Fotografin Vivian Fu verändert deine Sichtweise auf asiatische Frauen

Triff Vivian Fu – die Fotografin, die die intimsten Momente ihrer Beziehungen festhält und genug von Stereotypen asiatischer Frauen hat.

von Emily Manning
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15 Juni 2015, 4:20pm

Jeder, der Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt gelesen oder gesehen hat, ist vertraut mit der Misere von Knives Chau, dem 17-jährigen chinesisch-kanadischem Schulmädchen, das hoffnungslos um die Zuneigung von mehreren Typen mit Sommersprossen wetteifert. Die im San Fernando Valley geborene amerikanische Fotografin Vivian Fu gesteht, dass sie oft mit der gequälten Knives verglichen wird - mal abgesehen von all den anderen unterwürfigen, asiatischen Nebenrollen. Vivian nutzt Fotografie nicht nur um ihre eigene Identität nach ihren eigenen Bedingungen zu erkunden, sondern auch um diese klischeehaften Darstellungen Frauen asiatischer Herkunft in Frage zu stellen. Sie macht fesselnde und zutiefst intime Bilder von ihren Freunden, ihrem Partner Tim und am wichtigsten von sich selbst. Obwohl ihre Fotoserie Me and Tim das zeigt, was zwei Menschen miteinander teilen - Liebe, Tränen und Cum -, sind es doch allein Vivians Bilder. Wir trafen die mittlerweile in San Fransicso lebende Fotografin und sprachen mit ihr über Klischees, Selbstbestimmung und über die Bedeutung von Selfies.


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Wie bist du zur Fotografie gekommen?
Meine Eltern waren streng und ich durfte nicht oft nach draußen, also habe ich viel Zeit im Internet auf dem Arbeitscomputer meiner Mutter verbracht. Ich habe auf Flickr viele Bilder gefunden, die ich sehr inspirierend fand, das war mein Einführungskurs in die Fotografie. Ich habe die Bilder geteilt, die ich durch soziale Plattformen machte: Ich habe Fotos von meinen Freunden gemacht und sie auf LiveJournal gepostet. Ich habe Selfie geschossen und sie auf MySpace geteilt, bevor ich zu Flickr und andere Arten von Fotografie ausgesetzt war.

Ich glaube aber, dass die Bedeutung des Internets erst richtig begriffen habe, als ich durch das Teilen meiner Arbeiten einen Ort schuf, an dem ich mich selbst durch Fotografie entdecken kann. Ich interessierte mich dann dafür, mein eigenes Narrativ zu erkunden und die Stereotype asiatischer Frauen zu hinterfragen. Durch das Internet konnte ich mich nicht nur selbst erkunden, sondern konnte meine Erkundungsreisen auch für andere zugänglich machen. Das Internet war für mich in persönlicher als auch künstlerischer Hinsicht hilfreich.

Was motiviert dich, die Darstellungen von asiatischen Frauen durch deine Selbstporträts und deine Fotoserie Asian Girls infrage zustellen?
Obwohl L.A. eine vielfältige Stadt ist, bin ich in einem vornehmlich weißen Vorort aufgewachsen, also liefen viele meiner Erfahrungen im Großen und Ganzen so ab: „Das ist eine Gruppe von Weißen plus ich, ein asiatisches Mädchen". Und je älter ich wurde, desto klarer manifestierte sich die Idee der weißen Protagonisten in der Hauptrolle und der asiatische Charakter in der Nebenrolle. Ich wurde oft mit solchen Rollen verglichen: Lane aus Gilmore Girls oder Knives Chau aus Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt. Es ist einfach schräg, wenn man mit Nebenrollen verglichen wird, die beste Freunde, der Schwarm oder Wannabe-Schwarm von Weißen sind. Also mit diesen Erfahrungen aufzuwachsen und diese Erfahrungen auch in den Medien widergespiegelt zu sehen, hat die Art und Weise beeinflusst, wie ich Dinge sehe.

Ich fing nach dem Uniabschluss mit der Fotoserie Asian Girls an und zog von Santa Cruz nach San Francisco, damit ich meine Arbeiten mit anderen teilen, neue Freundschaften schließen und neue Künstler treffen konnte. Zwar konnte ich durch Fotografie diesen neuen Ort, in dem ich lebte, erkunden, aber ich wurde mit anderen asiatischen Künstlerinnen verglichen, nur weil wir Asiaten waren, anstatt mit Künstlern verglichen zu werden, denen ich mich nah gefühlt habe. Daraufhin habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie Frauen gegeneinander ausgespielt werden - diese komische Idee von Wettbewerbsfähigkeit - und wie sehr ich das verabscheue. Diese Gedanken fanden ihren Ausdruck in der Fotoserie, außerdem sind die Fotos gleichzeitig eine Konfrontation der Gefühle und Beobachtungen aus meiner Jugend mit diesem Klischeedenken und der Fetischisierung.

In deiner Fotoserie Me and Tim geht es um deine Beziehung, aber es auch darum, deinen Körper in Besitz zu nehmen. Hast du das Gefühl, dass diese Fotoserien denselben Ursprung wie deine anderen Arbeiten haben?
Das ist eine Serie über mich und Tim, um genauer zu sein: es ist eine Serie über mich. Sie dokumentiert die Liebe und die Zärtlichkeit zwischen mir und meinem Partner. Aber ja, durch die Dokumentation unserer Beziehung spreche ich auch die Themen aus meiner Jugend an. Es geht darum, sich verletzlich zu fühlen, aber Stärke durch die Fotografie zu finden und mein Selbst bildlich darzustellen - ein Weg, um meine Identität, meinen Körper und meine Beziehung mit dieser Person zu erkunden. Obwohl es nicht dominiert, ist doch deutlich in Me and Tim erkennbar, dass ich die Bilder mache. Ich habe mich und mein Leben schon immer dokumentiert, aber die Bedeutung davon habe ich erst begriffen als ich älter wurde. Generell gesprochen, ist es so, dass für mich Fotografie ein Weg ist, um zu sagen ‚Das bin ich. Das ist meine Identität; und keine auf mich projizierte Idee davon, wie ich sein soll.' Stattdessen geht es darum, meine eigenen Sachen zu kreieren.

Sind Selfies wichtig?
Ja, besonders für Leute, die in den Mainstreammedien nicht genügend repräsentiert werden. Dinge ändern sich, weil die Leute diese Art der Repräsentation einfordern und es fängt mit diesen Leuten an, die sich selbst repräsentieren, dass Erzählungen entstehen, die keine Klischees und Stereotypen sind. Viele wissen gar nicht, dass ihre Ansichten problematisch sind und vielleicht liegt es daran, dass es keine Diversität in ihrem Umfeld gibt. Selfies sind ein Mittel Selbstrepräsentation und damit für uns alle, um uns einander besser zu verstehen.

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