mouthfeel ist das beste queere foodie-zine der welt

Wir haben die Macher aus New York über dumme Food-Trends, Nacktkochen, und den Kampf gegen Homophobie in Restaurantküchen befragt.

|
26 Mai 2015, 8:30am

Mouthfeel ist ein großformatiges Zine über die kulinarische Szene, aus einer schwulen Perspektive und mit einem von Punk inspirierten Design. Die erste Ausgabe kam Anfang des Monats auf den Markt und ist bereits ausverkauft, die Interviews und das Artwork sind aber trotzdem auf ihrer Website zu finden. Mouthfeel ist eine Rebellion gegen die ganzen Mainstream-Feinschmecker- und Gourmet-Sendungen, -Kochbücher und -Zeitschriften. Die Macher packen Eiscremetüten über Vintage-Porno-Schwänze, fragen den schwulen Pin-up-Koch Taylor Boring aus und erkunden Berlins berühmte Currywurst.

„Ich wollte die Kulturen, in denen ich lebe, näher zusammenbringen - eine Combo aus Essen, Kaffee, Humor, Hardcore und hier und da ein paar heiße Kerle, um es interessant zu machen. Meine Lieblingsmedien haben immer etwas Undergroundmäßiges. Für mich hat der Underground immer das Beste hervorgebracht. Für mich ist das eine natürliche Gleichung", sagt Gründer und Chefredakteur Mac Malikowski. Wir unterzogen Mac einer kurzen Frage-Antwort-Runde und haben dem Designteam nach diesem Interview weitere Fragen gestellt.

Also Mac, was ist das Heißeste, was ein Mann essen kann?
Wir haben für die Frühjahrsausgabe mit einer ziemlich eindeutigen Bildsprache gearbeitet: der Banane. Phallisch, weich, geschmackvoll und vielleicht etwas zu offensichtlich. Aber für mich gibt es nichts Heißeres, als wenn ein Kerl sich über ein selbst zusammengestelltes Peking-Enten-Sandwich hermacht.

Was ekelt dich an?
Jede Form von Diät.

Von wem willst du dich mal bekochen lassen?
Ich habe eine Schwäche für Andy Ricker von Pok Pok. Was für ein Koch/Hunk! Aber ich bin mir sicher, dass Ryan Gosling auch einen verdammt guten Auflauf machen kann.

Was wäre deine Henkersmahlzeit?
Gedämpfte Teigtaschen.

Wenn du nur Speisen aus einem Land essen könntest, welches wäre das?
Die Drückeberger-Antwort ist Amerika, weil wir technisch alles haben. Aber ihr könntet mich auch in Thai-Curry begraben und ich würde keinen Mucks von mir geben.

Welche Magazine/Bücher/Köche haben dich inspiriert?
Magazine: Lucky Peach, Cherry Bombe The Art of Eating (Ich besitze jede Ausgabe! Fast 100 Stück). Bücher: Ferran Adriàs The Family Meal, Fancy Desserts von Brooks Headley. Besonders hervorheben möchte ich Tout de Suite a la Microwave von Jean K Durkee von 1977 (klassisch französische Rezepte, die ausschließlich in der Mikrowelle zubereitet werden).

Hat New York das beste Essen der Welt? Ja/Nein und wieso?
Hat es auf mehreren Ebenen. Es gibt definitiv die größte Auswahl und mit Sicherheit die beste Ethno-Food Amerikas. Aber es mangelt an einer paar essentiellen Sachen: Kann ich IRGENDWO einen guten mexikanischen Burrito bekommen?

Das beste Restaurant New Yorks?
ABC Kitchen.

Das überbewerteste Restaurant New Yorks?
Alles von Keith McNally.

Was ist der beste Auf-die-Hand-Snack New Yorks?
Hasst mich, aber die JP Black Mandelmilch mit Kokoswasser von Juice Press ist auf den Punkt. Außerdem Bagel mit Frischkäse, Gurke und Salz und Pfeffer.

Wo hast du sonst das beste Essen gegessen?
Hong Kong / Macau.

New York ist berühmt für seine Trend-Essen. Welche gehört zu deinen Favoriten? Welche war die lustigste, ergo die lächerlichste?
Ich war so froh, als Rindfleisch wieder zurück kam (Beef 7 Wags bei Má Pêche, Burger etc.). Wir haben alle so lange Schweinefleisch gegessen. Lächerlich fand ich den Cupcakes-Hype und Ramen-Burger.

Was war das Erste, das du gekocht hast?
Bowl of Toast: Spiegeleier auf zerhacktem Toast mit extra Butter (nach dem Rezept meiner Mutter).

Was ist das Letzte, das du gekocht hast?
Die Dose Suppe von Amy's zählt wahrscheinlich nicht. Also war es eine spanische Tortilla aus dem „Saltie"-Sandwich-Kochbuch.

Ist Nacktkochen wirklich sexy?
Vielleicht sollten wir etwas der Vorstellung überlassen und das schützen, worauf wir alle stehen, indem wir eine Schürze tragen.

Was ist dein Lieblingsfilm über Essen?
Ich hoffe, dass Bob's Burgers zählt.

Was ist deine Lieblingsszene über Essen in einem Film?
Als Kevin McCallister Makkaroni mit Käse in Kevin - Allein zu Haus kocht, aber es nie isst. Das ist Kunst.

Geht es in Restaurantküchen homophob zu?
Man fühlt sich meiner Meinung nach wirklich oft nicht wohl. 

Was für homophoben Dreck hast du in Küchen schon gehört?
In der Küche werden gerne Schwulenwitze gemacht, so zum Beispiel: „Nimm meinen Freund hier, er will's mal ausprobieren". So ist es mir jedenfalls gegangen.

Wie können sich junge Schwule, die in der Küche arbeiten wollen, darauf vorbereiten?
Ich denke, dass es mittlerweile besser geworden ist. Aber wenn du so eine Person bist, dann mach mit und lache über die Witze. An sich ist es harmlos. Wenn du mit so einer Atmosphäre nicht klar kommst, dann arbeite irgendwo anders für eine Queen. Kontaktiert mich und ich stelle einen Kontakt her.

Ist Backen das Schwulste, was kulinarische Aktivitäten angeht?
Kurz nach dem Schreiben über Essen.

Wer ist die tollste Person, für die du gekocht hast?
Mein sexy Esser und Partner Jason.

Wir wollten mehr über das großartige Design des Zines wissen und haben Yego Moravia (CD bei Mouthfeel / Design Director bei Mother New York) und Wade Jeffree (Designer bei Mouthfeel / Senior Designer bei Mother New York) befragt.

Was inspiriert die Ästhetik?
Jeder, der bei Mouthfeel mitarbeitet, verbindet auf die eine oder andere Weise etwas mit Punk- und der Hardcoreszene. Allgemein gesprochen denke ich, dass der Look-and-Feel von einem Ort des Essens stammt, an dem hohe und niedrige Ästhetik koexistieren können.

Was sind andere Magazine oder Zines, deren Design euch gefällt?
Von aktuellen Publikationen werden wir vom 032c, Butt Magazine (natürlich), Gentlewomen, Elephant, Frieze und Process Journal inspiriert. Aber auch ältere Sachen. Jeder bei Mouthfeel sammelt alte Printsachen, die mit Underground-Kulturen zu tun haben, ob das nun schwule Cruising-Flugblätter aus den Sechzigern oder Punk- und Hardcore-Fanzines aus den Achtzigern sind. Sogar Anzeigen in Magazinen übers Essen für Brotaufstrich aus Gewürzgurken!

Was erhofft ihr euch vom Look/Design von Mouthfeel, das die Leser woanders nicht bekommen?
Wir hoffen, dass die Leute mal was anderes sehen, als die total weichgespülte Ästhetik des Kinfolk-Looks, der so beliebt ist. Es ist nichts falsch daran, wie viele trendy Magazine über Essen berichten. Wir denken nur, dass es verschiedene Blickwinkel gibt, wie man über Esskultur sehen kann und einige davon waren bisher unterrepräsentiert.

Warum ist Print immer noch wichtig?
Print schafft eine gewisse Intimität, die sich nicht allzu sehr von der mit Essen unterscheidet. Es geht nicht nur um ein Gericht oder um die Zutaten, es geht mindestens genauso um die Erfahrung. Wir glauben daran, dass Print - besonders großformatiger - die Art und Weise, wie wir mit Bildern und Texten umgehen, verändern kann und letztendlich sogar Essen und Kultur.

Sind Vintage-Pornos die besten Pornos?
Diese Frage ist sehr haarig. Vintage-Pornos gewinnen definitiv dieses Duell.

Was ist euer (essbarer) Lieblings-Penisplatzhalter: frittiertes Frühstücksfleisch, Eiscreme oder Früchtekuchen?
Für uns hat diese Mischung aus verarbeitetem Essen und echten Männern etwas sehr Cooles und Bizarres. Ich denke, dass unser liebster Penisplatzhalter die „Old Bay"-Dose ist. Das sorgt für die gewisse Würze.

Was dürfen wir von der zweiten Ausgabe erwarten?
Größer, besseres Design und Content für Tops und Bottoms.

Mehr zum Thema Essen und Foodies findest du bei den Freunden von Munchies.

mouthfeelmag.com