bea hat es mit dem berühmt werden nicht eilig

Ihr Name sorgt in der Musikwelt für Begeisterungsstürme und Musiklabel stehen Schlange, um sie unter Vertrag zu nehmen, aber BEA wartet geduldig auf den richtigen Moment. Wir trafen die zukünftige Popikone und sprachen mit ihr über Anonymität und...

von Sander van Dalsum
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05 Mai 2015, 12:45pm

Es passiert im 21. Jahrhundert nicht oft, dass ein Künstler ohne jede Social-Media-Bemühungen für Begeisterung sorgt. Mit ihrem experimentellen und romantischem Pop und reduziertem Presse-Profil beweist die niederländische Singer-Songwriterin BEA, dass man heutzutage immer noch zum Star werden kann, ohne einen Plan zu haben. Die Amsterdamerin hat bis jetzt nur eine EP veröffentlicht, aber die Musiklabel stehen Schlange, um sie unter Vertrag zu nehmen. Sie gibt selten Interviews, also freuen wir uns umso mehr, dass wir mit der zukünftigen Popikone über Anonymität und künstlerische Geduld sprechen konnten.

Hi BEA! Du gibst nicht viele Interviews, aber wir haben dich endlich erwischt.
Ich rede nicht gerne so viel über mich. Ich finde es interessanter, einfach etwas zu machen und auf die Reaktion der Leute zu warten. Etwas in Leuten auszulösen, anstatt ihnen zu sagen, was sie denken sollen.

Es gibt viele Musiker, die einfach so schnell wie möglich erfolgreich werden wollen. Ich habe den Eindruck, dass dir Ruhm nicht sonderlich wichtig ist.
Ich denke, dass Ruhm relativ ist. Das Wort umgibt ein Stigma, weil es viel mit Eitelkeit und Aufmerksamkeitshascherei für oberflächliche Dinge zu tun hat. Gleichzeitig bedeutet es aber auch Aufmerksamkeit für die Dinge, die du tust. Also wenn du unter Ruhm verstehst, dass man viel über sich selbst redet, dann bin ich nicht interessiert. Ich habe einfach das Gefühl, dass ich mit einem Interview nicht mehr erzählen kann, als ich ohnehin nicht schon mit meiner Musik mache.

Und dann gab es diesen einen Song, der dir die Aufmerksamkeit gebracht hat. Wie kommst du damit klar?
Die Aufmerksamkeit ebbt schon ein bisschen ab, was bezeichnet dafür ist, wie es immer läuft. Meine erste Single wurde von Kritikern gelobt und der Guardian hat darüber berichtet. Aber ich denke, dass es sich damit so wie mit Designer-Kleidung oder ein hippes Restaurant. Am Ende sind für alle anfällig für Status, ich auch. Wenn ich mal darüber nachdenke, was alles passiert ist, dann bin ich wie ein bisschen erschrocken und denke mir ‚Wow, das läuft alles so gut'. Es ist immer noch alles ziemlich cool, also versuche ich manchmal, es kleiner zu halten als es ist.

Konntest du - aufgrund der frühen Entdeckung- leichter herausfinden, wer du bist?
Absolut! Aber ich habe auch viel gelernt, durch Allem, was letztes Jahr passiert ist. Ich habe Good Thinking in einem bestimmten Format veröffentlicht wegen der Leute, mit denen ich zur der Zeit zusammengearbeitet habe. Damals dachte ich, dass es OK wäre, aber mittlerweile denke ich, dass mir dieses EP-Format nicht gefällt. Beim nächsten Mal möchte ich es anders machen. Ich möchte einfach weniger Zeit verstreichen lassen zwischen dem Moment, an dem ein Song fertig ist, und dem Moment, an dem er online verfügbar ist. Das fühlt sich für mich ehrlich an. Auf diese Weise kann ich produktiv sein, weil ich weiß, dass die Musik gleich einen Ort haben wird.

Aber so werden wir nie eine LP von dir bekommen!
[Lacht]. Es wird eine LP geben, alles zu seiner Zeit. Ich bin recht wankelmütig. Ich habe auch schon so viel Musik gemacht, dass mir absolut sicher bin, dass auch ein Album möglich ist. Ich werde aber nicht mehr sagen, nicht das es noch die Magie zerstört. Alles, was ich sagen kann, ist, dass etwas erscheinen wird, das meine bisherigen Arbeiten bestätigt.

Was hast du vor BEA gemacht?
Ich bin in Amsterdam geboren und aufgewachsen. Als ich jünger war, habe ich viel mit DJs zusammengearbeitet. Damals fand ich es interessant, mich einfach nur als Sängerin zu präsentieren. Ich kam ins Studio und dann habe ich den Text zu einem existierenden Song geschrieben. Ich war ziemlich unterwürfig damals, aber seitdem ich angefangen habe, mit Tim [Benny Sings] zusammenzuarbeiten, habe ich gelernt, dass ich eine Songwriterin werden möchte.

Neben Benny Sings hast du auch mit Dev Hynes (Blood Orange) zusammengearbeitet. Werden wir von dieser Kollaboration etwas hören?
Ich kann lediglich sagen, dass wir uns getroffen haben und dass das Schreiben und das Aufnahmen echt Spaß gemacht hat. Er hat wirklich seinen eigenen Sound und es war großartig zu sehen, wie alles zusammenkommt. Um dir einen Eindruck zu geben: Ich habe nie die Texte für die gesungen, aber für ihn habe ich das getan. Außerdem habe ich einige Texte geschrieben, die er gesungen hat; etwas, das er auch noch vorher getan hatte.

So etwas einfach so zu veröffentlichen, könnte dir den Ruhm einbringen, über den wir vorhin gesprochen haben.
Ja, aber gleichzeitig ist es schon eine enorme Ergänzung meiner musikalischen Inspirationen, ihn einfach nur zu kennen. Auch wenn wir es nicht veröffentlichen werden, denke ich immer noch, dass es cool war, ihn zu treffen. Ich erzwinge es nicht. Das Beste an solchen Kollaborationen ist, dass du sofort hörst, wie viel Spaß die Leute bei den Aufnahmen hatten und dass es nicht nur aus Bequemlichkeit erfolgte.

Würdest du gerne vom Musikmachen leben können?
Ja, aber gerade bin ich zu stur, glaube ich. … Aber man soll ja niemals nie sagen. Vielleicht bin ich Ende des Jahres bei einem Label unter Vertrag und kann dann mehr machen. Jetzt habe ich die verschiedene Jobs, die mir Grenzen setzen, deswegen ist mein Leben ziemlich hektisch. Viele Label haben sich an mich gewandt und ich habe einige dieser Leute nachgeschlagen und war wirklich geehrt, von dem ich da so alles kontaktiert wurde. Ich denke einfach, dass ich zuerst noch mehr Musik haben muss.

Deine letzte EP war sehr von der britischen Musikszene der 90er beeinflusst. Deine Eltern sind Engländer, ist das Zufall?
Wahrscheinlich? Ich denke, dass mich mein Elternhaus geprägt hat, weil zu Hause immer Musik lief. Meine Mutter hat eine Art Land-Deep-House gehört, psychedelisches Zeug. Keine Ahnung, ob daher das 90er-Tip-Hop-Feeling in meiner Musik kommt. Ich habe viel Luftakrobatik gemacht und meine Soundtrack dazu war Cirque du Soleil. Daher müssen auch einige Einflüsse kommen. Letztendlich bin ich aber einfach nicht gut darin, die unterschiedlichen Genre zu benennen. Ich habe neulich mit einer 70-jährigen Dame gesprochen, die sagte: „Sie sind eine Sängerin. Klassisch oder modern?". Und ich wusste nicht, wie ich antworten sollte. Für mich gibt es keine wirkliche Grenze zwischen den beiden. Ich weiß tatsächlich nicht sehr viel über Musik, aber ich weiß, was ich mag.

bea1991.info

Credits


Text: Sander van Dalsum
Foto: Violette Esmeralda für Eric Elenbaas Agency