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Musikinterviews

dj hito erklärt, was die berliner techno-szene so besonders macht

Die Japanerin weiß ganz genau, wie sie ihr Publikum auf die Tanzfläche lockt. Im Interview verrät sie uns, warum Musik eine Sprache ist, die jeder versteht, und Berlin immer noch zum Underground zählt.

Juule Kay

Juule Kay

Hito hat eine Leidenschaft, die immer mehr vom Aussterben bedroht ist: Sie legt ausschließlich mit Vinyl auf und schafft damit im Zeitalter der Digitalisierung eine ganz eigene emotionale Bindung zwischen Clubbesucher und Künstler. Bekannt wurde Hito vor allem durch gemeinsame Projekte mit Richie Hawtin, einer der weltweit bekanntesten Technoproduzenten. Seit mehr als zehn Jahren lebt die gebürtige Japanerin nun schon in Berlin und ist damit genau die richtige Ansprechperson, wenn es darum geht, einen tieferen Einblick in die Berliner Techno-Szene zu erhaschen. Wir haben sie vor ihrem Gig bei der Smirnoff-Sound-Collective-Party am Weltfrauentag zum Interview in ihrem Studio getroffen, um zu erfahren, was ihr damaliges Germanistik-Studium mit ihrer Begeisterung für elektronische Musik zu tun hat.

Du bist 1999 nach Berlin gezogen. Wie hat sich die Szene über die Jahre hinweg verändert? Was macht sie so besonders für dich?
In Berlin gab es keine Super Heroes, dafür immer eine lokale Szene, die sehr stark war. Daher habe ich mich auch immer sehr darauf gefreut, in kleine Clubs zu gehen. Jetzt geht es dagegen viel mehr ums Business. Als ich damals angefangen habe, wusste ich noch nichts darüber — soweit habe ich gar nicht gedacht. Ich habe erst nach und nach die Szene kennengelernt, nicht nur auf lokaler, sondern auch auf internationaler Ebene. Trotzdem wird Berlin für mich immer Underground bleiben.

Wie sehr unterscheidet sie sich von deinem Heimatland Japan?
Die Techno-Szene in Japan ist aufgrund der Gesetzgebung ganz anders — Clubs können zum Beispiel nicht einfach die ganze Nacht geöffnet sein. Mir ist auch aufgefallen, dass sie im Vergleich zu letztem Jahr viel kleiner geworden ist, weil andere Genres wichtiger werden. Besonders beliebt ist zum Beispiel HipHop und Reggaeton. 

Wie bist du überhaupt zur Musik gekommen?
Ich hatte mir nie zum Ziel gesetzt, DJ zu werden, sondern habe Englisch und Deutsch studiert. Irgendwann bin ich auf die Frage gestoßen, warum so viele unterschiedliche Sprachen existieren, wir einander aber trotzdem so gut verstehen können? Und habe die Antwort in Clubs gefunden. Clubs sind Orte, an denen Menschen mit so vielen verschiedenen Berufen und Nationalitäten zusammenkommen und feiern. Es gibt keine Unterschiede, alle teilen die Freude miteinander. Musik ist für mich die Sprache, die uns alle verbindet. 

Was bedeutet es für dich eine Frau zu sein?
Ich bin so geboren. Aber die Frage ist schwierig zu beantworten, weil ich finde, dass es besonders in Berlin keine großen Unterschiede gibt, was Gender betrifft. Jeder feiert hier mit jedem. Aber prinzipiell bedeutet Frausein für mich meine Natur. Allgemein wäre es in der DJ-Szene schön, wenn wenn man mehr unter Frauen wäre. 

@hitolove

Credits


Text: Juule Kay
Fotos: James Perolls