im gespräch mit apparat

Im Vorfeld zu seinem Auftritt am Tauron Nowa Muzyka haben wir den charmanten Sascha Ring aka Apparat ein paar Fragen gestellt.

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02 Juni 2015, 1:55pm

Sascha Ring ist ein in Berlin lebender Produzent, den du wohl besser unter seinem Bühnennamen Apparat kennen wirst. Nach Kollaborationen mit Ellen Allien und gemeinsamen Alben mit Modeselektor als Moderat, ist Apparat eine sanfte Mischung aus elektronischen Klängen, seiner Stimme und aufgeladenen, ansteckenden und stimmungsvollen Beats. Besonders ist uns seine Kooperation mit Soap& Skin Goodbye vom Album The Devil's Walk in Erinnerung geblieben - ein Stück, das fast zu schön und melancholisch ist, um wahr zu sein. 

Das letzte Apparat-Album erschien 2013 und wir warten gespannt auf mehr. Im Interview verrät er uns, dass er gerade an neuem Material arbeitet, das er bald im Rahmen der Soundtracks-Tour präsentieren wird. Wir freuen uns jetzt schon! 

Wie hat sich deine Musik bzw. der Entstehungsprozess deiner Musik in den letzten Jahren verändert?
Der Prozess verändert sich eigentlich ständig. Ich kann zum Beispiel fast nicht mehr allein Musik machen. Man gewöhnt sich sehr daran, wenn man immer eine zweite oder dritte Meinung parat hat. Im musikalischem Schaffungsprozess gibt es wirklich sehr oft Momente, in denen Entscheidungen nötig sind. Da bin ich mittlerweile allein fast überfordert. Ich mache heutzutage auch weitaus traditioneller Musik als früher. Da wird weniger gejammt und Songs werden erstmal geschrieben, bevor es wirklich ans Produzieren geht.

Was war dein bester Live-Moment?
Vielleicht war das unsere erste Bandshow nach The Devils Walk. Das war ein tolles, kleines Festival in der Schweiz. Das ganze Set war sehr akustisch, aber jeder von uns brauchte einen Klick, also ein Metronom, im Ohr. Selbst die Synths brauchen einen damit Sequencen und Arpeggios syncron laufen. Der Klick hat aber leider nicht funktioniert und so haben wir das erste Konzert mit neuem Programm auch noch mit einem Megaproblem gespielt. Aber irgendwie war es echt gut. Hat bestimmt ordentlich gewackelt das Ganze, aber irgendwie lief es dann doch. Man darf sich vielleicht gar nicht so von der Technik abhängig machen. Bei der Show haben wir uns bewiesen, dass wir auch so als Band gut funktionieren.

Was war die beste Kooperation, an der du jemals gearbeitet hast?
Meine besten Kooperationen halten noch an. :) 

Welche Acts sollte man sich merken?
Keine Ahnung. Ich bin nicht der Typ, der immer den heißen Scheiß parat hat. Ich bin auch gerade im Studio und da höre ich wenig fremde Musik. Selbst wenn ich auflege, sind da zur Zeit sehr viele alte Sachen im Set.

Was war die letzte Platte, die du gekauft hast?
Die letzte Wild Beasts-Platte und das ist schon eine Weile her ... Dann hab ich mir gerade David Sylvian Secrets of the Beehive und Orang Herd of Instincts auf Vinyl bestellt, weil ich einfach auf die 80er stehe.

Hast du dir jemals darüber Gedanken gemacht, was du machen würdest, wenn es mit der Musik nicht geklappt hätte?
Ich habe lange gezweifelt und war öfters kurz davor, wieder mit der Grafik weiterzumachen. Das habe ich vor Jahren mal gelernt. Vor vielleicht viereinhalb Jahren habe ich dann endgültig beschlossen, dass ich mein Leben lang Musiker sein werde. Trotzdem habe ich noch großen Bedarf in Sachen Kontrast. In letzter Zeit gärtnere ich ein bisschen auf der Terrasse und schraube einfache Sachen an meinem Auto 'rum.

Wolltest du jemals alles hinwerfen und was anderes machen? Warum hast du dann doch weitergemacht?
Ich will öfters alles hinwerfen. Schöpferisch tätig zu sein, kann einen ganz schön nerven, wenn es dann nicht klappt. Bei jeder Platte quält man sich ab. Ich habe gerade gelesen, dass Martin Gore auch leidet und sein Leben lang haufenweise Mist produzieren musste, damit (naja in seinem Falle nicht nur ein paar) Hits dabei rauskommen. Das geht glücklicherweise jedem Mucker so und das ist gut zu wissen, wenn man gerade selbst in einer schöpferischen Krise steckt. Lasst es euch also an dieser Stelle nochmal gesagt sein.

Was ist das Beste am Musik machen?
Die wenigen Momente, in denen alles wie von selbst passiert und sich ein Song wie von Geisterhand selbst schreibt. Passiert leider nur alle paar Monate einmal. Das Gefühl gibt es aber auch im Kleinen. Wenn man gerade einen Flow hat und die Sounds einem so zufliegen und alles irgendwie zusammenpasst.

Was macht Berlin so lebenswert? Was nicht?
Mittlerweile gibt es in Berlin alles und das ist toll. Ich erinnere mich noch, dass man vor 10 bis 15 Jahren zum Beispiel echt Probleme hatte, gutes Essen zu finden. Die Stadt ist offen und abwechslungsreich. Die Schattenseiten sind, dass es wirklich überall nur noch Touristen gibt und man zu normalen Essenszeiten eigentlich nicht mehr in die besagten Restaurants gehen kann/will. Das hört sich jetzt so nach der üblichen elitären Ich war zuerst hier-Masche an, aber das ist es nicht. Ich bin auch nur zugezogen. Aber ich mag einfach Ruhe sehr gern und steh' nicht auf große Menschenmengen an einem Ort. Ich werde sicher bald aufs Land ziehen.

Irgendwas, was gesagt werden muss?
Menschen, verbringt weniger Zeit im Internet!

Live kannst du Apparat am Tauron Festiwal Nowa erleben. 

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@apparat

Credits


Foto: Sandro Baebler
Text und Interview: Alexandra Bondi de Antoni