der londoner designer liam hodges ist auf die berliner mentalität neidisch

Letzten Freitag präsentierte Liam Hodges seine SS17-Kollektion als Installation im Projektraum von Trust Ltd. Warum ihm Berlin so gut gefällt und warum er sich dazu entschlossen hat, seine Mode im Galeriekontext zu zeigen, haben wir uns von ihm...

von Lisa Leinen
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14 September 2016, 12:45pm

„Wir haben Trust im Frühjahr letzten Jahres gegründet, Andrew, Jeanne und ich. Wir wollten einen Ort schaffen, an dem Leute sich treffen und kennenlernen, über Ideen reden und sie umsetzen können. Wenn der Künstler oder Designer das möchte, geben wir auch unseren Input dazu", erklärt Darryl, einer der drei Gründer von Trust Ltd. und Veranstalter der Präsentation von Liam Hodges letzten Freitag in Berlin. Inmitten des weiß gefließten Raumes in Schöneberg ist ein kleines Wohnzimmer aufgebaut: Teppiche, Sofas, Sessel, mitten drin liegen Klamotten und leere Bierflaschen rum. Dazwischen sitzen einige männliche Models, rauchen und trinken, setzen sich um, legen sich hin, verlieren sich in Gesprächen. Sie tragen Teile aus Hodges aktueller Frühjahr-/Sommerkollektion 2017, die wie die Ausstellung den Namen Refining Content trägt. Die Möbel haben die Organisatoren in den Wochen davor bei Wohnungsauflösungen zusammengekauft, um der Kollektion des Engländers den perfekten nicht perfekten Rahmen zu bieten.

„Ich wollte diese Atmosphäre schaffen, die jeder kennt, wenn man an einem Freitagabend keine Lust hat auszugehen und stattdessen Freunde einlädt, um abzuhängen", erklärt Hodges. Wer die Arbeiten des Designers kennt, weiß, dass dieses Setting wie die Faust aufs Auge zu seiner Mode passt: Dinge zusammenbringen, die eigentlich nicht zusammengehören, sie verändern, ihre Optik und Haptik brechen, mit Details spielen, um dann etwas ganz anderes zu schaffen. „Das sind alles Vintagemöbel, die wir nach und nach gekauft haben. Wir haben das natürlich alles monatelang geplant, aber dann alles innerhalb von nur ein paar Tagen hier vor Ort erschaffen. Du siehst auch noch den Dreck, der rumliegt, weil wir gesägt und gewerkelt haben. Aber genau das ist es, was mich immer schon reizt: diese unvorhersehbaren Zusammenstöße." 

Im Hintergrund läuft ein Soundtrack, der von Maxwell Owin exklusiv für das Event zusammengestellt wurde. Owin war auch schon für den Mix von Hodges-Präsentation in London vor ein paar Monaten verantwortlich. Beim Stichwort London beginnt der Designer, über Berlin zu sinnieren: „Das ist eines der Dinge, die ich an Berlin so schätze. Hier wird dir die Zeit gegeben, die du brauchst, um etwas zu erschaffen. In London musst du immer weitermachen, um nicht in der Masse der kreativen Menschen unterzugehen. Immer, wenn ich für einige Tage hier war, denke ich: Vielleicht sollte ich nicht jede Nacht bis zwei Uhr arbeiten. Vielleicht sollte ich einfach am Abend nach Hause gehen, mir etwas zu essen kochen, mir eine To-do-Liste für den nächsten Tag schreiben und mich dann schlafen legen." Dieser Abend in Berlin ging jedenfalls eindeutig länger als zwei Uhr nachts und geschlafen wurde auch nicht viel. So viel ist sicher. 

liamhodges.co.uk

trustlimited.eu

Credits


Text: Lisa Leinen 
Fotos: Adrian Parvulescu
Setdesign: Richard Whittle
Models: Aaron, David, Linus, Ryan