acht junge, muslimische kreative diskutieren darüber, wie ihr glaube ihre arbeit beeinflusst

Immer noch werden muslimische Communitys unter Generalverdacht gestellt, wir haben mit jungen Muslimen über ihren Glauben, die Medien und Islamophobie gesprochen.

von Ted Stansfield
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22 Juni 2015, 9:15am

Seit den Terroranschlägen vom 11. September steht die muslimische Community unter Generalverdacht, sie wird für die Charlie Hebdo-Anschläge in Frankreich, die Taten von Boko Haram in Nigeria und die des IS im Irak und Syrien verantwortlich gemacht. Bei der Berichterstattung über die Personen, die für diese Taten verantwortlich sind, wird meistens auf ihre Religiosität verwiesen, anstatt über ihre individuelle Schuld zu berichten. Die friedfertige Mehrheit? Die wird größtenteils ignoriert. „Das Ding ist, dass die Medien immer einen Buhmann brauchen", sagt Faraz Osman, Regisseur einer Fernsehproduktionsfirma. „In der Vergangenheit waren das die Russen, die Iren, die Franzosen, die Sozialhilfeempfänger, Asylanten und viele andere, die diese Rollen ausfüllten. Momentan fühlt es sich so an, als ob die Muslime verflucht sind, diese Rolle mehr als andere auszufüllen". Im besten Fall ist es schlampiger Journalismus, im schlechtesten Fall ist es systematische Islamophobie. Dennoch wird dieses Narrativ im Namen einer guten Geschichte oder von gutem Fernsehen verewigt und Stereotype so verstärkt - beides ist gefährlich. Es ist eine Form von sozialer Unterdrückung, die Leute auf eine Art und Weise falsch darzustellen, über die sie keine Kontrolle haben, und so den Blick auf diese Personen formen und letztlich wie sie behandelt werden. Wir trafen acht junge Muslime mit unterschiedlichen Hintergründen, einige identifizieren sich als praktizierende Muslime, andere als kulturelle, alle arbeiten in der Kreativbranche und wir haben sie nach ihrer Meinung gefragt.

Ray Rahman, Modedesigner

Wie beeinflusst dein Glaube deine Arbeit?
Ich werde ständig davon inspiriert, wie der Islam in den Medien dargestellt wird, die Glaubensausübung und die Idee des Terrorismus. Ich war schon immer ein Kämpfer für die Unterdrückten, momentan sind wir Muslime die Unterdrückten in der Welt. Aktuell bin ich besessen von der Jugend im Gazastreifen. Ich mag es, wie die Leute im Nahen Osten westliche Luxusmode mit der Realität ihres Glaubens und ihrem Budget mixen.

Muneera Williams und Sukina Owen Douglas, das HipHop/Sprechgesang-Duo Poetic Pilgrimage

Wie beeinflusst euer Glaube eure Arbeit?
Wir sind vor zehn Jahren Muslima geworden, davor waren wir bereits Performance-Künstlerinnen und in unseren Texten sprachen wir soziale und politische Probleme wie Emanzipation an - wir sind eine Stimme der Frauen und der wenig in der Öffentlichkeit Repräsentierten. Wir waren schon immer sehr spirituell und gottbezogen. Nachdem wir Muslima wurden, hat sich unsere Musik und der Inhalt nicht so sehr verändert, die Musik wurde kultivierter. Wir verzichten jetzt auf Schimpfwörter, unsere Röcke wurden länger und wahrscheinlich spiegelt unsere Musik jetzt unsere momentane Realität wider, aber abgesehen davon hat sich nicht viel geändert. Bevor wir performen, bevor wir Songs schreiben und sogar im Studio, wir beginnen immer mit einem „Bismallah", was „Im Namen Gottes" bedeutet. Das erinnert uns daran, mit guten Absichten zu beginnen und dass alle Chancen, die wir bisher hatten, der Gnade Gottes geschuldet sind.

Mim Shaik, Radiomoderator der BBC-Hörfunkwellen BBC Asian Network und BBC Radio 1Xtra sowie YouTube-Persönlichkeit

Was denkst du über die Islam-Berichterstattung der Medien?
Ich habe gelernt, dass die Berichterstattung über egal was niemals objektiv ist, sie ist immer einseitig und voller Vorurteile des bestimmten Unternehmens, der Anstalt oder des Redakteurs. Die mediale Berichterstattung über den Islam ist ein gutes Beispiel dafür. Wir hören nie Geschichten über die tolle Arbeit junger, muslimischer Kreativer in der Welt. Stattdessen werden wir bombardiert mit der Verunglimpfung von Muslimen, auch wenn nur ein Prozent der gesamten muslimischen Bevölkerung dazu Anlass geben könnte.

Hind Sahli, Model @ IMG Models

Was denkst du über die Islam-Berichterstattung der Medien?
Die Medien übertreiben und sie tun so, als ob der Islam die schlimmste Religion ist. Natürlich gibt es einige Leute, die ihn für ihre eigenen Zwecke missbrauchen, aber der Islam soll eine friedliche, eine vergebende Religion sein. Es scheint so, wenn es in den Medien um den Islam geht, dann geht es immer um Extremisten. Aber es gibt immer zwei Seiten und Extremisten gibt es in jeder Religion.

Ahmed Hussain, Producer der BBC-Hörfunkwellen BBC Radio 1 und BBC Radio 1Xtra

Was denkst du über die Islam-Berichterstattung der Medien?
Der Islam wird als Monsterreligion mit negativen Assoziierungen bei jedem Wort dargestellt. Muslime wie ich werden nie nach unserer Meinung gefragt, aber diejenigen mit einer verdrehten Weltansicht werden gefragt. Der Islam ist eine Religion der Mäßigung. Die Ironie ist, dass Artikel/Nachrichtenbeiträge oft von Leuten recherchiert werden, die mit dem Islam und dessen Bandbreite nicht vertraut sind. Jeder Journalist oder Redner ist plötzlich ein Islamexperte, ob er nun Muslim ist oder nicht.

Dala Nasser, Künstlerin

Wie beeinflusst dein Glaube deine Arbeit?
Mein Islam-Verständnis war schon immer eher sozial als religiös geprägt. Ich habe kein großes Bedürfnis, diesen Unterschied darzustellen. Meine Arbeiten hinterfragen die Normen, die Produktion und die Erwartungen der Malerei. Vielleicht beeinflusst die Tatsache, dass ich Muslima bin, meine Haltung gegenüber dem Medium, das ich für meine künstlerischen Ausdrucksweise ausgewählt habe, ich kann es aber nicht genau sagen. Wer man ist, spiegelt sich letztendlich in den Arbeiten wider, die man produziert.

Mikaa'eel (Mick) Asmal, Model @ Select Model Management

Wie beeinflusst dein Glaube deine Arbeit?
Ich wurde erzogen, keinen Alkohol zu trinken. Also so Zeug interessiert mich nicht. Jeden Freitag nach der Schule gehe ich zum Gebet, wodurch ich zu spät dran bin (ich spiele Basketball). Aber wenn ich nicht bete, dann fühlt sich etwas nicht richtig an.

Credits


Text und Interviews: Ted Stansfield
Fotos: Samuel John Butt

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