im gespräch mit julia garner

Wir wollten die in der Bronx geborenen Schauspielerin und Balenciaga-Model genauer kennenlernen und ließen uns erklären, wie es war, neben der legendären Komödiantin Lily Tomlin vor der Kamera zu stehen.

von Colin Crummy
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03 Dezember 2015, 12:30pm

In ihrem neuen Film Grandma spielt Julia Garner eine Teenagerin, deren Leben in die falschen Bahnen geriet. Die 18-jährige Sage braucht 600 Dollar, um eine Abtreibung zu finanzieren, nachdem sie von ihrem Pott-rauchenden Schwachkopf von einem Freund geschwängert wurde. Ihre Mutter, eine stockkonservative Anwältin, die gleichzeitig auf einem Laufbahn trainiert und am PC arbeitet, würde es nicht verstehen. Ihr Freund ist sowieso nicht zu gebrauchen. Also wendet sie sich an ihre Großmutter Elle, eine lesbische Dichterin und Akademikerin, die immer noch am Tod ihrer Lebenspartnerin zu knabbern hat. Aber auch Großmütter haben irgendwann mal kein Geld und Elle zeigt Sage das wunderschöne Windspiel, das sie aus zerschnittenen Kreditkarten gebastelt hat. Was danach folgt, ist ein unterhaltsamer Roadtrip des ungleichen Paares, um die Schulden einzutreiben und so das Geld für die Abtreibung zusammenzukratzen. Der Film ist feministisch, lustig und berührend. Die wunderbare Lily Tomlin spielt Freigeist Elle und OITNB-Star Laverne Cox hat ebenfalls eine Rolle.

Jacke: Alice Roi. 

Der Film stellt auch einen Wendepunkt für Garner dar, die die schwierige Aufgabe, neben Lily Tomlin zu spielen, scheinbar ohne große Mühen gemeistert hat. War sie eingeschüchtert, als sie erfuhr, dass sie mit so einer legendären Komödiantin zusammenarbeiten würde? „Ich wurde erst nervös, als ich meinen Koffer für die Dreharbeiten packte", erinnert sich die in der Bronx geborene New Yorkerin. „Ich dachte mir dann nur, dass ich zusammen mit Lily Tomlin in einem Film mitspielen werde, oh mein Gott." Die 21-jährige Amerikanerin ist aber fast schon ein alter Hase im Schauspielgeschäft. Mit 15 Jahren nahm sie Schauspielunterricht, um ihre Schüchternheit zu überwinden, und schon zwei später hatte sie in Martha Marcy May Marlene ihr Filmdebüt. Schon seit frühester Kindheit ist sie eine Filmenthusiastin, Bette Davis sei für sie eine Inspiration. Seitdem war sie in Rollen in Vielleicht lieber morgen, We Are What We Are und in der Fernsehserie The Americans zu sehen. Als nächstes steht die Literaturverfilmung Tomato Red aus der Feder des Schriftstellers Daniel Woodrell, der auch Winter's Bone schrieb, an. Der Titel des 1988 erschienenen Country-Noir-Romans ist eine Referenz an die Haarfarbe der Protagonistin. 

Als wir Julia treffen ist die Farbe noch nicht ganz aus ihren Haare herausgewaschen. „Die Farbe war so intensiv rot, ich werde wieder langsam blonder, aber für eine Weile wird es jetzt erst einmal dieses merkwürdige Champagnerfarbe sein", erklärt sie. „Ich muss einen Termin beim Friseur vereinbaren." Ihre bekannten blonden Locken opferte sie für die Balenciaga-Show im Rahmen der Pariser Fashionweek diesen Oktober. Laut eigenen Aussagen sei es eine entmutigende Erfahrung gewesen. „Normalerweise laufe ich ganz gut in Highheels. Gott sei Dank hatten wir alle flache Schuhe an", sagt sie lachend. „Die Models mit ihren langen Beinen sind vor und hinter mir so schnell gelaufen. Ich war wirklich gestresst. Während der Proben hatte ich einen Derek-Zoolander-Moment, wo ich einfach nicht nach links laufen konnte. Ich habe einfach einen Blue Steel gemacht, als ich nicht nach links laufen konnte."

Grandma erscheint im Februar 2016 auf DVD und Blu-ray.

@juliagarner94

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Credits


Text: Colin Crummy 
Foto: Stef Mitchell 
Styling Coco Cassibba
Haare: Neil Grupp at The Wall Group verwendete Aquage
Make-up: Kanako Takase verwendete NARS
Stylingassistenz: Kuschan Hojjatia

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