transgender ist kein trend, sagt model ines rau

Wir sprachen mit dem Model über Ruhm, Märchen und wieso man die Transgender-Community nicht mehr ignorieren kann.

von Tish Weinstock
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08 Oktober 2015, 2:02pm

Foto: Thomas Lohr

Schon seitdem sie klein war, wollte Ines Rau ein Mädchen sein. Dass sie zu einem der schönsten Mädchen der Welt werden würde, kam ihr damals noch gar nicht in den Sinn. Nachdem sie mit ihrer Familie und ihren Freunden sprach, unterzog sich die in Frankreich geborene und in New York lebende Schönheit im Alter von 16 geschlechtsangleichenden Operationen. 2013 schrieb sie als erstes Transgender-Model im legendären Playboy Geschichte. Für die Art Issue wurde sie nackt fotografiert, sie stand für E wie Evolution. Es war das erste Mal, dass Ines ihren weiblichen Körper der Welt zeigte.

Die Bilder waren eine Sensation und haben schnell die Aufmerksamkeit der Marilyn Agency auf sich gezogen. Die Agentur nahm sie auf der Stelle unter Vertrag. Sie stand für Kampagnen von Alexis Bittar und Barneys (für diese Kampagne wurde sie von Bruce Weber neben 16 anderen Transgender-Kreativen in Szene gesetzt), sie lief für Nicole Miller und für OOB wurde sie in sexy Posen mit dem Model-Hunk Tyson Beckford abgelichtet. Die Schwarz-weiß-Bilder waren so explizit, dass Instagram ihren Account löschte, als sie versuchte, die Bilder zu posten.

Wie bist du zum Modeln gekommen?
Das ist so passiert. Ich unterzog mich zuerst den geschlechtsangleichenden Operationen, ich war sehr jung. Ich habe mich schon immer für Mode und Musik interessiert und wurde von meiner Agentur in New York entdeckt, nachdem dem Shooting für den amerikanischen Playboy.

Wie alt warst du bei der Geschlechtsumwandlung?
Die Hormonbehandlung fing ich mit 16 Jahren an. Ich war alt genug, ging zu mehreren Ärzten und mit der Unterstützung meiner Familie war ich dann soweit, die Umwandlung durchzuführen. Das wollte ich am meisten, und es hat mein Leben komplett geändert. Ich habe mich nie als etwas anderes als eine Frau gesehen. Ich wäre lieber gestorben, statt als Junge durchs Leben zu gehen. Dieses Gefühl hatte ich schon seitdem ich denken kann.

Wie hast du dich gefühlt, als du nackt für den Playboy fotografiert wurdest?
Es war ein persönliches Erfolgserlebnis, weil ich mich vorher nie nackt hätte fotografieren lassen können. Meine weiblichen Geschlechtsteile sind mir heilig; es ist meine Geschichte und meine Reise - so persönlich und privat. Es hat mich schon viel Überwindung gekostet, auf so einem großen Set vor so vielen Kameras nackt zu posieren. Aber ich bin sehr stolz, dass ich es gemacht habe und die Bilder sind so schön.

Was bedeutet dir das Modeln?
Modeln ist der Ausdruck von Schönheit und Style - schamlos und mutig. Bei jedem Job wird eine andere Geschichte erzählt. Style macht einen stark und man erhält dadurch viel Selbstbewusstsein. Die Leute brauchen es aus Ausdrucksmittel ihrer Kreativität, egal wie es ihnen geht. Die Modeindustrie repräsentiert jede Art von Schönheit und Gender. Es ist so toll. Ich liebe es.

Was war bisher dein Karrierehöhepunkt?
Das war mein Aktshooting für den amerikanischen Playboy. Ich war die erste nackte Trans-Frau in der Geschichte des Magazines.

Dein Instagram-Account wurde mehrmals deaktiviert. Was denkst du über die Social-Media-Zensur des weiblichen Körpers?
Mein Instagram-Account wurde mehr als deaktiviert, er wurde zweimal gelöscht. Aber fairerweise muss man sagen: Auch wenn die Aktbilder mit Tyson Beckford, die ich gepostet habe, Editorials waren, sie verstießen gegen die Instagram-Richtlinien. Ich stehe zu meinen Fehlern. Ich persönlich denke, dass Brustwarzen nicht zensiert werden sollten.

Wie war das Shooting mit Tyson? Warst du auf die mediale Aufmerksamkeit vorbereitet?
Das Shooting mit Tyson Beckford war einfach fantastisch. Seitdem sind wir Freunde. Wir waren nicht auf so viel mediale Aufmerksamkeit vorbereitet, um ehrlich zu sein. Das war eine totale Überraschung.

Hast du dir jemals vorstellen können, ein weltbekanntes Supermodel zu werden?
Ich hatte keinen Plan, ein Laufstegmodel zu werden. Ich wollte einfach ein Mädchen sein und dann hat es sich einfach so entwickelt. Es ist wie ein wahrgewordenes Märchen. Ich habe nie geglaubt, dass das passieren würde. Manchmal muss ich mich kneifen, um zu realisieren, dass ich nicht träume.

Transgender-Themen wurden Teil des gesellschaftlichen Diskurses. Wie kam es deiner Meinung nach dazu?
Ich glaube, dass es eine natürliche gesellschaftliche Entwicklung ist. Wir können Transgender-Leute nicht mehr ignorieren. In der Mode und Gesellschaft ist eine neue Zeit angebrochen: Keiner wird mehr übergangen; über jedes Geschlecht, jedes Problem und jede Situation wird gesprochen, ist vertreten und man kann mehr darüber erfahren. Wenn man Leute aufklärt, können sie verstehen und irgendwann begrüßen sie es sogar vielleicht.

Werden Transgender-Leute objektiviert und als Trend ausgebeutet, besonders in der Mode?
Ich glaube ein Problem könnte dabei sein, dass viele feminine Jungs glauben, Transgender sein zu müssen, nur weil es ein Trend ist. Deshalb empfehle ich immer, sich sicher zu sein und einen Spezialisten aufzusuchen. Es handelt sich dabei nicht, um eine neue Frisur - das Leben ändert sich. Viele junge Crossdresser werden neuerdings Transgender genannt.

Welchen Ratschlag würdest du Transgender-Jugendlichen geben, die sich nicht trauen, so zu sein, wie sie sind, und die Angst davor haben, verurteilt zu werden?
Macht euch nicht von den Meinungen der anderen abhängig. Seid euch sicher, dass es das ist, was ihr wirklich wollt. Wie schon weiter oben gesagt habe, es ist kein Trend. Wenn du dich selbst nicht als Frau mit weiblichen Geschlechtsorganen siehst, dann bist du keine Trans-Frau.

Was bedeutet Gender für dich?
Entscheidend ist, was im Herzen ist. Gender und Sexualität sagen noch nichts darüber aus, wer du bist. Das Herz und die Taten zählen.

Was macht eine Person schön?
Mitgefühl, Freundlichkeit, Humor und Selbstbewusstsein.

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Credits


Text: Tish Weinstock

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