chinah stehen für den sound des coolen neuen kopenhagen

Seit wir sie letztes Jahr beim Spot Festival in Aarhus das erste Mal gehört haben, sind wir Fans von Chinah. Zum Release ihrer Debüt-EP „Once The Lights Are On“ haben wir das dänische Trio zum Kurzinterview getroffen, um mehr sie zu erfahren.

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19 Februar 2016, 9:05am

Chinahs Sound hört sich so vertraut an, dass du ihre Musik mit der von anderen jungen Bands, deren softer Alternative-Elektro gerade so schwer angesagt ist, verwechseln könntest. Wir denken dabei an Bands wie The Weeknd und Musiker wie FKA Twigs oder Frank Ocean. Wenn du dich mit den Dreien aber unterhältst oder sie live auf der Bühne im berühmten Kopenhagener Haus Vega erlebst, dann wird schnell klar, dass sie Dänen begnadete Talente sind, die keinen Vergleich mehr brauchen. Sängerin Fine Glindvad, Gitarrist Sim Kjær und Simon Andersson bedient die Synthesizer. Letzte Woche haben sie ihre erste EP Once The Lights Are On veröffentlicht, auf der sie so gekonnt Synth Pop und Minimalist R 'n' B verbinden. Im Interview haben sie uns verraten, dass die Kategorisierung von Musik nicht unbedingt ihrem Ansatz entspricht: „Für uns ist es einfacher, wenn wir über Musik in Bezug auf Kontraste, Dynamiken oder Gefühlen sprechen, anstatt in Genregrenzen zu denken."

Als sie sich auf der Volkshochschule getroffen haben, diese typischen skandinavischen Internatsschulen, in dem die Künste und persönliche Selbstentfaltung aufeinandertreffen, war nicht von Anfang an klar, dass sie zusammen Musik machen würden. Fine und Sim waren an Folkmusik interessiert und sie haben Songwriting studiert. Simon war „ein Nerd, der richtig gut im Clicks & Cuts werden wollte."

„Die Schule war nicht der Anfang von Chinah", erklären sie mir. „Aber es war der Anfang unserer Freundschaft." Fine hat 2013 damit angefangen, unter ihrem eigenen Namen Folksongs zu singen und wurde dabei von Kjær mit der Gitarre begleitet. Es dauerte noch eine Weile bis sich Chinah zusammenfand.

Fine schreibt die Texte zu den Songs immer noch selbst, aber der Rest vom Songwriting findet gemeinschaftlich statt, und ist anders als zu den Folkanfangszeiten. „Unser kreativer Prozess findet nicht im Proberaum statt, sondern es geht um die Produktion innerhalb eines Musikprogramms." Das Ergebnis ist eine Kombination aus warm und kalt, eine Musik zwischen melancholischen Melodien, geschmeidigen Gitarrenriffs und fröhlichen Synthiesounds.

Statt übertriebener Emotionalität in ihren Songs, steht Chinah für einen realistischen Zugang. Trotzdem verfallen sie dabei nicht in Traurigkeit. „Wenn die Texte eines Songs sehr emotional sind, tendieren wir dazu, bei der Melodie nicht besonders melodisch zu sein. Wir versuchen nicht, die Emotionen zu übertreiben. Wir mögen es gerne subtil."

Die Balance zwischen Anteilnahme und Abgeklärtheit, zwischen Verletzlichkeit und Stärke ist für Sängerin Fine Glindvad entscheidend. „Wenn wir unsere Songs live spielen, ist es sehr befreiend, dass die Melodien oft fröhlicher sind als die Texte. Es ist einfacher, mit unseren musikalischen Themen umzugehen, wenn die Produktion konträr zu den Texten ist." Pop ist ein Mittel, um die Melancholie auf Abstand zu halten und für uns gleichzeitig ein Zeichen von Wachstum. Apropos Produktion. „Ich wollte konzeptionell, cool und unabhängig sein", erinnert sich Simon an seine Zeit als Glitch Artist, als sein Ziel vorrangig darin bestand, seine Musik so unzugänglich wie möglich klingen zu lassen. Alle drei haben im Laufe der Zeit gelernt, ihre Hemmungen fallen zu lassen und zu akzeptieren, dass es „OK ist, einen Song beim ersten Hören zu mögen."

Chinah möchte Musik machen, die experimentell und anspruchsvoll ist, die sich aber auch genauso gut anhören lässt. „Wir wollen die Leute innerhalb der Grenzen der Popmusik herausfordern. Eingängigkeit kein böses Wort mehr für uns."

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Credits


Text: Luna Cohen-Solal
Foto: Ursula Hesnner Marcussen