wie grindr und robert mapplethorpe pieters fall/winter 16-kollektion inspiriert haben

Wie Robert Mapplethorpe und Grindr Pieter diese Saison inspiriert haben.

von i-D Staff
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12 Januar 2016, 9:50am

Während J.W. Anderson seine Fashionshow per Livestream auf der schwulen Dating-App Grindr zeigte, nutzte Pieter die bekannte Statusmeldung „HH" (High & Horny) in Grindr-Profilen als Slogan auf T-Shirts. Neben der bekannten Abkürzung aus der schwulen Techno-Szene gibt es in der neuen Kollektion auch einen roten Slogan-Sweater mit dem Wort „Cruise": eine Reise in die Vergangenheit vor Dating-Apps, als schwule Männer noch Örtlichkeiten und Parks auf der Suche nach Sex aufsuchen mussten. Bei der choreographierten Präsentation teilten sich zwei Models ein Podium und stellten Vanilla-Versionen von Robert Mapplethorpes berühmtem Bild Brian Ridley and Lyle Heeter von 1979 nach. Darauf ist ein Leder-Daddy (mit Gerte) mit seinem gefesselten, devoten Sklave zu sehen. Aus den Lautsprechern dröhnten House-Tracks und die Posen der Models erzeugten den Nervenkitzel einer sexuellen Eroberung, schwule Redakteure aus aller Welt wussten, was gemeint ist, und lächelten anerkennend.

Die Pieces aus der Autumn-/Winter-16-Kollektion sind aber keine Kopien der Mapplethorpe-Foto, der Designer hat sich vielmehr von Einzelheiten inspirieren lassen. Piercings als Reißverschluss im Schritt erinnern an Prince-Albert-Piercings. Lederhosen werden mit einem Schlüsseranhänger kombiniert, der auch als Peitsche verwendet werden kann.

In früheren Kollektionen des niederländischen Designers dominierten neutrale Farben und Röcke für Männer. Mit kräftigem Rot, Schwarz und Weiß, mit Lederhosen und Steppwesten schlägt Sebastiaan Pieter diese Saison eine neue Richtung ein. Sexappeal ist das Schlagwort. Zum ersten Mal hat er mit Leder gearbeitet und das Material scheint ihm zu gefallen. „Leder umgibt dieses Gefühl von Sicherheit. Es steht für das Spannungsverhältnis zwischen Schmerz und Lust. Leder hat etwas Sicheres und Unsicheres zugleich." An den Armen befestigte der junge Designer Riemen. „Ich habe mit dem Fetisch von Lederriemen gespielt, das ist sexy." Es war ermutigend zu sehen, dass ein junger schwuler Mann direkt mit den Elementen schwuler Kultur spielt, wird doch die Modewelt von schwulen Männern dominiert. Ob er darauf nun steht oder einfach nur beobachtet, ist dabei zweierlei. Oversized-Mäntel, schmal geschnittene Hosen und sportive Zipper-Tops mit Reißverschlüssen aus Nylon runden die Kollektion ab. Ein gelungenes Spiel zwischen dem Devoten und Konventionellen.

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Credits


Text: Stuart Brumfitt
Fotos: Jason Lloyd Evans

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