könnte hillary clinton die erste weibliche präsidentin der usa werden?

Hillary Clinton könnte die erste Präsidentin der USA werden, aber sollten wir nicht nach vorne schauen, anstatt zu einer Politik von gestern zurückzukehren?

von Tess Reidy
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17 April 2015, 6:25am

Sie hat sich lange geziert, ihre Kandidatur öffentlich bekannt zu geben, aber am Sonntag hat Hillary Clinton schließlich den Schritt gewagt und verkündet, dass sie einen zweiten Anlauf nehmen will, um der erste weibliche Oberbefehlshaber der USA zu werden.

Die Aussicht, dass die USA eine Frau wählen, ist ziemlich aufregend. Hillary ist zur großen Heldin der gebildeten und berufstätigen Frauen in den USA geworden. Kleine Mädchen identifizieren sich mit ihr und wollen eines Tages auch so werden wie sie. Weiblichen Wählern kommt bei dieser Wahl eine entscheidende Bedeutung zu und wie politische Beobachter ausgeführt haben, würde sie eine perfekte US-Präsidentin abgeben und die Sichtbarkeit von älteren Frauen überall auf der Welt erhöhen.

Auf der anderen Seite repräsentiert sie aber auch eine Rückkehr zu einer Politik von gestern; eine Politik, mit der sich junge Leute schwer tun könnten. Wie immer in der Politik und bei Social Media wurden auch bald negative Stimmen laut. 

Neben bösen Kommentaren über ihre Persönlichkeit waren ihre Kritiker schnell dabei, vor der Entstehung einer Clinton-Dynastie zu warnen. Wenn man bedenkt, dass Jeb Bush, dem ehemaligen Gouverneur von Florida, Bruder und Sohn der ehemaligen Bewohner des Weißen Hauses George W und George HW Bush, gerade zu den heiß gehandelten Kandidaten der Republikaner gehört, könnte seine Nominierung die Wahl in einen Kampf zwischen den bekanntesten Familiennamen in der neueren US-Geschichte führen.

Für viele wirkt es geradezu schräg, dass die Lösung von Amerikas Problemen aus den 90ern kommen soll. Aber wie Joshua Simon, Dozent für nordamerikanische Politik am Londoner King's College erklärt, sind es keine Familiendynastien im traditionellen Sinne. „Wir haben den Bruder eines ehemaligen Präsidenten, der gegen ein Mittbewerberfeld von Politikneulingen und gegen die Frau eines ehemaligen Präsidenten antritt, dabei würde es sich nicht um eine Dynastie im klassischen Sinne handeln", sagt er.

Ein weiteres Problem ist, dass Hillary diese Wahl nur verlieren kann. Die Mehrheit der Wähler bei den letzten Wahlen hat für die Demokraten gestimmt, auch bei der Wahl 2000, als George W. Bush an die Macht kam. Da die republikanische Partei immer regionaler, älter und weißer wird, die USA hingegen aber immer jünger und vielfältiger werden, fällt es einem schwer zu sehen, womit die Republikaner punkten könnten. Für viele repräsentiert Hillary Clinton dieses neue Amerika aber nicht und die Sorge ist, dass sie nicht von den Vorteilen profitieren kann, die Obama bei seiner Wahl und Wiederwahl geholfen haben.

Obwohl die Demokraten üblicherweise von Hollywood unterstützt werden, Lena Dunham, RuPaul, Carole King und Ariana Grande waren schnell dabei, sich pro Hillary zu äußern, ist ihre Marke für das Fernsehpublikum ein bisschen langweilig.

Obamas Kampagne war aufregend und brachte junge Leute und Angehörige von Minderheiten an die Wahlurnen. Einige fürchten, dass wir das dieses Mal nicht erleben werden. „Als erfahrene Politikerin hat uns Hillary Clinton bewiesen, dass sie die Dinge eher sehr sicher angeht. Sie orientiert sich stark an Umfragen und sie positioniert sich, genau wie ihr Ehemann, immer so, wie es für ihre Wahl zuträglich ist und das finde ich langweilig", sagt Simon.

Aber wie Clive Webb, Professor für Neuere amerikanische Geschichte an der University von Sussex erläutert, liegt der Schlüssel für die Verbindung von Hillary und der jüngeren Generation in ihrer Tochter Chelsea. „Chelsea ist eine junge berufstätige Mutter, die die Zielgruppe verkörpert, hinter der die Clinton-Kampagne her ist. Sie wird eine sichtbare Rolle beim Rennen ums Weiße Haus spielen", prophezeit er.

Mehrere prominente Politiker des sogenannten progressiven Flügels der Demokraten, wie der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio, verweigern bislang ihre Unterstützung für Hillary Clinton, weil sie klare Aussagen von ihr zu liberalen Anliegen wie Klimawandel und zu einer Reform der Wall Street vermissen. Ein ehemaliger glühender Hillary-Anhänger sagte mir: „Ich habe mich von ihr abgewendet. Das Problem mit Obama ist, dass er keine tiefgreifenden Reformen der Wirtschaft oder bei der Verteilung von Reichtum angepackt hat. Aber ich nehme ihm das nicht übel, weil er im Prinzip ein Gemäßigter ist. Ich denke, dass sein Nachfolger links von ihm stehen sollte und das ist Hillary nicht."

Andere stimmen dieser Einschätzung zu. Simon denkt, dass sie als bisher einzige Kandidatin der Demokraten eine klarere Vision mit ihrer Kampagne repräsentieren sollte. „Ihrer Ankündigung hat es an Substanz gefehlt. Sie hat keine Politik präsentiert, sie hat nur ein poliertes Werbeimage von sich selbst präsentiert", sagt er. „Jetzt hat sie die Gelegenheit - ohne Unterbrechung - zu sagen, welche Politik sie verfolgen will und was sie zu einer überzeugenden Präsidentin machen würde, aber bisher kaum aus dieser Richtung nichts."

Einige Beobachter betrachten die starke Stellung einer Kandidatin als eine Belastung für die Demokraten. Ihre Sorge ist, dass es keine Politikdebatten geben wird, die die linken Kräfte in der demokratischen Partei begeistern können. Wohingegen den Republikaner Debatten zwischen Gemäßigten, wie Jeb Bush und Marco Rubio, und Konservativen, wie Scott Walker und Rand Paul, ins Haus stehen dürften. Dadurch wird die Basis der Republikaner in einer Weise motiviert, wie es Hillary nicht vermag. Sie wird einzig darauf verweisen, dass sie die Alternative zu jedem Kandidaten der Republikaner ist. Nach acht Jahren Obama hat Amerika vielleicht auf etwas mehr gehofft.

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Text: Tess Reidy
Image via Fmcabezadevaca

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