, was du dir seit drei Monaten vorgenommen hast!), schiebst du aller Wahrscheinlichkeit nach deine erste Gratis-Trainings-Session noch auf, weil du oh Scheiße nichts zum Anziehen hast. Hör auf, dir was vorzumachen, du vergisst sowieso, jeden Abend dein atmungsaktives Ganzkörper-Jogging-Outfit zu waschen. Nimm dir das T-Shirt, das du bei Cadbury-World gekauft hast, und hör auf zu heulen.

@themushpit

Credits


Text: Bertie Brandes und Charlotte Roberts
Fotos: Benjamin Alexander Huseby
Styling: Elgar Johnson
Haare: Tina Outen bei Streeters
Make-up: Kirstin Piggott bei Julian Watson Agency for Rimmel London
Fotoassistenz: Jack Wilson, Dani Bastidas
Stylingassistenz Warren Leech, Bojana Lozarevic
Haarassistenz: Charmaine Cox
Make-up-Assistenz Caroline Sims
Set-Design: Andrea Cellerino
Model: Lily McMenamy at Next Paris

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